Stunde der Gartenvögel: Zwischenbilanz Vogelzählung: Körnerfresser im Vorteil?

Wie steht es um die einheimische Vogelwelt? Der Naturschutzbund hatte zur zweiten Zählung 2021 aufgerufen. Interessante Zuwächse gab es bei Stieglitzen und Kernbeißern. Und auch der Vogel des Jahres, das Rotkehlchen, verzeichnet 24 Prozent mehr Sichtungen.

Kernbeißer stänkert Stieglitz an
Ein Kernbeißer zwackt einen Stieglitz. Ob es hier etwa um einen Futterstreit geht? Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Leg doch wenigstens im Garten mal das Handy weg! Wieso? Ich zähle doch Vögel! Dank diverser Apps zur Stimm- oder Bildanalyse ist es leicht festzustellen, welche Vögel im Garten oder Park vor uns herumzwitschern und tschilpen. Wie viele appgestützte Vogelanalysen so entstanden sind, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bei der Zählung "Stunde der Gartenvögel" bisher geliefert bekommen hat, ist allerdings nicht bekannt, bzw. wird bei der Zählung nicht erfasst.

Stieglitz und Kernbeißer: Ernährung besser gesichert?

Eine Kohlmeise auf einem Zweig 2 min
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Der Frühling ist endlich da - doch wer genau zwitschert da eigentlich? Die App „BirdNET“ will genau diese Frage beantworten. Aber hält sie, was sie verspricht?

Mo 29.03.2021 13:25Uhr 02:04 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/vogelstimmen-app-100.html

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Aber eine erste Zwischenbilanz gibt es und die lässt eine interessante Hypothese zu: "Sind vegetarische Vögel im Vorteil?" fragt man sich beim NABU angesichts erster Trends, die sich aus den bisherigen Einsendungen (Stand 17. Mai, 10:00 Uhr) ableiten lassen. Mehr als 2,1 Millionen Vögel wurden demnach an den Zähltagen zwischen 13. und 16. Mai 2021 von Menschen gesehen und gemeldet. Stieglitz und Kernbeißer sind dabei zwei Arten, die im Vergleich zu den Vorjahren große Zuwächse verzeichneten, es wurden um 65 Prozent mehr Kernbeißer und 38 Prozent mehr Stieglitze gesehen. Das Interessante dabei: Stieglitze ernähren sich so gut wie nicht von Insekten, sondern von Stauden-Samen, oder Samen von Erlen oder Birken. Ihre Jungen ziehen sie mit Knospen von Bäumen groß. Ähnlich der Kernbeißer, auch bekannt als Finkenkönig, er knackt mit seinem stabilen Schnabel Kirschkerne, Bucheckern, Nüsse und andere Kerne. Er frisst aber auch Insekten.

Mauersegler, Mehlschwalbe & Co: Schlechte Karten für Insektenfresser?

Die Zwischenergebnisse bei den "Klassikern" deuten einerseits auf Erholungseffekte hin: 24 Prozent mehr Rotkehlchen wurden gemeldet, 19 Prozent mehr Blaumeisen, neun Prozent mehr Haussperlinge. (Stand 17.05.2021). Dagegen wurden Fluginsektenjägern wie Mehlschwalben und Mauersegler seltener gesichtet, vier Prozent weniger Mehlschwalben und 17 Prozent weniger Mauersegler.

Die Top 5 für Mitteldeutschland

Sachsen: Haussperling, Star, Kohlmeise, Feldsperling, Amsel

Sachsen-Anhalt: Haussperling, Star, Feldsperling, Kohlmeise, Amsel

Thüringen: Haussperling, Star, Kohlmeise, Amsel, Feldsperling

(Stand 17.05.2021)

Die genaue Auswertung und auch die Deutung der Ergebnisse steht noch aus, denn bis zum 24. Mai können noch Vogelsichtungen online gemeldet werden. Alle Ergebnisse der Zählung können Sie hier auf der Karte des NABU einsehen, entweder nach Orten suchen oder auf der Rangliste nachschauen, wie es um die Vögel steht, auch im Vergleich zu den Vorjahren.

(lfw)

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