Faszination Vogelzug Dieses Wochenenende ist was los am Himmel

Hunderte Millionen Zugvögel machen sich jetzt auf ins Warme - ein faszinierendes Schauspiel am Herbsthimmel. Wer die Kranichketten, Starenschwärme oder Gänse-V-Formationen sehen will, braucht einen guten Standort und bestenfalls die Begleitung eines Experten.

Gänse fliegen in V-Form über den Himmel.
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Am 30. September und 1. Oktober ist EuroBirdWatch-Wochenende. Denn jetzt sind über 200 Millionen Zugvögel allein aus Deutschland auf dem Weg gen Süden, weitere 300 Millionen fliegen aus anderen Ländern über uns hinweg oder überwintern hier. Es ist zur Zeit also ordentlich was los am Himmel - ebenso an den Sammelplätzen wie zum Beispiel an der NABU-Storchenschmiede Linum. Die gefiederten Reisenden finden sich auch an der Unteren Havel, im Wattenmeer, am Bodensee, dem Steinhuder Meer sowie großen Seen, Flüssen und Talsperren ein und lassen sich beobachten.

Mit dem Fernglas hoch hinaus

Wer das faszinierende Schauspiel am Herbsthimmel unmittelbar erleben möchte, für den bietet der Naturschutzbund NABU geführte Exkursionen an. Für alle, die auf eigene Faust beobachten möchten, hat Vogelschutzexperte Eric Neuling ein paar wichtige Tipps:

Ein erhöhter Standpunkt ist wichtig, um nah dran zu sein. Zugvögel verändern ihre Flughöhe nicht, nur weil ein Hügel vor ihnen liegt. Wenn man sicher bestimmen möchte, welche Art gerade über einem fliegt, ist ein Fernglas oder ein Spektiv unentbehrlich. Tagsüber fliegen Ringeltauben, Finken, Schwalben, Lerchen oder Saatkrähen. Vögel, die nachts ziehen, sucht man am besten an ihren Rastplätzen auf.

Eric Neuling, NABU

Wer fliegt denn da?

Der Birdwatch bietet aber nicht nur die Gelegenheit, mehr über Zugvögel zu erfahren. An diesem Wochenende werden auch Daten erhoben, die der Vogelforschung helfen. Hier sind die Top 12 der typischen, beim Birdwatch zu beobachtenden Zugvogelarten!

Was sind das nur für Leute - diese Ornithologen?

Es gibt Menschen, die unterbrechen jedes Gespräch, wenn hoch am Himmel irgendein Vogel über sie hinwegfliegt. Ornithologie heißt die Leidenschaft für die Vogelwelt und an diesem Wochenende versammelt sich in Halle die bundesweite Gemeinde der Vogelforscher - im Audimax der Uni tagt die vor allem männlich dominierte Deutsche Ornithologische Gesellschaft. Dabei handelt es sich nicht nur um Biologen. Ornithologie - also die Liebe zu den Vögeln- ist ein weltweites Phänomen. Selbst Bill Clinton verdrückte sich am Rande seiner Auslandsbesuche, um Vögel beobachten zu können.

2,2 Löffel, 2 Alpis, 2 Zwerg und 1.1 Reiher...

Ornitholgengespräch

Wer nahezu täglich den Vögeln hinterhersteigt, hat keine Zeit, die Vogelnamen komplett auszusprechen. Die Notizzettel sind voller Zahlen und Abkürzungen. Vorbeischlendernde Spaziergänger schauen erst verständnislos in Richtung des Fernglases, dann auf die sonstige Technik, die den Vogelverrückten so umgibt: Das Stativ mit dem teuren Fernrohr für die ganz weit entfernten Sachen, den Fotoapparat, um Seltenes gleich dokumentieren zu können. Der Wahl-Hallenser Markus Deutsch ist einer von diesen fanatischen Vogelfans.

Wenn man da ein paar bessere Dinge haben will, ist man schon bis 5.000 Euro dabei.

Markus Deutsch
Ornithologe Frank Steinmeier bei der Feldarbeit
Geduld und gute Technik - das braucht Ornitholge Frank Steinmeier auf sienen Streifzügen. Bildrechte: Jonathan Eames

Trotz Familie und Job findet er immer wieder zwei, drei Stunden, um vor die Tore der Stadt zu fahren, in eines der vielen Seengebiete. Nur ungern lässt er Spaziergänger an die teure Technik. Besser ist es sowieso, wenn niemand die Vertrautheit von Vogel und Vogelfreund trübt. Und da spielen weder eisige Temperaturen noch Entfernungen eine Rolle, nichts scheint schöner zu sein, als allein oder mit ein paar Verschworenen dem ersten Gruß der Sumpfvögel zu lauschen.

Als ich 10 war oder so, da hab ich damit angefangen. Man ist viel draußen, man bewegt sich, man ist in der Natur - ja, es übt schon eine große Faszination aus, was so kleine Vöglein so für Leistungen vollbringen können.

Markus Deutsch

Es gibt regelrechte Hotspots- also Gegenden, in denen die schiere Vielfalt der Arten den Ornithologen in Entzücken versetzt: Die flache Mitte des gigantischen Geiseltalsees im Süden von Merseburg - die ist so ein Punkt. Jetzt im Herbst versammeln sich hier Tausende Gänse, Enten und Watvögel vor ihrem Abflug nach Süden. Durch Bergbaufolgelandschaft in unserer Region kommen einmalige Settings zustande, die man durchaus auch mitgestalten müsse, sagt Dr. Frank Steinheimer. Der Biologe ist Leiter der naturwissenschaftlichen Sammlungen in Halle und ebenfalls begeisterter Ornitholge.

 Frank Steinmeier in der Sammlung der Universität Halle
Ornithologe Frank Steinmeier Bildrechte: Markus Scholz

Und wenn der Naturschutz jetzt sagt: wir wollen ein Veränderungsverbot, dann ist das sehr sehr schwierig. Eigentlich wär's da günstig, wenn im Winter da vielleicht 'ne Rally stattfindet und der Hang dann wieder abrutscht und das ganze Grünzeug weg ist.

Dr. Frank Steinheimer

Die Passion der Vogelfreunde könnte uns auf diesem Wege auf lange Sicht eine vielfältige Natur bescheren, die ganz anders tickt als ein gut gepflegter Park oder ein Naturschutzgebiet, wo niemand hereindarf und also auch niemals sehen wird, wo Schwarzstorch und Eisvogel wohnen. So sind die Ornithologen eben doch mehr als ein verrücktes Völkchen. Ihr Hobby hat gesellschaftliche Relevanz:

Vogelexkursion zum Geiseltalsee Wer mit den Ornitholgen gemeinsam Vögel entdecken möchte, hat am 3. Oktober 2017 die Möglichkeit. Die Exkursion führt zum Geiseltalsee. Treffpunkt ist früh um 8:00 Uhr auf dem  öffentlichen Parkplatz Volkmannstraße  gegenüber dem Haupteingang des Hauptbahnhofs Halle/S.

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: LexiTV | 02.10.2017 | 15:00 Uhr