Aufgrund steigender Coronafallzahlen verschärfen Regierungen die Hygiene- und Abstandsregeln im Herbst. Nebeneffekt: Von der Grippe ist praktisch nichts zu merken. (Symbolfoto). Bildrechte: imago images/Bildgehege

Influenza in Deutschland

Weiterhin kaum Grippefälle 2020

von Clemens Haug

Stand: 27. November 2020, 17:36 Uhr

Das Robert Koch-Institut registriert weiterhin kaum Grippefälle im Herbst 2020. Hygienemaßnahmen und Abstandsgebote gegen Corona halten offenbar auch die Influenza im Zaum. Das zeigt auch der Blick nach Australien.

Update 27.11.

Die Zahl der Grippefälle bleibt weiterhin deutlich unter der des Vorjahres. Immer mehr Studien zeigen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch in den USA und in Hong Kong zu weniger Übertragungen von Erkältungs- und Influenzaviren führen. Dafür könnte nach dem Stopp der Kontakverbote die Supergrippewelle drohen.

Von Laboren bestätigte Grippefälle in Deutschland
Kalenderwoche424344454647Gesamt seit Woche 40 (Anfang Oktober)
20191087868100106123680
2020151616141621120
Alles anzeigen

Update 4.11.

Nach wie vor treten nur sehr wenige Infektionen mit Influenza auf, im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen die aktuellen Werte der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Stand 43. KW (17.-23.10.2020). Die Zahlen können allerdings noch nachträglich steigen, da die Labore noch Fälle nachmelden können.

Zum Herbstbeginn befürchteten viele Fachleute: Trifft die Corona-Pandemie auf die Grippewelle, könnte die Zahl freier Krankenhausbetten zusammenschmelzen, wie ein Eiswürfel unter einem Brennglas.

Allerdings zeigt sich derzeit: Seit die Beschränkungen wegen der Pandemie in Kraft sind, ist von der Grippe praktisch nichts mehr zu sehen. Weder in Europa, wo die Zahl der Grippefälle im März und April praktisch unter die Schwelle der Messbarkeit gesunken war, noch in Australien oder Neuseeland, wo in den Südhalbkugel-Wintermonaten Juni bis September praktisch kaum Grippefälle gezählt wurden.

Keine Grippe in Australien

Das Robert Koch-Institut gibt in Deutschland wöchentlich einen Influenzabericht heraus. Der aus der 42. Kalenderwoche, also der Zeit zwischen dem 12. und dem 18. Oktober, zeigte: Gerade einmal 15 Fälle von Influenza haben deutsche Labore in dieser Zeit diagnostiziert und an das RKI gemeldet. Für die Woche lag die Aktivität der Grippeviren in insgesamt 23 Ländern, darunter Deutschland, unter den definierten Schwellenwerten. Noch ist es deutlich zu früh, von einem Ausfall der Grippewelle zu sprechen. Aber die Daten passen zu den Beobachtungen, die ein Forscherteam um Thomas Hills vom medizinischen Forschungsinstitut Neuseeland gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten die WHO-Aufzeichnungen der diesjährigen Grippemonate auf der Südhalbkugel aus. Dort sind die kalten Monate April bis September. In diesem Jahr sei die Influenza-Aktivität dort kaum messbar gewesen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Und zumindest für Australien können sie ausschließen, dass vor allem auf Corona ausgerichtete Teststrategien die Grippeerreger nur übersehen hätten. Dort wurden mehr Grippetests durchgeführt, als in den Vorjahren, die aber weniger Influenzaviren nachweisen konnten.

Abstandsregeln künftig auch gegen Grippewellen?

Die Daten bestätigen Vermutungen, wonach die Schutzmaßnahmen gegen Corona – Maskenpflicht, Abstandgebote, Verbote von Veranstaltungen und Versammlungen – einen exzellenten Job gegen die Grippe erledigen. Vor diesem Hintergrund solle darüber nachgedacht werden, welche dieser nicht-pharmazeutischen Eingriffe sinnvolle Instrumente bei künftigen Grippe-Epidemien sein könnten, schreiben die Wissenschaftler.

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Audio.

Meine ChallengeIch überstehe die Grippewelle

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen