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Besitzforschung Warum verschenken wir unsere Daten?

Stellen Sie sich vor, jemand nimmt einfach ihr Auto. Oder leiht sich Geld, ohne Sie zu fragen. Dann ist die Hölle los. Bei unseren persönlichen Daten passiert das ständig. Und eigentlich wissen wir das auch. Facebook, WhatsApp, Google oder die Standortermittlung am Handy: Unsere Daten werden gesammelt und weitergereicht. Das ist uns egal. Warum ist das so? Neue Studien aus Wien können eine Antwort geben.

von Karolin Dörner

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Meine Daten gehören mir nicht! Das ist natürlich falsch, die gehören mir schon, rein rechtlich. Aber emotional gesehen, empfinde ich meine Daten nicht als mein Eigentum. Deswegen gebe ich sie leichtfertig raus, sagt Bernadette Kamleitner. Sie leitet das Institut für Marketing und KonsumentInnenforschung an der Uni Wien.

Das ist genau eines der großen Probleme. Alles was wir als Unseres empfinden, dafür übernehmen wir auch Verantwortung, darauf achten wir. Und das ist bei Daten extrem schwierig.

Bernadette Kamleitner Uni Wien

Warum ist das aber so schwierig? Meine Daten enthalten schließlich oft höchstpersönliche Inhalte: Mein Herzschlag, das Foto meines Kindes, die Hautirritation, die ich in die Suchmaschine eingebe. Prinzipiell sind meine Daten wie eine Art Gebrauchsanweisung für mich. Sie machen mich kontrollierbar und manipulierbar, warnen Datenschützer - und auch Bernadette Kamleitner:

"Das sind Dinge, die uns zutiefst beschreiben, zutiefst mit uns verbunden sind und dennoch haben wir nicht besonders viel Wissen darüber. Wir haben auch nicht das Gefühl, dass wir es wahnsinnig toll kontrollieren könnten und wir verstehen die Masse an Daten, die über uns existieren am Ende des Tages so gut wie gar nicht."

Mehr wissen, mehr kontrollieren, mehr besitzen

Kamleitner formuliert eine einfache Formel: Je mehr ich über etwas weiß, desto mehr ist es meins. Und je mehr ich etwas kontrollieren kann, desto mehr gehört es mir. Nehmen wir das Beispiel Handy: In einer Studie hat die promovierte Psychologin gezeigt, dass die Daumenlänge das Gefühl beeinflusst, wie sehr ich etwas kontrollieren kann: Passen Daumen und Bildschirmgröße gut zusammen, ist das Kontrollgefühl stärker. Und dann fühle ich auch eher, dass das Handy mir gehört.

Und die dritte Route ist: Psychologisches Investment. Also wie viel habe ich in etwas investiert und zwar nicht nur monetär, sondern auch emotional, Zeit, etc..

Bernadette Kamleitner

Daten mit Bedeutung aufladen

Bei Daten trifft das alles nicht zu: Ich habe keine Kontrolle, ich weiß selten welche Daten gesammelt werden und ich investiere keine Mühe in meine Daten. Sie sind einfach da, für uns also wertlos. Für Konzerne pures Gold. Wir haben also das Problem definiert. Eine Lösung haben wir deshalb aber noch lange nicht. Die zu finden, hat sich Bernadette Kamleitner zum Ziel erklärt: Und sie glaubt, den Schlüssel dafür gefunden zu haben: Man muss die Daten mit Bedeutung aufladen, auch wenn "sehr sehr schwierig ist".

Eine Idee zum Beispiel ist es, Probanden mit ihrem "digitalen Ich" zu konfrontieren, also einem Abbild von ihnen im Netz, das mit ihren Daten erstellt wurde. Klingt gut, ist aber noch nicht die Lösung. Denn die Wissenschaftlerin stellt fest: Selbst wenn uns das digitale Ich perfekt widerspiegelt, es ist digital und somit empfinden wir es nicht mehr als ich selbst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 08. März 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 05:00 Uhr