Amsel auf Pfaffenhütchen
Bildrechte: imago/McPHOTO

Amselsterben Tödlich für Amseln: Das Usutu-Virus

von Kristin Kielon

Amsel auf Pfaffenhütchen
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Die Amsel ist in Europa eine der am weitesten verbreiteten Vogelarten. Doch mancherorts verstummt ihr Gesang und plötzlich sterben massenhaft Amseln. Schuld daran ist das Usutu-Virus - benannt nach dem afrikanischen Fluss Usutu an der Grenze zwischen Südafrika und Mosambik. In den 1950er-Jahren wurde das Virus dort entdeckt - seit 2010 ist es auch in Deutschland. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie es hierhin gekommen sein könnte, erklärt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg: "Zum einen, dass Stechmücken aus Afrika verschleppt wurden zum Beispiel mit dem Flugzeug oder dass Zugvögel über mehrere Etappen das Virus erst nach Nordafrika, weiter nach Italien und dann nach Deutschland gebracht haben. Oder dass zum Beispiel Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, aus Afrika nach Italien oder Österreich geflogen sind und hier von einheimischen Stechmücken gestochen wurden und so das Virus in unsere heimische Stechmückenpopulation eingebracht wurde."

Virus tötet Amseln und ist auch für manche Menschen gefährlich

Stechmücken übertragen das Virus, das vor allem für Amseln tödlich ist. Sie machen etwa 95 Prozent aller Usutu-Opfer aus, heißt es vom Naturschutzbund. Wird eine Amsel infiziert, kann sie nicht mehr fliegen. Sie beginnt zu taumeln und stirbt innerhalb weniger Stunden. Doch nicht nur Vögel, auch Menschen können sich infizieren, wenn sie von einer Mücke mit Usutu-Virus gestochen werden. Für die meisten ist das unproblematisch. Oft bemerkt man die Infektion gar nicht oder hat allenfalls grippeähnliche Symptome. Aber es gibt Ausnahmen, sagt Schmidt-Chanasit: "Nur wenige Menschen erkranken und im schlimmsten Fall kann es zu dieser sogenannten Gehirnentzündung, einer Enzephalitis, kommen. Die kann im Ernstfall auch tödlich verlaufen. Das heißt, besonders Patienten mit Vorerkrankungen, mit Krebs- oder anderen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, sind für schwere Verläufe gefährdet und sollten sich gerade im Spätsommer (…) vor Mückenstichen in Acht nehmen. Das ist also mittlerweile durchaus eine ernstzunehmende Gefahr in Deutschland geworden."

West-Nil-Virus trifft Amseln nicht, aber Greifvögel

Dasselbe gilt für einen nahen Verwandten des Usutu-Virus: Das West-Nil-Virus. Das wurde Ende August erstmals bei einem toten Bartkauz im Bergzoo Halle festgestellt, mittlerweile gibt es einen weiteren Fall im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Dieses Mal hat es einen Habicht getroffen. West-Nil betrifft keine Amseln, sondern wahrscheinlich eher Greifvögel, erläutert Virologie-Professor Schmidt-Chanasit. Sonst unterscheiden sich die Viren kaum: Beide werden von denselben Mücken übertragen und sie sind ähnlich gefährlich. Schmidt-Chanasit: "Beide Viren sind vergleichbar, sie haben beide sozusagen das gleiche Potential."

Und beide wurden erstmals in sehr warmen Gebieten in Afrika entdeckt, denn sie mögen die Wärme, haben die Virologen festgestellt: Deshalb fühlen sich die Viren auch immer wohler, je wärmer es bei uns wird.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 15. September 2018 | 11:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 20:00 Uhr