Gewichtszunahme folgt Jahreszyklus Zu viele Kilo? Der Weihnachtsbraten (allein) ist nicht das Problem

Die Gänsekeule Heilig Abend macht den Braten auch nicht mehr fett. Wir nehmen sowieso seit Oktober konstant zu, Ende September sind wir am leichtesten. Eine finnische Studie zeigt: unser Gewicht hat einen Zyklus und Feiertage spielen dabei eine große Rolle.

Gänsekeule
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Die schlanke Zeit ist vorbei, aber ob wir nun in den Weihnachtstagen viel oder wenig essen, ist auch egal: Die (Kilo-)Messen sind sowieso seit Oktober gesungen. Wissenschaftler der Universität Tampere in Finnland haben herausgefunden, dass die Deutschen im September am leichtesten sind. Ab Oktober schlägt dann die Waage weiter aus. Ab November schießt unsere Kilo-Kurve dann so richtig steil nach oben. Wenn nämlich kuschlige Couchabende und Besuch uns mit selbstgebackenen Keksen zum kalorienreichen Naschen verführen. Dieses Feiertags-Phänomen kennt Ernährungswissenschaftlerin Christine Dawczynski von der Universität Jena auch aus ihrer Forschung.

Da haben wir gerade eine Studie gemacht, bei der wir die Leute zwanzig Wochen beobachtet haben und da konnten wir das über Ostern sehr deutlich sehen, obwohl wir ihnen vorgefertigte Menüpläne gegeben haben, an die sie sich halten sollten. Aber an den Feiertagen hat es eben doch nicht so gut geklappt. Da haben sie mehr Energie aufgenommen und das schlägt sich das eben auch auf der Waage nieder.

Christine Dawczynski, Ernährungswissenschaftlerin

Gewichtszunahme auch in USA und Japan

Die Rechnung ist einfach: Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, setzt Fettpölsterchen an. Das ist vor allem vor und an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern der Fall. Auch in den USA und Japan: Dort konnten die Forscher die Gewichtszunahme an Feiertagen ebenfalls nachweisen. Während die US-Amerikaner parallel zu den Deutschen pünktlich zu Thanksgiving und Weihnachten an Gewicht zunehmen, fällt diese Phase in Japan auf die "Goldene Woche", eine Serie an Feiertagen im Frühjahr.

Polnische Weihnachtsgans 1 min
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Viele Kalorien und wenig Bewegung sorgen für Winterspeck

Die Gründe für die Gewichtszunahme sind leicht zu finden: Spätestens im Advent beginnt die Zeit der Völlerei, die von süßen Leckereien, Alkohol und Weihnachtsbraten bestimmt wird und schließlich im Käsefondue zu Silvester gipfelt. Gleichzeitig machen viele Menschen weniger Sport als in den warmen Monaten. All das beschert den Deutschen durchschnittlich 800 Gramm mehr Gewicht binnen weniger Wochen. Die US-Amerikaner nehmen durchschnittlich 600 Gramm zu und die Japaner nur 500 Gramm.

Dass das Ansetzen dieses Winterspecks ausschließlich genetisch bedingt sei, ist übrigens eine Legende. Unsere Vorfahren mussten sich ihre Reserve für den Winter ganz bewusst anessen. Heute gibt es aber auch bei Eis und Schnee genug Nahrung. Wer wirklich nicht mehr isst als sonst, wird auch nicht dicker, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Christine Dawczynski.

Aber ich denke auch diese ganzen Angebote, die man auch zur Weihnachtszeit hat, die ganzen Süßigkeiten, die leckeren Gerüche, das führt ja alles dazu, dass man irgendwie schon Lust dazu hat, kalorienreiche Lebensmittel aufzunehmen und man das dann eben auch macht.

Christine Dawczynski, Ernährungswissenschaftlerin

Abnahme dauert deutlich länger als Zunahme

Das einzige wirksame Mittel gegen den Winterspeck ist Disziplin: Nur, wer sich nicht verführen lässt oder sich ausreichend bewegt, kann schon vor September das geringste Gewicht des Jahres erreichen. Denn obwohl die Pfunde ab Januar im Durchschnitt wieder schmelzen, bevor sie zu Ostern ein erneutes kleineres Hoch erreichen, dauert es deutlich länger sie wieder loszuwerden, so die finnischen Forscher.