Corona So unterscheiden sich die Corona-Impfstoffe von BionTech/Pfizer und Moderna

Nach der Europäischen Arzneimittelbehörde hat heute auch die EU-Kommission grünes Licht für mRNA-1273 gegeben. Der Impfstoff vom Moderna ist damit in der EU zugelassen. Doch wie unterscheiden sich die beiden mRNA-Impfstoffe von BionTech/Pfizer und Moderna?

Ampullen mit Impfstoff der verschiedenen Hersteller
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Seit dem 21. Dezember 2020 verfügt die EU über den zugelassenen Corona-Impfstoff der Firma Biontech/Pfizer namens Comirnaty. Nun kommt ein weiterer hinzu: mRNA-1273 der US-Firma Moderna. Nach der Entscheidung, die von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA bekanntgegeben wurde, hat heute auch die EU-Kommission zugestimmt und den Impfstoff zugelassen.

Der Wirkstoff mRNA-1273 zählt auch zu den mRNA-Impfstoffen und ist in seinem Wirkprinzip mit dem bereits zugelassenen Impfstoff nahezu identisch.

So funktioniert der Impfstoff

Ein kleines Stück modifizierter Virus-mRNA, die den Bauplan für das Spike-Protein des Corona-Virus enthält, dringt mit Hilfe einer Hülle aus Nanolipidpartikeln, also winzigen Fettpartikeln, in die Körperzellen ein. Dort stellt der Körper für kurze Zeit das Spike-Protein her. Nun wird das Immunsystem angeregt, Abwehrstoffe, also Antikörper und T-Zellen zu produzieren. Kommt der Mensch dann mit dem echten Coronavirus in Kontakt, kann es der Körper schneller erkennen und sofort Abwehrmechanismen in Gang setzten.

Und auch bei der Wirksamkeit unterscheiden sie sich nicht. Beide weisen eine 94 bis 96 prozentige Effektivität auf und sind damit unter allen Impfstoffkandidaten nach aktueller Studienlage die wirkungsvollsten.

Zudem sind sie sich in den eventuellen Nebenwirkungen sehr ähnlich, weil sie nach dem gleichen Wirkprinzip arbeiten. Laut Studienlage werden zwei Drittel der Geimpften wahrscheinlich Kopfschmerzen haben, rund die Hälfte wird Muskelschmerzen bekommen und bei ungefähr 15 Prozent kann es zu Fieber kommen. All das sind gewünschte Impfreaktionen, die anzeigen, dass die Impfung wirkt, also eine Immunreaktion hervorgerufen wird.

Zweite Impfung

Kleine Unterschiede der beiden Impfstoffe gibt es aber trotzdem. So zum Beispiel wird die zweite Impfung des Moderna-Impfstoffes erst nach 28 Tagen empfohlen, bei Biontech/Pfizer sind es 21 Tage. Außerdem hat Moderna die Impfung bei Menschen ab 18 Jahren zugelassen, den Impfstoff von BionTech/Pfizer können bereits Menschen ab 16 Jahren erhalten. Das hängt damit zusammen, ab welchem Alter die Probanden der jeweiligen Phase-III-Studien teilgenommen haben.

Lagerung und Dosierung

Der wahrscheinlich bedeutendste Unterschied liegt allerdings in der Lagertemperatur. Der Impfstoff von BionTech/Pfizer muss bei einer Temperatur von minus 70 Grad Celsius gelagert werden, um stabil zu bleiben. Das ist für die Lagerung und den Transport eine Herausforderung. Wie der Immunologe Prof. Carsten Watzl von der TU Dortmund in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte, sei das für Deutschland im Grunde zwar kein Problem, weil wir die technischen Möglichkeiten haben. Für andere Regionen wie zum Beispiel Afrika sei das aber keine Option.

Der Impfstoff von Moderna kann auch bei minus 20 Grad Celsius gelagert und transportiert werden. Das wird dann wichtig, wenn die Impfungen in die Breite gehen, also nicht mehr nur Impfzentren, sondern auch Hausärzte die Impfungen durchführen. Denn nahezu jede Arztpraxis besitzt einen minus 20 Grad fähigen Kühl- oder Gefrierschrank. Außerdem verspricht Moderna, dass sein Impfstoff nach dem Auftauen bis zu 30 Tage haltbar ist. Bei BionTech/Pfizer sind es nur fünf Tage. Trotzdem sind beide Impfstoffe in Deutschland problemlos lager- und einsetzbar.

Auch in der Handhabung bietet der Moderna-Impfstoff Vorteile. Während bei Biontech/Pfizer das Konzentrat noch verdünnt werden muss, gibt es bei Moderna Mehrdosis-Ampullen, aus denen die Einzeldosen fertig entnommen werden können.

Mit den beiden zugelassenen Impfstoffen kann nun schneller geimpft werden, da der Wirkstoff vorproduziert und die Dosen vorbestellt sind. 160 Millionen Impfdosen hat sich die EU vom Moderna-Impfstoff gesichert. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet für Deutschland mit 1,5 bis 2 Millionen Impfdosen für das erste Quartal 2021.

JeS

Studien zur Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe

Die aktuellen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der beiden mRNA-Impfstoffe sind im New England Journal of Medicine erschienen: Efficacy and Safety of the mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine und Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine.

7 Kommentare

MDR-Team vor 6 Wochen

@adler123,
selbstverständlich ist das Ihre persönliche Entscheidung. Zwar ist eine Wahlmöglichkeit bei den Impfstoffen bisher nicht vorgesehen, sich jedoch gegen die Impfung zu entscheiden, steht jedem frei.
Dennoch stellt sich die Frage, woher Sie wissen, dass der russische Impfstoff besser ist. Und nein, das Risiko einen Impfstoff zu nutzen, der nicht alle klinischen Phasen durchlaufen hat, dessen Sicherheit nicht mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit gewährleistet werden kann, ist zumindest im Rahmen des deutschen Arzneimittelgesetzes bzw. für die deutsche Zulassungsbehörden zu groß.

adler123 vor 7 Wochen

Wen interessieren Standarts, wenn es einen besseren Impfstoff gibt? Über so mansche "Standarts" läßt sich eh streiten. So lange dieser Impfstoff schon in Benutzung ist, erübrigt sich eine weiter klinische Testphase. Diesen Impfstoff werde ich auf alle Fälle bevorzugen und am ehesten vertrauen und mich damit impfen lassen.

MDR-Team vor 7 Wochen

@Taf73,
bisher wurde der russische Impfstoff nicht den deutschen Sicherheitsstandards gerecht. Bei der Zulassung waren die klinischen Testphasen beispielsweise noch nicht abgeschlossen. Ein solches Vorgehen ist unüblich und weckt Skepsis.