Niederschläge Wetterwarnung: Der Regen bleibt, sind Hochwasser wie 2013 möglich?

Strömt feuchtwarme Luft vom Mittelmeer zu uns und regnet sich in den Mittelgebirgen ab, droht in Mitteldeutschland Hochwasser wie 2002 oder 2013. Kommende Woche könnte es erneut zu dieser Wetterlage kommen.

Gewitterzelle über Rippien bei Dresden
Gewitterzelle über dem Osterzgebirge (Archivbild). Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Ein Tiefdruckgebiet bringt schwere Wolken über die Alpen und Tschechien nach Mitteldeutschland, wo sie sich über Erzgebirge, Thüringer Wald und Harz abregnen: 2002 und 2013 führte dieses "Vb-Wetterlage" genannte Phänomen zu schwerem Hochwasser entlang von Saale und Elbe. Aktuell gibt es Anzeichen, dass es auch in der kommenden Woche um den 13. oder 14. Juli herum zu einem solchen Ereignis kommen könnte.

Vb-Wetterlage Die Vb- (gesprochen Fünf-B-, der Buchstabe V entspricht der römischen Ziffer für 5) Wetterlage bezeichnet eine selten auftretende Großwetterlage über Europa, bei der ein Tief von der Adria über den nördlichen Balkan und die Alpen in Richtung Baltikum nach Nordosten abzieht. Vb ist dabei Teile eines ganzen Systems zur Beschreibung typischer Zugbahnen von Tiefdruck-Großwetterlagen über Europa.

Grundzutaten für eine Vb Wetterlage sind gegeben

Die Grundzutaten seien gegeben, erklärt Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. "Von Südosteuropa über das Baltikum bis Russland hat sich eine sehr ausgeprägte Hochdruckzone etabliert." Aufgrund ihrer Form wird sie Omega-Lage genannt. Diese verhindert, dass Tiefdruckgebiete über Mitteldeutschland weiter nach Osten abziehen können. Stattdessen regnen sich die Wolken nun hier ab. Allerdings sind die derzeitigen Regenfälle noch in dem Bereich, den Boden und Gewässer aufnehmen können. Ein Tief über den Balkan wiederum lenkt warme Luft nach Norden, über Polen hinweg. Ostsachsen ist daher von dem Dauerregen am Freitag auch noch nicht betroffen.

Einstellen könnte sich Vb ab kommendem Dienstag oder Mittwoch. Derzeit zeigen die Rechenmodelle laut Engelmann: "Die Gefahr hat sich etwas reduziert". Aber wirklich sichere Ergebnisse gibt es erst 72 bis 48 Stunden vorher. "Ab Sonntag oder ab Montag könnte klar werden, wie groß die Gefahr ist." Sicher sei derzeit: "Es wird noch einmal kräftiger Niederschlag auf uns zukommen. Aber die Gefahr ist aktuell noch gering, dass die Regenmengen exorbitant ausfallen."

Thüringen richtet Bereitschaftsdienste ein

Die Hochwasserzentralen der drei Bundesländer beobachten die aktuelle Situation, sehen für das Wochenende aber noch keine Gefahr. "Es ist zwar vor Stark- und Dauerregen mit bis zu 35 Litern pro Quadratmeter für das östliche Thüringen gewarnt worden, aber es gibt aktuell keine Hochwassergefahr", schildert Lutz Baseler, Sprecher des Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz die Situation für Thüringen.

Es könne zwar passieren, dass im Lauf des Wochenendes der Richtwert für einen Meldebeginn erreicht werde. Weil zugleich aber ein Ende des Dauerregens erwartet wird, bestehe keine Gefahr. Dennoch habe das Amt Bereitschaftsdienste eingerichtet, "die rund um die Uhr die Situation im Auge behalten und falls es notwendig wird, geeignet reagieren und eingreifen können."

Sachsen: Gewässer und Böden haben Bedarf und Kapazität für Regenfälle

Auch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft sieht bis zum Sonntag keine akute Hochwassergefahr für den Freistaat. "Die Messstation Pirk an der Weißen Elster hat zwar bereits bis zu 80 Litern Regen pro Quadratmeter gemessen", sagt Sprecherin Karin Bernhardt. An anderen Stationen wie in Plauen seien es bislang aber höchsten elf Liter gewesen. "Wir haben die Wetterlagen im Blick. Wenn sich die Schauersituation verstärkt, dann könnten die Pegel ansteigen, allerdings nicht in Regionen, die kritisch sind."

Ein gewisses Sicherheitspolster biete die vorangegangene Trockenheit. Dadurch sei in den Flüssen noch Platz. Und auch die Böden könnten den Regen gut vertragen, solange er nicht zu stark ausfalle. Möglicherweise werde auch das Grundwasser wieder gespeist, was dringend notwendig wäre. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hatte erst am Mittwoch auf die leeren Wasserreserven in den Waldböden hingewiesen und auf die katastrophale Situation, in der sich dadurch die Bäume befinden.

Sachsen-Anhalt: In den meisten Flüssen Mittelwasser

Auch Brit Herwig, Hydrologin am Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt sieht den aktuellen Regen erst einmal als Wohltat für Pflanzen und Tiere. "Für die Natur ist gut, was jetzt passiert, solange keine starken Unwetter kommen, die Schäden anrichten." Ansonsten beobachtet sie steigende Pegel an den Oberläufen von Weißer Elster und Mulde in Sachsen, die das Wasser nach Sachsen-Anhalt bringen werden. Dort gebe es bislang aber keine größeren Anstiege. "Wir sind derzeit im Bereich Mittelwasser in den Fließgewässern", so Herwig.

Allerdings seien die Behörden vorbereitet, denn die Rechenmodelle warnten vor steigenden Pegeln. "Wir können allerdings nicht sagen, welche der kleineren Fließgewässer es trifft. Etwa im Harz kann es manchmal auch ganz schnell gehen", sagt sie. Aktuell bleibe da aber nur abwarten.

8 Kommentare

THOMAS H vor 11 Wochen

Peter Riesler: Und weil der Mensch nicht in der Lage ist, sich selbst zu schützen, kommen nun noch private Reisen in den Weltraum dazu, wobei die, die das Geld für solche Flüge haben, sich keinen Kopf darüber machen, ob es die Zerstörung vorantreibt.

Eulenspiegel vor 11 Wochen

Also die Klimaforscher machen da klare und eindeutige Aussagen:
Die Extremwetterlagen, extreme Hitzeperioden, extreme Stürme und extreme Regenperioden, werden stark zunehmen.
Sogenannte gemäßigte Wetterlagen, wie sie in Europa vorherrschend waren werden dementsprechend abnehmen. Und die Schäden durch diese Extremwetterlagen werde natürlich auch zunehmen.

MDR-Team vor 11 Wochen

Hallo @part, wie schon oft angemerkt, beinhaltet ein Artikel nicht die Aussage des MDR. Wir sind wertfrei und neutral und bilden nur ab.
Im Text steht: "Ein gewisses Sicherheitspolster biete die vorangegangene Trockenheit. Dadurch sei in den Flüssen noch Platz. Und auch die Böden könnten den Regen gut vertragen, solange er nicht zu stark ausfalle. Möglicherweise werde auch das Grundwasser wieder gespeist, was dringend notwendig wäre."
Liebe Grüße

Modell einer Erde dampft und ist mit Pflastern beklebt mit Video
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MDR FERNSEHEN So, 15.11.2020 22:00 22:45