Immer seltener zu sehen Warum sterben Eisblumen aus?

Zu jedem romantischen Winterbild gehören sie dazu: die Eisblumen. Zierlich und imposant ranken sie über die Fensterscheiben. Doch dieses Bild wird immer seltener, denn die Eisblumen sind vom Aussterben bedroht.

von MDR Wissen-Redakteurin Karolin Dörner

Eisblumen
Zierlich und filigran ranken sich Eisblumen bei Kälte auf Fensterscheiben. Bildrechte: Colourbox.de

Eisblumen sieht man heutzutage meist nur noch, wenn sie künstlich sind: Für ein paar Euro auf Fensterscheiben gesprüht. Denn die Originale sterben aus. Doch warum ist das so? Um das zu verstehen, muss man zunächst wissen, wo sie überhaupt vorkommen. Denn ähnlich wie etwa Korallen im Meer brauchen sie eine ganz bestimmte Umgebung, um zu entstehen, erklärt Physik-Professor Georg Schmidt von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Wir haben im Winter zum Beispiel sehr kalte Fensterscheiben und im Raum ist die Luft etwas wärmer und hat ein bisschen Feuchtigkeit und die warme Luft, die im Zimmer ist, die kommt ans Fenster, kühlt sich dort ab und hat dann ein kleines bisschen zu viel Feuchtigkeit. Und jetzt kommt es sehr darauf an, wie feucht die Luft ist und wie kalt die Fensterscheiben sind.

Prof. Georg Schmidt, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ist die Luft nämlich zu feucht, beschlägt das Fenster nur. Und ist die Fensterscheibe nicht unter null Grad gekühlt, kann sich kein Eis bilden. Stimmen die Verhältnisse aber, dann wachsen Eisblumen, erklärt Schmidt. Besonders wenn dieser Vorgang sehr langsam ginge, dann könne es zur Bildung von Kristallen kommen und das gebe dann diese schönen Schneeflockenmuster, diese Sternmuster, die auch als Eisblumen bezeichnet werden.

Doch noch ein weiterer Faktor spielt eine Rolle: Die Scheibe darf nämlich nicht steril sauber sein, denn die Eiskristalle brauchen kleine Staubpartikel, an denen sie sich bilden. Die Unreinheiten und Unebenheiten des Fensterglases lassen das Eis dann in floralen Mustern über das Fenster wachsen.

Aber die Scheibe darf auch nicht völlig verdreckt sein, sagt Georg Schmidt von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Wenn Sie viele Partikel haben, dann entstehen viele Eisblumen auf einmal. Also im Extremfall, wenn Sie jetzt jeden Quadratmillimeter einen Partikel haben, dann können Sie keine Eisblume kriegen, die größer als einen Quadratmillimeter ist und das sehen Sie ja gar nicht richtig.

Prof. Georg Schmidt, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Dieses sehr spezifische Habitat der Eisblume findet sich in Deutschland aber nur noch selten. Anders als bei den Korallen ist das eigentlich eine erfreuliche Nachricht, meint Physik-Professor Georg Schmidt.

Die Erklärung liege nämlich im Energiesparen. Die meisten Häuser hätten demnach mittlerweile eine Doppel- oder Dreifachverglasung und deshalb auch im Gebäude keine kalten Fensterscheiben mehr. Die Scheiben müssten aber zwingend unter null Grad haben, damit dieser Vorgang zustande kommen kann. Und wenn das heutzutage der Fall ist, dann sagt man, mit dem Haus stimmt irgendetwas nicht, so Schmidt.

Ganz ausgestorben sind die Eisblumen aber noch nicht: Hin und wieder findet man sie zum Beispiel noch auf der Windschutzscheibe vom Auto. Die kann nämlich noch weit genug runterkühlen. Für Autofahrer ist das aber wenig erfreulich, denn die Eisblumen wachsen nämlich auf der Innenseite der Scheibe und sind besonders schwer wieder abzubekommen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Radio | 19.01.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 13:40 Uhr