Umwelt Vom Winde verweht – reist Mikroplastik mit der Luft?

Berge in Frankeich
Die Pyrenäen. Selbst hier haben Forscher Mikroplastik gefunden. Bildrechte: imago/alimdi

Mikroplastik verteilt sich offenbar auch über ein Element, dass wir bisher nicht auf dem Schirm hatten, wenn es um die Verbreitungswege der winzigkleinen Partikel geht: Mikroplastik kann mit der Luft reisen. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die das Fachmagazin "Geoscience" veröffentlicht hat.

Demnach hatten Forscher fünf Monate lang in einer abgelegenen Gegend der französischen Pyrenäen Proben von atmosphärischen trockenen und nassen Ablagerungen gesammelt. Darin wurden sowohl Mikroplastik als auch Kunststoffteilchen, Film und Faserabrieb gefunden: 365 Teilchen pro Quadratmeter, und zwar jeden Tag. Mikroplastik scheint sich also auch über die Luft zu verbreiten, es verfliegt im direkten Wortsinn. Simulationen der Forscher über die Luftströme zeigen, dass die Mikroplastik-Funde aus 100 Kilometer Entfernung bis zum Fundort geflogen sein können.

Wie bewertet die Fachwelt die Pyrenäen-Funde?

Dr. Volker Matthias leitet die Abteilung Chemietransportmodellierung am  Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Ihn überraschen die Funde nicht:

Wenn die Partikel durch turbulente Luftbewegungen einmal in größere Höhen angehoben wurden, können sie – analog zu Sahara- und Vulkanstaub – auch über größere Entfernungen transportiert werden. Fasern haben durch ihre spezielle Form geringere Sinkgeschwindigkeiten als kugelförmige Teilchen der gleichen Masse.

Professor Dr. Hartmut Herrmann leitet die Abteilung Chemie der Atmosphäre am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS). Er selbst kennt bislang keine vergleichbaren Daten. Die Schlussfolgerung für ihn ist klar:

Man muss sich also mehr um die Einschränkung der Freisetzung an den Quellen kümmern.

Sofern die Autoren sichergestellt hätten, dass es keinen anderen als den Luftweg für die Mikroplastikpartikel in den Pyrenäen gab, müsse jetzt untersucht werden, wie sie in die Atmosphäre kommen. So wie Bodenpartikel und Saharastaub dispergiert werden können, könne das auch mit Mikroplastik-Teilchen geschehen, sagt der Leipziger Spezialist.

Man sieht nur mit dem Auge ... nichts

Mikroplastik ist mit dem Auge allein nicht sichtbar. Es handelt sich dabei um feinste Abriebe zum Beispiel von Autoreifen oder um Partikel aus der Wäsche, die übers Abwasser in den Wasser-und Nahrungskreislauf gelangen. Für die Verbreitung über die Luft fehlten bisher Nachweise und Untersuchungen.

Grafische Darstellung kleiner Partikel, die um einen Mann und eine Frau, die durch eine Allee gehen, herumfliegen. 3 min
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Mo 04.02.2019 13:19Uhr 02:34 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/was-ist-mikroplastik100.html

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Video

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 15. Februar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 19:00 Uhr

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