20 Ideen für Lebenswerte Städte Vertikale Gärten, kostenloser Nahverkehr und freier Eintritt in Museen

An welchen Wohlfühl-Stellschrauben können Städte drehen, um lebenswerter für die Bürger zu werden? Gute Luft? Viel Grün? Ökologisches Bauen? Attraktive Kultur? Weltweit gibt es viele gute Ideen - auch in Mitteldeutschland. Wir haben 20 Ideen zusammengetragen - vom kostenlosen Nahverkehr, über vertikale Gärten bis zum freien Eintritt in Museen.

Bezahlbare Wohnungen, moderne Mobilitätskonzepte, Kultur, Freizeitangebote, gesunde Umwelt - die Anforderungen an lebenswerte Städte sind groß. Es gibt viele gute Beispiele, was auf das Wohlfühlkonto einer Stadt einzahlen kann, wie zum Beispiel das exzellent ausgebaute Radwegekonzept in Kopenhagen. Ergebnis: 41 Prozent der Einwohner fahren mit dem Drahtesel zur Schule und zur Arbeit. Das vermindert die Luftbelastung durch Fahrzeuge, entlastet von Motorenlärm und zahlt auf die Gesundheit der Einwohner ein. Bis 2025 will Kopenhagen die erste CO2-neutrale Hauptstadt der Welt sein.

Ein Radweg auf einer über das Wasser.
Cykelslangen Kopenhagen. Vielleicht einer der schönsten Radwege der Stadt. Bildrechte: Stadt Kopenhagen/Ursula Bach

Viele Städte in Europa versuchen den Verkehr zu verringern, indem sie keine Tickets für Busse oder Straßenbahntickets verlangen, wie zum Beispiel im estnischen Tallin. Hier zahlen nur Touristen für den Transport. Im französischen Aubagne bei Marseille und in den zwölf umliegenden Gemeinden dürfen die Busse kostenlos benutzt werden, Ungarn lässt ungarische und andere europäische Senioren ab 65 Jahren umsonst Bus und Bahn fahren.

Straßenbahn in Estlands Hauptstadt Tallinn
Bahn frei heißt in Estland: Kostenloser ÖPNV Bildrechte: IMAGO

Grün statt grau ist weltweit im Trend. Nicht nur in Form alter, wiederbelebter Gartenstädte nach englischem Vorbild. Ein Hingucker und wohl längster Dachgarten der Welt ist die Highline in New York.

The Shed
Bildrechte: imago images/UPI Photo

Landes- und Bundesgartenschauen sind prestigeträchtige und teure Projekte. Aber was bleibt, sind fast immer neue grüne Räume in der Stadt, wie zum Beispiel hier in Burg.

Grüne Wände in der Stadt

Vertikale Gärten - auf vielen "Do it yourself-Portalen" stapeln sich die Bilder von Gemüse, dass in vertikalen Beeten aus PET-Flaschen, Europaleeten und anderen Beetmaterialien sprießt. Auch viele Städte lassen Sträucher und Bäume an Hausfassaden wachsen.

Grünes Hochhaus in Mailand
Bosco Vertikale - der senkrechte Wald aus Mailand: 700 Bäume auf Balkone und 5.000 Sträucher - umgerechnet 10.000 Quadratmeter Wald für 50.000 Quadratmeter Wohnfläche. Bildrechte: imago/Independent Photo Agency
Grünes Hochhaus in Mailand
Bosco Vertikale - der senkrechte Wald aus Mailand: 700 Bäume auf Balkone und 5.000 Sträucher - umgerechnet 10.000 Quadratmeter Wald für 50.000 Quadratmeter Wohnfläche. Bildrechte: imago/Independent Photo Agency
Jogger laufen an einem begrünten Haus vorbei
Die hängenden Gärten von São Paulo in Brasilien: 2015 wurden sieben fensterlose Hochhausfassaden entlang der Trasse "Minhocao" begrünt. Von Künstlern geplant wachsen seither grüne Muster an den ursprünglich toten Fassaden. Finanziert wurden die hängenden Hochhausgärten von Firmen, die ökologische Ausgleichszahlungen leisten mussten. Die Fassadengärten sollen Luft- und Lebensqualität entlang der Straße verbessern. Bildrechte: imago images / ZUMA Press
Öffentliches Gebäude mit bepflanzter Fassade
Die Stadtverwaltung Venlo in den Niederlanden. Gebaut nach dem C2C-Prinzip - cradle to cradle. Bedeutet: Es gibt keine Abfälle, gebaut wird so, dass die Rohstoffe in einem anderen Produkt genutzt werden können ohne Restprodukte. Ein Beispiel für das Prinzip: Das Wasser aus Waschbecken fließt in Pflanzenkläranlagen und tränkt danach die grüne Fassade. Der Bodenbelag im Inneren ist aus PET-Flaschen-Material. Bildrechte: imago/imagebroker
Grüner Garten an einer Hauswand.
Eine Pariser Gebäude-Fassade, komplett begrünt. Bildrechte: imago/All Canada Photos
Hundertwasserhaus - Vienna
Lang vor "Vertical Garden" wurde das Hundertwasserhaus in Wien gebaut, von 1983 bis 1986. Es beherbergt 52 Wohnungen und vier Geschäfte, sowie 19 Terasssen. 250 Bäume und Sträucher begrünen das Haus. Bildrechte: imago/viennaslide
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Kultur zum Nulltarif

Attraktive Freizeitabgebote sind wichtig für eine lebenswerte Stadt. Am besten, wenn wir sie alle frei nutzen können. Dass wir Städte mit eigenem kleinen "Meer" haben, wie Bitterfeld, Leipzig oder Senftenberg, daran haben wir uns mittlerweile schon gewöhnt.

Segelboote auf der Goitzsche bei Bitterfeld.
Die Goitzsche, Bitterfelds "Meer". Bildrechte: MDR / Gerald Perschke

Aber das es auch sogar gute Kultur und attraktive Freizeitangebote kostenlos gibt - Stadtplaner nennen das die weichen Standortfaktoren -, ist möglicherweiese nicht so bekannt. Oder wussten sie, dass der Botanische Garten in Dresden frei und kostenlos zugänglich ist. Und Leipzig punktet in Sachen Kultur und Freizeit mit diesen kostenlosen Angeboten: Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Altes Rathaus, Neubau und Schillerhaus) sowie die Museen im GRASSI und das Museum der Bildenden Künste verlangen jeden ersten Mittwoch im Monat keinen Eintritt. Das Bach-Museum Leipzig öffnet jeden ersten Dienstag im Monat und die Galerie für Zeitgenössische Kunst ist jeden Mittwoch kostenfrei.

Auch mit ökologischen Ansätzen können Städte punkten:

