Fettzellen
Weiße Fettzellen speichern Energie, braune Fettzellen dagegen werden schnell abgebaut, um Wärme abzugeben. Forscher überlegen nun, wie die weißen Zellen schnell in braune umgewandelt werden können. Bildrechte: IMAGO

Schalter gegen Übergewicht Forscher wollen "Hüftgold" zum Schmelzen bringen

Jeder vierte Deutsche ist laut OECD fettleibig. Abnehmen ist schwer. Nun könnte vielleicht die Forschung helfen. Wer übergewichtig ist, hat zuviel von den weißen Fettzellen. Kann man diese in braune Fettzellen verwandeln, die als "Heizung" Fett verbrennen? Wissenschaftlern ist genau das gelungen. Weiße Fettzellen werden quasi auf Knopfrduck in braune verwandelt und das Hüftgold schmilzt - bei Mäusen.

von Kristin Kielon

Fettzellen
Weiße Fettzellen speichern Energie, braune Fettzellen dagegen werden schnell abgebaut, um Wärme abzugeben. Forscher überlegen nun, wie die weißen Zellen schnell in braune umgewandelt werden können. Bildrechte: IMAGO

Wer zu dick ist, muss halt weniger essen und mehr Sport machen – das dürfte wohl die langläufige Meinung vieler Menschen sein. Doch wer selbst mit Übergewicht kämpft, wird wissen: Auch mit gesunder Ernährung kann der Kampf gegen die Pfunde schwer sein. Denn ganz so einfach ist es nicht, sagt Pharmakologie-Professor Alexander Pfeifer von der Universität Bonn.

Diät alleine und körperliche Aktivität reichen eben nicht aus, um dieses weltweite Problem Übergewicht und Adipositas zu bekämpfen. Das Problem betrifft nicht nur Deutschland, und reiche Länder in Europa und Amerika, sondern auch ärmere oder sich entwickelnde Länder.

Pharmakologie-Professor Alexander Pfeifer

Wir haben eine weltweite Adipositas-Pandemie: Der WHO zufolge sterben mehr Menschen an den Folgen von Fettleibigkeit als an Mangelernährung. Das "bisschen Hüftgold" ist eine Gefahr, die oft unterschätzt wird. "Übergewicht ist eine chronische Erkrankung, die langsam fortschreitet über zehn, 20 vielleicht 30 Jahre", sagt Pfeifer. "Die Konsequenzen sind Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes, aber auch manche Krebsformen."

Der Pharmakologe hat der Krankheit den Kampf angesagt. Dabei helfen ihm ausgerechnet Fettzellen: Denn Fett ist nicht gleich Fett. Gefährlich sind nämlich die weißen Fettzellen, die wir etwa in den Speckrollen am Bauch ablagern. Wir haben aber auch braune Fettzellen – am Hals beispielsweise. Und die können uns schlank machen: Sie setzen ihre Energie nämlich in Form von Wärme frei, schmelzen also quasi einfach weg, während sie uns wärmen. Pfeifers Team hat es geschafft weiße Fettzellen zu braunen zu machen – zumindest bei Mäusen.

Win Mann spricht in eine Mikrofon. Daneben sieht man eine brennende Fettzelle. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Uns hat interessiert, welche Reize weiße Zellen zu braunen machen. Mutter Natur hat das schon so angelegt: Kälte ist einer der Reize. Wenn wir verstehen, welche Signalmoleküle Kälte normalerweise aktiviert, können wir die verwenden, um die weißen Fettzellen zu überreden, braun zu werden, also Energie lieber abzugeben, statt sie zu speichern.

Pharmakologie-Professor Alexander Pfeifer

Diesen Schalter haben die Forscher tatsächlich gefunden. Und was bei der Maus funktioniert, könnte auch beim Menschen klappen: Experimente an im Labor gezüchteten Fettzellen zeigten bereits positive Ergebnisse. Könnte es also bald wirklich ein Medikament geben, das uns schlank macht? Pfeifer winkt ab. "Das ist nicht der Hauptaspekt. Wichtig ist, dass übergewichtige Patienten dann gesünder sind. Man könnte sie dabei unterstützen sich gesünder zu ernähren und die Energiebalance auszugleichen."

Doch bis so ein Medikament tatsächlich auf den Markt kommt, ist es noch ein langer Weg, sagt Pharmakologie-Professor Pfeifer. Wenn es aber einmal soweit sein sollte, wird auch der lästige Jojo-Effekt endlich der Vergangenheit angehören.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 20.05.2017 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2017, 17:05 Uhr