Geflügelpest Wie gefährlich ist die Vogelgrippe für Menschen?

Die Vogelgrippe 2016/2017 ist gefährlicher als früher. Sie befällt mehr Tiere, sagen die Experten des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Inzwischen sprechen sie von einer Pandemie unter Wildvögeln. Europa, Asien, Afrika - drei Kontinente sind betroffen. Zehntausende Zuchttiere mussten in Mitteldeutschland bereits getötet werden. Wie gefährlich ist der hochpathogene Erreger für Menschen? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist die Vogelgrippe immer gleich gefährlich?

Nein. Es gibt niedrigpathogene (gering krankmachende) und hochpathogene (stark krankmachende) Varianten und verschiedene Subtypen. Gefährlich können die Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 werden. Geringpathogene Influenzaviren dieser beiden Subtypen verursachen bei Hausgeflügel kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren zu einer hochpathogenen Form der klassischen Geflügelpest (Vogelgrippe) mutieren. Die Krankheit ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts befällt der veränderte Erreger in diesem Jahr im Vergleich zu 2014 mehr Vogelarten und führt zu einer höheren Sterblichkeit bei Wildvögeln. Der Erreger sei mutiert, es sei jedoch kein völlig neuer.

Müssen wirklich alle Tiere getötet werden?

Gibt es in einem Mastbetrieb einen Fall von Vogelgrippe, dann ordnen die Behörden einen Zwangskeulung an - alle Tiere werden getötet und entsorgt. Diese Massentötung wird mittlerweile in Frage gestellt. "Die Reaktion ist völlig übertrieben", sagt zum Beispiel Prof. Karina Reiß, Zellbiologin an der Christian-Albrecht-Universität Kiel, der Zeitung SHZ. Grippeviren, so Reiß, seien bei Vögeln weit verbreitet, aber meistens ungefährlich. Wenn dann sogar Gänse gekeult werden, die am weniger gefährlichen Subtyp H5 erkrankt sind, sei das sogar "unethisch". Experten des FLI halten dagegen. Es sei bereits mehrfach beobachtet worden, dass die Erreger mutieren und gefährlicher werden. Und daher sei die Reaktion notwendig.

Wie kam die Vogelgrippe nach Deutschland?

Wildlebende Wasservögel sind das natürliche Reservoir für die niedrigpathogenen Vogelgrippe-Erreger. Es ist davon auszugehen, dass Zugvögel das Virus großflächig verbreiten. Der aktuelle Ausbruch steht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, im Zusammenhang mit dem Vogelzug. Der Import von infiziertem Futter oder Eiern spielt demnach bei den aktuellen Fällen im Wildvogelbereich eher keine Rolle. Bei jedem Ausbruch bei Nutzgeflügel werden laut FLI mögliche Eintragungsquellen wie Futter und Einstreu untersucht. Ist der Erreger in der Wildvogelpopulation vorhanden, kann er direkt und indirekt - etwa über den Kot infizierter Wildvögel - übertragen werden. Daher sollte Futter für Nutzgeflügel nicht frei gelagert werden. Wildvögel sollten keinen Zugang zum Trinkwasser von Nutzgeflügel haben und Menschen über Seuchenmatten Ställe betreten.

Kommt die Vogelgrippe häufiger in Deutschland vor als früher? 

Durch die verbesserte Diagnostik werden heute mehr Fälle bekannt. Nach Einschätzung des FLI hat die Zahl und Schwere der Ausbrüche seit den 1990er-Jahren aber auch zugenommen. "Mittlerweile haben in Deutschland die Fälle bei Wildvögeln und Ausbrüche bei Geflügel und in zoologischen Einrichtungen ein nie zuvor gekanntes Ausmaß angenommen", heißt es in der aktuellen Risikobewertung des FLI.

Ist die Vogelgrippe für den Menschen gefährlich?

Das hängt vom Erreger ab. Zudem hatten die meisten der an Influenza erkrankten Menschen engen Kontakt zu krankem oder verendetem Geflügel. Mediziner gehen davon aus, dass Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen müssen, um sich zu infizieren. Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation seit 2003 weltweit rund 850 Menschen, etwa 450 starben. Für den hochpathogenen Erreger H5N8 sind bislang weltweit keine Erkrankungsfälle bekannt. Augenmerk richten die Forscher auf H7N9. Als niedrigpathogene Variante bleibt er im Geflügel lange unauffällig, kann aber beim Menschen zu Erkrankungen und Todesfällen führen. Seit 2013 wurden weltweit knapp 800 erkrankte Menschen registriert, mehr als 300 starben an H7N9.

Was ist mit dem Tiefkühlgeflügel?

Sicher ist, wer das Geflügel richtig durchgart, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dafür braucht das Geflügel 90 Grad Kerntemperatur. Wer sein Fleisch lieber rosa mag, brät immer noch mit 75 Grad. Es reicht, so das BfR, wenn die Vögel für mindestens zwei Minuten mehr als 70 Grad Kerntemperatur haben. Dann sind die Erreger, so sie vorhanden waren, abgestorben.