Frau im Regen
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Gesundheit Grippe-Impfung: Was wirklich drin ist

Kalt, windig, regnerisch: Mit dem biestigen Herbstwetter kommt die Grippe-Saison. Aus Angst verzichten viele auf die Schutzimpfung, denn etliche Mythen über gefährliche Substanzen in den Impfungen sorgen für Verunsicherung. Aber was ist dran an giftigem Quecksilber, nervenschädlichem Aluminium und toxischem Formaldehyd?

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17 Millionen Dosen des aktuellen Grippe-Impfstoffs sind nach Angaben des Paul-Ehrlich-Institutes für diesen Winter bereits freigegeben worden. Zu einer Knappheit wie 2018 dürfte es damit theoretisch in diesem Herbst nicht kommen, denn im Vorjahr waren zum selben Zeitpunkt erst 13,3 Millionen Dosen bereitgestellt worden. Ganz deutlich wird der Unterschied in der Impfstoff-Bereitstellung, wenn man die Zahlen aus den einzelnen Jahren nebeneinander stellt:

Momentaufnahme: Freigegebene Impfstoffdosen in Deutschland im Jahresvergleich
Datum Kalenderwoche Anzahl Impfstoffdosen
02.10.2017 39 rund 16,9 Millionen Dosen
05.10.2018 40 rund 13,3 Millionen Dosen
04.10.2019 40 rund 17 Millionen Dosen
    Quelle: Paul-Ehrlich-Institut

Rückblick auf 2018 und 2017

Auch Sachsen und Thüringen waren im Herbst 2018 von der Impfstoff-Knappheit betroffen gewesen. Über die Engpässe hieß es im Paul-Ehrlich-Institut dazu, "die Patienten haben möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen", so Pressesprecherin Susanne Stöcker. Denkbar wären auch gestiegenes Interesse an Schutzimpfungen nach der Grippewelle von 2017 gewesen oder ein früherer Impfbeginn durch die Ärzte. In der vergangenen Influenzasaison wurden in Sachsen 22.640 Erkrankungen und 69 Todesfälle registriert.

Wie viele Menschen lassen sich impfen?

Das könnte man auch im Lotto tippen lassen, denn wie viele Menschen sich tatsächlich gegen Grippe impfen lassen, kann keiner exakt vorhersagen.

Eine Person wird geimpft.
Grippe-Impfung - empfohlen für über 60-Jährige, Schwangere ab dem 2. Drittel der Schwangerschaft, Menschen die viele Kontakt zu anderen haben wie Klinikpersonal, oder Erwachsene mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma und Herz-Kreislauf-Symptomen. Bildrechte: imago/Fotoarena

Als optimale Monate für die Impfung gelten laut Robert-Koch-Institut Oktober und November, der Schutz baut sich etwa zehn Tage nach der Impfung auf. Auch wenn sie keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Grippe bietet, hat sie laut RKI eine Effektivität zwischen 40 und 60 Prozent. Der Impfstoff gegen die extrem wandelbaren Viren wird jedes Jahr im Frühjahr von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt.

Der Vierfach-Impstoff "Influsplit Tetra"

Der Vierfach-Impstoff "Influsplit Tetra" wird in Dresden produziert und ist vom Paul-Ehrlich-Institut als Grippe-Impfstoff zugelassen. Die arzneilich wirksamen Bestandteile sind Grippeviren, die inaktiviert wurden. Sie sind also nicht mehr infektiös. Auf diese Viren reagiert unser Immunsystem und produziert Antikörper. Werden wir später mit einem der vier "echten" Virenstämme infiziert, ist unser Immunsystem darauf vorbereitet und kann die Krankheit abwehren.

Was steckt drin im Impfstoff?

MDR um 2 5 min
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Mo 01.10.2018 14:00Uhr 04:36 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/wie-entsteht-der-grippeimpstoff100.html

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Neben diesen eigentlichen Impfstoffen in der Spritze listet der Hersteller aber noch andere Stoffe auf. Dazu gehören vor allem Natriumchlorid, Natriummonohydrogenphosphat und Kaliumdihydrogenphosphat. Diese Salze sorgen dafür, dass die Lösung möglichst ähnliche chemische Eigenschaften hat wie unser Blutplasma. Durch einen pH-Wert von etwa 7,4 und einen leichten Salzgehalt (etwa 0,9 Prozent) wird die Impfung möglichst verträglich für den Körper gemacht.

Emulgatoren in der Impfung dienen dazu, dass sich die Wirkstoffe gut im Wasser lösen. Der Emulgator Polysorbat 80 (Tween-80) wird auch als Zusatzstoff E 433 in Lebensmitteln verwendet. Auch Octylphenolethoxylat (Triton-X-100) ist als Emulgator enthalten. Dieses gilt zwar als gesundheitsschädlich, allerdings ist die Menge in der Impfung völlig harmlos. Um sich damit zu vergiften, müsste ein erwachsener Mensch ein halbes Wasserglas des puren Emulgators trinken.

Auch Tocopherolhydrogensuccinat ist auf der Inhaltsliste zu finden, besser bekannt als Vitamin E.

Und was ist nun mit Formaldehyd und Quecksilber?

Das umstrittene Formaldehyd kann laut Herstellerangaben zwar auch in der Impfung enthalten sein, allerdings nur in Spuren. Die Mengen sind so verschwindend gering, dass selbst eine Bio-Birne mehr Formaldehyd enthält als die Grippe-Impfung. So enthält nach Angaben der Regierungsbehörde für Lebensmittelsicherheit in Hong Kong eine 200 Gramm schwere Birne etwa 10 Milligramm der Substanz. Der Stoff entsteht durch natürliche Prozesse, zum Beispiel auch im Zellstoffwechsel von Menschen und Tieren, und kommt ebenso auch in anderen Lebensmitteln wie Gemüse, Fisch, Fleisch oder auch in Kaffee vor. Gefährlich für Menschen ist es, wenn es in höheren Konzentrationen (über 124 Mikrogramm pro Kubikmeter) eingeatmet wird, so das Bundesamt für Riskobewertung.

Quecksilberverbindungen, Aluminiumhydroxid oder ähnliches enthält dieser Impfstoff gar nicht. Selbst wenn, wäre das kein Problem. Der quecksilberhaltige Stoff Thiomersal wird, wenn überhaupt, nur in unbedenklichen Mengen verwendet. Er dient dazu, die Impf-Lösungen steril zu halten, wenn aus einer Flasche mehrere Spritzen ausgezogen werden. Weil heutzutage die Impfungen aber in Einmal-Spritzen geliefert werden, spielt der Stoff kaum noch eine Rolle.

Aluminiumhydroxid wird manchmal in Impfstoffen verwendet, um die Immunantwort des Körpers zu verstärken. Für Nebenwirkungen des Zusatzstoffes gibt es keinerlei Belege. Das Paul-Ehrlich-Institut weist auch darauf hin, dass die Impfung ins Muskelgewebe gespritzt wird und nicht in die Blutgefäße. Wenn ein Impfstoff Aluminiumhydroxid enthält, gehen die ohnehin geringen Mengen also nicht sofort ins Blut und werden größtenteils auch über die Nieren wieder ausgeschieden. In deutlich größeren Mengen wird Aluminiumhydroxid auch als Mittel gegen Sodbrennen verwendet, weil der Stoff verträglicher ist als beispielsweise Natron.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Radionachrichten | 04. Oktober 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 15:21 Uhr

weiße Eier
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