Begrünte Stadt mit Wiesen und Bäumen.
Nach dem Vorbild englischer Gartenstädte enstand 1921 eine erste Pariser Gartenstadt, Jahrzehnte später 15 weitere, wie diese hier am südöstlichen Seine-Ufer. Dennoch gibt es Kritiker: wenn viele Menschen auf wenig Raum wohnen, wie in Mexico-Stadt z.B. verursachen sie weniger Energie, als wenn viele Menschen große Flächen in Gartenstädten besiedeln, denn dann sind Transportwege und Infrastruktur auch größer, das bringt mehr längere Transportwege und mehr Fahrzeuge mit sich. Bildrechte: imago/viennaslide
Begrünte Stadt mit Wiesen und Bäumen.
Nach dem Vorbild englischer Gartenstädte enstand 1921 eine erste Pariser Gartenstadt, Jahrzehnte später 15 weitere, wie diese hier am südöstlichen Seine-Ufer. Dennoch gibt es Kritiker: wenn viele Menschen auf wenig Raum wohnen, wie in Mexico-Stadt z.B. verursachen sie weniger Energie, als wenn viele Menschen große Flächen in Gartenstädten besiedeln, denn dann sind Transportwege und Infrastruktur auch größer, das bringt mehr längere Transportwege und mehr Fahrzeuge mit sich. Bildrechte: imago/viennaslide
Ein Haus im Grünen
Ökologisch bauen und natürlich gegebene Graben-Strukturen der Stadt nutzen: Das Waterland-Quartier in Groningen aus den 90er-Jahren ist eines von drei ökologisch gedachten Insel-"Vierteln". Das Baukonzepot setzte weitgehend auf Nachhaltigkeit beim Einsatz von Energie, Wasser, Rohstoffen und Grün. Ursprünglich geplante Solarkollektoren und Komposttoiletten wurden nicht umgesetzt. Gebaut wurden 92 Eigentumswohnungen mit offenen Südfassaden und geschlossenen Nordseiten, die Fassaden überwiegend aus Zedernholz. Bildrechte: imago/Arcaid Images
Grüne Oase auf dem Wasser
Diese schwimmende Stadtfarm dockte ursprünglich 2008 in New York an. Getreide und Gemüse wurde mithilfe von Hydroponetik, Windturbinen, Solarpanels und Bio-Treibstoff angebaut. Der schwimmende Getreidetanker war als öffentliches Bildungsschiff konzipiert, um den Stadtbewohnern Möglichkeiten urbanen Gärtnerns aufzuzeigen. Bildrechte: imago/UIG
Gemeinschaftsgarten auf einer Brachfläche in der Innenstadt von Rotterdam: Anwohner bauen Gemüse an
Auf einer Brachfläche in Rotterdam bauen Anwohner in einem Gemeinschaftsgarten Gemüse an, das auch in der Stadt verkauft wird. Ein Modell, dass es in inzwischen auch in vielen deutschen Städten auch gibt. Bildrechte: imago/ecomedia/robert fishman
Kuppel eines experimentellen, ökologischen Wohnhauses in Kopenhagen
Kopenhagen schaut dagegen ganz weit in die Zukunft: Sieben Meter lang, vier breit, drei hoch - das künstliche Pavillion-Biotop in Kopenhagen geht der Frage nach: Was passiert in einem künstlichen Biotop, könnten Menschen leben, wenn uns der Klimawandel zwingt, ganz anders als heute zu leben? Über drei Jahre wird dieser Mikrokosmos mit 60 Pflanzenarten und Bienen beobachtet. Bildrechte: imago/Dean Pictures
Ökodorf Kopenhagen
Eco-Village in Kopenhagen: Auf 35.000 qm in 400 neuen Wohnungen werden bis 2023 alle 17 von der UN geforderten Nachhaltigkeits-Ziele umgesetzt: Benutzt wird recyceltes Baumaterial aus der Umgebung, regenerative Energieversorung. Öffentliche Einrichtungen wie kommunale Küchen, Arbeitsplätze, Gästehaus, Erholung im Badehaus und öffentliche Waschsalons, die aus Regenwasser gespeist werden. Bildrechte: IMAGO
Energie-Plus-Haus Freiburg
Eine der ersten Plusenergiesiedlungen weltweit: die Siedlung am Schlierberg in Freiburg mit 59 Häusern erwirtschaftet mehr Energie als sie verbaucht. Das Geheimnis: Hoher Dämmstandard, mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung, ganzheitliches, ökologisch und architektonisches Konzept. Bildrechte: imago/Westend61
Bahrain World Trade  Center mit integrierter Windkraftanalge.
Zwischen den Türmen des Bahrain World Trade Centers drehen sich drei Trostpflaster für das ökologisch tickende Herz: 240 Meter hoch und 50 Stockwerken, verbunden durch drei Windkraftanlagen. Sie sollen zwölf Stunden am Tag den Wind von der Küste für 15 Prozent der benötigten Energie für das Gebäude verwandeln. Bildrechte: imago/Panthermedia
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | AKTUELL | 14. Februar 2018 | 19:30 Uhr

Eine fiktive Mischung aus Auto, Flug- und Wasserfahrzeug. Schruft: Wie bleiben wir mobil? 45 min
Wie bleiben wir mobil? Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
45 min

Ist ein Stadtverkehr ohne private Pkw vorstellbar? Wie würden die Straßen von Leipzig und Dresden ohne Autos aussehen? Ein Film über Stadtverkehr und Zukunftsvisionen.

So 14.10.2018 22:15Uhr 44:42 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/dokus/video-wie-bleiben-wir-mobil100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Leipzig von oben mit eingezeichneten Kleingartengebieten. 2 min
Bildrechte: MDR Wissen/ Robert Rönsch

Wissen

Landlust 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK