Ein junger Mann mit langem Bart und Mütze benutzt ein Smartphone und einen Laptop in der Natur.
Bildrechte: IMAGO/Westend61

Netzabdeckung Auf der Suche nach den letzten Funklöchern

5G ist der neue Mobilfunkstandard. Doch weder 4G/LTE noch andere Netze sind bereits vollständig ausgebaut. Eine neue Strategie soll letzte Funklöcher bekämpfen. Orte ohne Mobilfunkstrahlung gibt es ohnehin kaum noch.

Ein junger Mann mit langem Bart und Mütze benutzt ein Smartphone und einen Laptop in der Natur.
Bildrechte: IMAGO/Westend61

Der Mobilfunkstandard 5G ist angekommen – spätestens mit dem Mobile World Congress 2019 in Barcelona. 4G ist längst schon da und 3G versprach bereits kurz nach der Jahrtausendwende schnelles, mobiles Internet. Bei aller Zukunftseuphorie kaum zu glauben: Noch immer gibt es Funklöcher in Deutschland, also Orte, an denen nicht einmal 2G (und damit Telefonie, SMS und Schneckentempointernet) verfügbar sind.

Gemeinsame Sache der drei Netzbetreiber

Das wirtschaftliche Interesse der Mobilfunkanbieter, diese Lücken zu schließen, ist gering, weil die Kosten viel höher als mögliche Mehreinnahmen sind. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter sagte jetzt gegenüber der Zeitung Welt am Sonntag, er wünsche sich eine Art Ausbauallianz der Netzbetreiber.

Mobilfunkantennenmast von Vodafone, umrandet von unscharfen Blättern von Bäumen
Vodafone schlägt vor, dass sich Anbieter abgelegene Masten teilen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Und so solle das funktionieren: Die drei "echten" Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica (o2) könnten die Zahl der Funkloch-Gegenden in Deutschland untereinander aufteilen. So müsste jeder Netzbetreiber nur ein Drittel der unlukrativen Mobilfunkstationen bauen. Die anderen beiden würden sich dann jeweils mit einer eigenen Antenne dranhängen. Ein Modell, dass auch vom politischen Willen und entsprechender Förderung abhinge. Im Unterschied zum sogenannten National Roaming würde dieses Prinzip auch wirklich alle Funklöcher schließen. Beim National Roaming nutzt ein Netzbetreiber das Netz eines anderen – so hat das zum Beispiel o2 im Zuge seines Netzaufbaus gemacht und später noch einmal, als die Netze von o2 und E-Plus fusioniert sind. Dort, wo kein Funkmast steht, können Netzbetreiber aber auch kein Roaming nutzen.

Gutes mobiles Breitband in Mitteldeutschlands Haushalten

An und für sich sieht die Netzabdeckung in Mitteldeutschland aber jetzt schon gut aus, wie ein Blick in den Breitbandatlas verrät. So sind im Durchschnitt 50 bis 75 Prozent der Haushalte mit Breitbandmobilfunk von mindestens 50 MBit/s versorgt. So, wie in großen Teilen Deutschlands. Lediglich rund um Dohna südlich von Dresden ist die Verfügbarkeit etwas schlechter – in Adorf im Vogtland dafür besonders gut. Geht man von einer noch brauchbaren Geschwindigkeit von 6 Mbit/s aus – für Videostreaming ausreichend –, sind in Mitteldeutschlands Ortschaften durchschnittlich zwischen 75 und 100 Prozent der Haushalte versorgt.

Echte Funklöcher rar gesät

Echte Funklöcher ohne Mobilfunksignal scheint es also nur noch dort zu geben, wo keine Menschen wohnen. Darauf lässt die preisgekrönte App White Spots schließen. Mit ihr lassen sich Routen zu den raren Orten ohne Signale finden. Möchte man zum Beispiel aus dem Ballungsraum Leipzig-Halle digitalen Signalen entkommen, muss man eine Fahrt von zwei Stunden bis ins Erzgebirge in Kauf nehmen. Einige Kilometer südlich von Morgenröthe-Rautenkranz, Nähe der tschechischen Grenze, befindet sich einer der seltenen weißen Flecken ohne elektromagnetische Wolke. Ein Blick auf die Mobilfunksender um den MDR-Campus in Leipzig zeigt das Gegenteil: Eine Vielzahl von Antennen, die nächste immer nur wenige Meter entfernt.

Netzabdeckung: White Spots

Wie sieht eigentlich die Netzabdeckung weltweit aus?

Rund um den MDR-Campus in Leipzig zeigt die  App White Spots wie vielerorts viele Mobilfunksender.
Rund um den MDR-Campus in Leipzig zeigt die App White Spots viele Mobilfunksender. Bildrechte: White Spots
Rund um den MDR-Campus in Leipzig zeigt die  App White Spots wie vielerorts viele Mobilfunksender.
Rund um den MDR-Campus in Leipzig zeigt die App White Spots viele Mobilfunksender. Bildrechte: White Spots
Südlich von Morgenröthe-Rautenkranz befindet sich ein seltener weißer Fleck ohne Signal.
Südlich von Morgenröthe-Rautenkranz befindet sich ein seltener weißer Fleck ohne Signal. Bildrechte: White Spots
Die App zeigt auch die Teilung der Welt aus Perspektive der Netzabdeckung. Westliche Länder sind besonders gut versorgt.
Die App zeigt auch die Teilung der Welt aus Perspektive der Netzabdeckung. Westliche Länder sind besonders gut versorgt. Bildrechte: White Spots
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Während vor einigen Jahren noch das Geschäftsmodell der "Funkloch-Ferien" aufkam – also Zufluchtsorte ohne Empfang -, dürften die potenziellen Reiseorte mit der Vodafone-Idee bald ganz verschwunden sein. Zumindest in Deutschland. Bei Fernreisen sieht das ganz anders aus, denn noch etwas zeigt die App White Spots: Die Teilung der Welt in Empfang und Nicht-Empfang. Und Empfang ist deckungsgleich mit der westlichen Welt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 23. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2019, 09:26 Uhr