Schwarzspecht
Ein Specht bei der Partnersuche Bildrechte: IMAGO

Vögel klopfen nicht nur für den Höhlenbau Computermodelle zeigen: Jeder Specht klopft anders

Im Winter ist der Specht am besten zu hören: Beinahe konkurrenzlos klopft und hämmert er, denn die meisten Vögel sind jetzt noch im warmen Süden. Aber der Specht trommelt nicht nur, um seine Höhle zu zimmern.

Schwarzspecht
Ein Specht bei der Partnersuche Bildrechte: IMAGO

Spechte klopfen da, wo sie am besten zu hören sind. Dafür suchen sie sich einen Holzstamm mit guter Resonanz oder auch mal die Isolierung einer Hauswand. "Ich kannte Buntspechte, die auf Sirenen getrommelt haben und die haben eine akustische Reichweite von zwei, drei Kilometern und nicht nur von ein paar hundert Metern", sagt Ornithologe Frank Steinheimer.

Wie so oft in der Natur geht es dabei um die Partnerwahl. Laute Spechte haben bei den Weibchen besonders gute Chancen, sagt Steinheimer, der die naturwissenschaftlichen Sammlungen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg leitet. Das Klopfen entscheide über Glück oder Pech des Vogels. "Also eigentlich ist es zu erwarten, dass Spechte mit ihrem Klopfen eine individuelle Qualität signalisieren, sonst macht das Klopfen keinen Sinn."

Die Weibchen erkennen am Klopfen, ob der Specht ein guter Partner ist und genügend Kraft hat, den Nachwuchs aufzuziehen. Sie sitzen in den Bäumen und lauschen, denn jeder Specht klopft anders. Das zeigen nun auch Computermodelle, mit dessen Hilfe polnische Wissenschaftler die Klopfgeräusche analysiert haben. Jedes Klopfen ist individuell, so die Forscher.

Steinheimer erklärt die Überlegung seiner Wissenschaftlerkollegen: "Die Evolutionsbiologen nutzen die sogenannte Handycap Theorie. Ein Vogel, der so ein akustisches Signal aussenden kann und dabei ausshält, dass sein Gehirn bei diesem Ausschlag eine Erschütterung abkriegt, der ist ein besonders fitter Kerl und mit dem lohnt es sich, Nachkommen zu zeugen."

Das Gehirn des Spechtes ist in einem Flüssigkeitsfilm gelagert, der die Schläge abpuffert. Trotzdem gehen Wissenschaftler davon aus, dass sie trotzdem Schaden anrichten.

Das zeigt, wie gut der Specht gebaut ist, wie gesund er ist, wenn er das ab kann (...) und das Weibchen kann aus der Frequenz und der Stärke Qualitätsmerkmale heraus lesen und wie oft der Specht hintereinander die Trommelwirbel einsetzen kann. Beim Bundspecht ist es relativ kurz - so ein drrrrrr - und beim Schwarzspecht ist es schon länger (...) und man kann als Ornithologe die Arten unterschieden nur auf Grund der Länge und der Geschwindigkeit des Trommelwirbels.

Frank Steinheimer, Ornithologe Martin-Luther-Universität

Der eine singt, der andere Klopft, um Weibchen zu erobern. Die Vielfalt in der Vogelwelt ist aber noch viel bunter, sagt Steinheimer. "Es gibt bei den Vögeln ganz verschiedene Lautäußerungen. Es gibt Vögel die klatschen ihre Flügel zusammen, wie die Ringeltaube oder der Ziegenmelker, oder es gibt Vögel, die die Federn raus stellen, die dann im Wind vibrieren, wie bei der Bekassine und es gibt den Weißstorch der mit dem Schnabel klappert und den Specht der hämmert."

Wobei der Specht sich nicht aufs Klopfen alleine beschränkt. Was Viele nicht wissen: Der Trommel Experte kann auch singen. "Der Grünspecht hat diesen Doppelschlag, das so ein bisschen wie Lachen sich anhört. Der Grauspecht ist ganz ähnlich aber ohne Doppelschlag", sagt Frank steinheimer. "Der Schwarzspecht hat einen Flug- und einen Sitzruf, man kann man erkennen ob er fliegt oder sitzt und der Mittelspecht klopft nur selten und wenn er ruft, dann klingt er ein bisschen wie ein quäkendes Kind."

Sieben Specht Arten leben in Mitteldeutschland. Sechs von ihnen bleiben im Winter hier. Nur der Wendehals, ein kleiner Specht, fliegt in den Süden. "Februar und März sind die besten Monate, um Spechte zu hören. Das sind die Vögel, die man jetzt zu Gesicht bekommt oder zu Gehör." Denn im Winter können sie sich nicht in den kahlen Bäumen verstecken und sind deshalb besonders gut zu sehen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | 13. Februar 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 13:17 Uhr