Friedrich-Schiller-Universität Jena Warum trocknen unsere Flüsse aus?

Die anhaltende Dürre in diesem Hitzesommer hatte dramatische Folgen für die Flüsse: Die Pegelstände sanken deutlich, die Binnenschifffahrt musste teilweise eingestellt werden und manch ein Gewässer ist sogar komplett ausgetrocknet. Diese Extremereignisse haben in den vergangenen Jahren signifikant zugenommen, bilanziert die Univeresität Jena. Deshalb werden das Phänomen und seine Folgen für das Ökosystem in einem internationalen Forschungsprojekt genau untersucht.

Ein ausgetrocknetes Flussbett in einem Wald.
Die Leutra bei Jena fiel im Hitzesommer 2022 trocken. Bildrechte: Jens Meyer/Uni Jena

Im Sommer kann es schon mal sehr trocken und sonnig sein, das ist nicht ungewöhnlich. Doch ein Dürre-Sommer wie in diesem Jahr ist extrem: In einigen Regionen ist so wenig Regen gefallen, dass sogar kleinere Flüsse komplett ausgetrocknet sind. In anderen Regionen Europas waren streckenweise sogar große Flüsse betroffen, wie etwa die Loire in Frankreich oder der Po in Italien.

Biologische Vielfalt im Ökosystem in Gefahr

Doch Wasser bedeutet Leben - vor allem natürlich für das Ökosystem Fluss. Was hat das also für Folgen, wenn ein Flusssystem komplett trocken fällt? Immerhin sei das mittlerweile eine Situation, die kaum noch Ausnahme, sondern eher Regel geworden ist, konstatiert Annika Künne von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Hydrologin widmet sich diesem Phänomen deshalb im Rahmen ihrer Forschungsarbeit. Sie ist Teil des internationalen Forschungsprojekts DRYvER, bei dem 25 Partner aus elf Ländern kooperieren.

Die ober- und unterirdischen Flussnetze erbringen wichtige Ökosystemdienstleistungen, beispielsweise für die Trinkwassergewinnung, den Anbau von Nahrungsmitteln und in Form der Klimaregulierung.

Dr. Annika Künne, FSU Jena

Die Hauptursachen für das Austrocknen von Flüssen seien der Klimawandel und der Mensch, der den Effekt mit seiner Wassernutzung ebenfalls fördere. Das Team will deshalb herausfinden, wie es sich auf die biologische Vielfalt, die funktionale Integrität und den Nutzen für die menschliche Gesellschaft auswirkt. Die Flüsse beherbergen als Ökosysteme eine riesige biologische Vielfalt, erklärt die Jenaer Hydrologin. Deren Verlust würde kaum wiedergutzumachende Schäden verursachen. Doch diese Wassersysteme seien sehr fragil und bedroht.

Ansicht von Oben: Leeres Holzboot auf trocknem, erdigen Untergrund. Links etwas Wasser, rechts sandig mit Grasbüscheln.
Im August 2022 hat dieses Boot bei Waldhufen (Oberlausitz) kein Wasser mehr unterm Kiel. Bildrechte: IMAGO/photothek

Die Ursachen dafür, dass ein Fluss komplett austrocknet, können sehr unterschiedlich sein, erklärt Künne. "Meistens führt das Zusammenspiel verschiedener Faktoren dazu, dass ein Fluss trockenfällt", sagt sie. Dazu gehörten etwa die Regenmenge, die Beschaffenheit des Bodens, die Vegetation oder die Temperaturen. Und ein ganz wichtiger Punkt sei natürlich auch die Wasserentnahme für Beregnungsanlagen der Landwirtschaft, so Künne.

Zum Mitmachen: per App Daten zuliefern

In dem Forschungsprojekt ist Künne dafür zuständig, Flusssysteme detailgenau zu modellieren. Dabei hat das Team sechs Pilot-Flusssysteme in den Fokus genommen: Guadiaro in Spanien, Krka in Kroatien, Morava in Tschechien, Ain in Frankreich, Fekete in Ungarn und Vantaanjoki in Finnland. Diese Gebiete seien bis zu 10.000 Quadratkilometer groß, erläutert die Jenaer Forscherin. Die Erkenntnisse, die ihre Analyse liefern soll, könnten dann auch auf andere Flusssysteme übertragen werden. Bei der Modellierung unterscheidet die Hydrologin zwischen drei Zuständen im Flussbett: fließendes Wasser, Pfützen und Pools im Flusslauf und ein ganz trocken gefallener Fluss.

Zwei Menschen stehen an einem Wehr der Ilm, die immer weniger Wasser hat.
Die Ilm in Thüringen ist in diesem Sommer auch beträchtlich geschrumpft. Bildrechte: Bernd Rödger

In den Untersuchungsgebieten erfassen Künnes Kolleginnen und Kollegen aus der Biologie regelmäßig den Bestand an Fischen, Kleinlebewesen, Mikroben und organischem Material - also sozusagen den Stoffwechsel und den Gesundheitszustand des Flusses. Doch nicht nur die Forschenden, sondern auch alle Interessierten können bei der Datenerfassung mithelfen. Denn das Team hat extra eine App entwickelt: Mithilfe der "DryRivers"-App können Bilder und Standortdaten von trockengefallenen Flüssen übermittelt werden. Das seien wichtige Informationen für die Forschenden, um die vorhandenen Daten zu ergänzen. Andere Datenquellen seien etwa lokale Umweltämter, die Pegelstände oder Durchflussmengen veröffentlichen.

Hinter dem Projekt steht letztlich das Ziel, konkret eingreifen zu können, bevor es zu spät ist.

Dr. Annika Künne, FSU Jena

Die in Jena entwickelten Modelle werden dem Forschungsteam schließlich dabei helfen, die komplizierten Wege des Wassers immer besser zu verstehen und Lösungsansätze zu finden, wie die Zahl austrocknender Flüsse reduziert werden kann. Außerdem wollen die Forschenden besser verstehen, wie die Gewässer sich an zukünftige Veränderungen anpassen können. Diese Ergebnisse sollen in den kommenden zwei Jahren erarbeitet werden.

Links/Studien

Mehr Informationen zum Verbundprojekt DRYvER finden Sie hier auf der Website des Forschungsteams.

(kie)

0 Kommentare