Psychologie Welche Rolle spielt Lachen in der Liebe?

Lachen kann sozialer Klebstoff sein - aber auch Sprengstoff. Forscher in Halle haben Paare untersucht, über was sie gemeinsam lachen und welche Folgen das für die Beziehung hat.

Zwei Professoren der Psychologie 6 min
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Fr 08.03.2019 15:16Uhr 05:47 min

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Der eine ist stinksauer und der andere stellt fest: "Du siehst so sexy aus, wenn du wütend bist!" Wie reagieren Sie in so einer Situation - lachen Sie oder schäumen Sie erst recht vor Wut? Wenn Sie auf eine solche Bemerkung hin lachen, tut der Humor seinen Dienst als Kitt in Beziehung: Er entschärft eine Situation und wird zur Brücke zwischen zwei Konfliktparteien. Das bestätigt auch René Proyer. Er forscht an der Martin-Luther-Universität Halle zusammen mit seinem Kollegen Kay Brauer über das Lachen. Proyer sagt, Lachen sei mehr als nur ein spontaner Reflex auf etwas Lustiges. Lachen ist auch "sozialer Klebstoff". In vielen Situationen sorgt Lachen auch für Orientierung: "Wenn jemand neu in eine Gruppe kommt, zum Beispiel in ein Team am Arbeitsplatz. Auch für Kinder und Jugendliche in der Schule ist Lachen wichtig." Der Grund dafür ist einfach: Jemand, der andere zum Lachen bringen kann, signalisiert der Gruppe, ob er oder sie gut dazu passt, nämlich dass er ähnlichen Humor teilt - oder eben auch nicht.

lachendes Paar
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Sie sind dem Zusammenhang von Lachen und Liebesbeziehungen auf der Spur, denn dort scheint Lachen eine große Rolle zu spielen. So beschreiben sich männliche Singles in Kontaktanzeigen beispielsweise fast immer als "humorvoll", Single-Frauen hingegen suchen meistens einen Partner, "der sie zum Lachen bringt". Die Hallenser Forscher wollten herausfinden, wie sich der Umgang mit dem Lachen und dem Ausgelachtwerden auf Beziehungen auswirkt. 154 Paare mussten dazu Fragen beantworten.

Gelotophil, gelotophob oder doch Katagelastizist?

Junges Paar bei einem Streit.
Könnte gemeinsames Lachen diese Situation entschärfen? Bildrechte: PantherMedia / AntonioGuillemF

Die Psychologen unterscheiden in drei verschiedene Typen: Der Gelotophile pflegt einen lockeren Umgang damit. Er gibt gerne Peinliches von sich selbst Preis, um andere zum Lachen zu bringen und hat auch kein Problem damit, dafür ausgelacht zu werden. Gelotophobe Menschen dagegen empfinden Lachen als negativ, haben Angst davor, ausgelacht zu werden und empfinden das als Angriff. Zur dritten Gruppe zählen die Katagelastizisten: Ihnen macht es Spaß, sich über andere lustig zu machen und auf deren Kosten einen Witz zu reißen. 

Aber wer passt nun zu wem?

Psychologe Kay Brauer erläutert, welche Humor-Typen am besten zusammen passen: Pärchen, die in ihrem Umgang mit dem Lachen ähnlich sind, sind zufriedener. Nicht nur für Dating-Plattformen dürften diese Studienergebnisse interessant sein. Schließlich geht es ja darum, die Profile ihrer Singles aufeinander abzustimmen. Auch für Paartherapien könnten die Ergebnisse hilfreich sein.

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 15:28 Uhr