Entengrütze ineinem Erlenmeyerkolben
Bildrechte: Jan-Peter Kasper/FSU

Entengrütze Super-Food aus dem Teich

Haben Sie schon mal einen Entengrützen-Salat gegessen oder Entengrützen-Smoothie getrunken? Ernährungswissenschaftler und Pflanzenphysiologen der Uni Jena würden Ihnen wahrscheinlich dazu raten. Sie erforschen die Entengrütze als Lebensmittel.

von Karolin Dörner

Entengrütze ineinem Erlenmeyerkolben
Bildrechte: Jan-Peter Kasper/FSU

Dass Entengrütze ein wahres Kraftnahrungspaket ist, machen Enten, Fische und andere Tiere ja schon seit Ewigkeiten vor. Auch Menschen essen die so genannten Wasserlinsen. Bisher jedoch vornehmlich in asiatischen Ländern, wie Kambodscha oder Laos. Hier in Deutschland dagegen kennt man Entengrütze eher als grünen Teppich, der im Sommer den Gartenteich verschandelt.  Völlig zu Unrecht, findet Gerhard Jahreis. Der Ernährungswissenschaftler der Uni Jena untersucht zusammen mit Botanikern die Entengrütze, auf der Suche nach neuen Nahrungsmitteln.

Wir haben Wasserlinsen gefunden, die fast 50 Prozent ihres Fettes als Omega-3-Fettsäure liefern, das ist so eine wichtige Omega-3-Fettsäure, wie sie in Leinöl vorkommt.

Prof. Gerhard Jahreis

Und sie können sogar noch mehr, so Jahreis. “Nämlich eine weitere Fettsäure synthetisieren und diese ist den Fischfettsäuren schon sehr nahe.“ Davon würde unser Körper profitieren: Fischfettsäuren sollen für Nervensystem und Augen besonders gut sein. Leinölfette wirken sich positiv aus auf das Herz-Kreislaufsystem und die Gelenke aus. Und Entengrütze liefert dem Körper auch Proteine, beziehungsweise Aminosäuren: Eine Art Baustein, aus dem der Körper dann Organe, Zellen und vor allem Muskeln baut. Der Bedarf ist also recht hoch, zumal er einige Bausteine nur über Nahrung bekommen kann.

Klaus Appenroth (r.) und Gerhard Jahreis in einem Labor der Universität Jena mit einer umfangreichen Sammlung von Wasserlinsengewächsen.
Klaus Appenroth (r.) und Gerhard Jahreis in einem Labor der Universität Jena mit einer umfangreichen Sammlung von Wasserlinsengewächsen. Bildrechte: Jan-Peter Kasper/FSU

Wir haben eben festgestellt, dass die Wasserlinsen alle wichtigen Aminosäuren, die wir brauchen, auch in der entsprechenden Menge und Zusammensetzung synthetisieren, so dass sie eine sehr gute Proteinquelle sind.

Prof. Gerhard Jahreis

Warum also essen die Deutschen keine Entengrütze? Es gibt einen Grund. Die wertvollen Nährstoffe kommen in nur geringem Maße vor, denn Entengrütze besteht zu 90 Prozent aus Wasser. “Ein Lebensmittel, das zu 90 Prozent aus Wasser besteht, kann man ja nicht konservieren, das kann man nur frisch verzehren“ sagt Jahreis. “Wenn man sie also in einer größeren Palette an Lebensmitteln einsetzen will, dann muss man sie trocknen und das ist natürlich sehr teuer und für uns in unserer Region nicht wirtschaftlich.“

Industrielle Produktion

Der große Vertrieb wird in Deutschland daher vermutlich ausbleiben. In wärmeren Ländern sieht das schon anders aus: In Israel zum Beispiel gibt es erste Versuchsanlagen, in denen Entengrütze industriell hergestellt wird. Die Forscher aus Jena erhoffen sich, dass die getrocknete Entengrütze dann in armen Regionen Mangelernährung bekämpfen kann. In kälteren Gefilden, wie hier in Deutschland, kann sie vor allem frisch und roh verzehrt werden: Gerhard Jahreis von der Uni Jena hat schon probiert.

Die Wasserlinse schmeckt grün, kann man sagen, also sie schmeckt so wie grüner Salat, also genau genommen nach nicht viel. Das heißt also man muss entsprechend mit Öl, Salz, Gewürzen arbeiten, damit man einen guten Salat bekommt.

Prof. Gerhard Jahreis

Damit die frische Entengrütze den Fettsäure- und Proteinbedarf aber wirklich deckt, muss man eine ganze Menge davon essen. Am Ende wird sie also wohl eher den Durst löschen, statt den Hunger zu stillen.

Über diese Thema berichtet MDR aktuell im Radio | 17.01.2017 | 06:50

Labor - Wasserlinsen 2 min
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Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 14:37 Uhr