Eine Blaumeise pickt Nüsse im Winter.
Bildrechte: Colourbox.de

"Stunde der Wintervögel" Weniger Wintervögel in Deutschland

Jeden Winter rufen die Umweltschützer vom NABU auf, eine Stunde lang alle Vögel in Sichtweite zu zählen. Das Ergebnis: Die Zahl der Wintervögel in Gärten und Parks in Deutschland geht kontinuierlich zurück.

von Claudia Pupo Almaguer

Eine Blaumeise pickt Nüsse im Winter.
Bildrechte: Colourbox.de

Es klingt erst einmal recht positiv: Bei der diesjährigen "Stunde der Wintervögel" haben so viele Vogelfreunde wie noch nie weit mehr Vögel als vergangenes Jahr beobachtet. Mehr als 136.000 Menschen notierten im Schnitt 18 Vögel pro Garten oder Park. Das sind elf Prozent mehr als bei der letzten Zählung. Auch einheimische Arten wie Blau- und Kohlmeise, Sperlinge und waldbewohnende Finkenarten sind wieder häufiger gesichtet worden. Aber die positiven Nachrichten sind ein Trugschluss, sagt NABU-Geschäftsführer Leif Miller.

Die höheren Zahlen in diesem Jahr können nicht darüber hinwegtäuschen, dass seit Jahren ein kontinuierlicher Abwärtstrend festzustellen ist.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer

Der Rückgang häufiger Arten sei in vielen europäischen Ländern ein ernstes Problem. Das zeige sich auch bei den Wintergästen in unseren Gärten, so Miller. Seit dem Beginn der Aktion vor zehn Jahren hat der NABU einen Rückgang der gemeldeten Vögel um insgesamt 2,5 Prozent festgestellt.

Ein Wellensittich landet an einem Vogelhäuschen.
Bildrechte: Jochen Eißler

Nun kann es verschiedene Ursachen haben, wenn weniger Vögel gezählt werden, wie im vergangenen Jahr. Zum einen kommen in milden Wintern wie 2016 und 2017 weniger Vögel in die Gärten, weil sie in der Umgebung noch genügend Futter finden. Das Wetter beeinflusst zum Beispiel, wie viele Baumsamen es in den Wäldern gibt, sowohl in Deutschland als auch in den Herkunftsgebieten vieler Vögel in Nord- und Osteuropa. Zum anderen haben Populationen mit Krankheiten zu kämpfen, wie die Amsel, die in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Wintervögel von Platz zwei auf Platz fünf abrutschte. Ein Grund ist das für diese Vögel tödliche Usutu-Virus, das in den Jahren 2016 und 2017 in Teilen Deutschlands unter den Amseln ausbrach. Daneben wird die Landwirtschaft als eine wahrscheinliche Ursache diskutiert.

Nichts zu fressen für die Vögel - Ausbringung von Insektiziden auf einem Rapsfeld
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein neuer Star

Ein Star sitzt vor einem Vogelhäuschen.
Bildrechte: Frank Hecker

Ein milder Winter führt zwar dazu, dass weniger Vögel gezählt werden, sagt der NABU. Er führt aber auch dazu, dass mehr Zugvögel als sonst in Deutschland überwintern. Bestes Beispiel ist der Star, Vogel des Jahres 2018. Mit 0,81 Individuen pro Garten erzielte er in diesem Jahr mit Abstand sein bestes Ergebnis - statt wie früher in jedem 25. Garten wird er inzwischen in jedem 13. Garten auch bei der Winterzählung angetroffen. Laut NABU ist das auch Ringeltaube und Heckenbraunelle der Fall, die sogenannte Teilzieher sind. Diese Arten reagieren damit auf die vermehrten milden Winter, die ihnen eine Überwinterung näher an ihren Brutgebieten ermöglicht.

Große regionale Unterschiede

Interaktive Karte zur Verteilung der Wintervögel - Beispiel Amsel
Bildrechte: NABU

Amseln gibt es häufiger in Norddeutschland, der Graureiher konzentriert sich in Berlin und in Sachsen-Anhalt tummeln sich im Schnitt zehn Haussperlinge pro Garten. Zur Verteilung der Wintervogelarten hat der NABU eine interaktive Karte gebastelt - dort ist auch die Entwicklung der einzelnen Populationen für die vergangenen zehn Jahre sichtbar. Wer sich für die nächste Zählung fit machen will, kann sich mit den in Mitteldeutschland häufigen Vogelarten in dieser Galerie vertraut machen:

Kleine Vogelkunde

Kennen Sie unsere heimische Vogelwelt? Zur Vorbereitung auf die "Stunde der Wintervögel" finden Sie hier eine Übersicht in Bildern.

Stieglitz
Ein Stieglitz. Der Vogel ist auch als Distelfink bekannt. Bildrechte: Andreas Hartl/NABU
Stieglitz
Ein Stieglitz. Der Vogel ist auch als Distelfink bekannt. Bildrechte: Andreas Hartl/NABU
Ein Eisvogel sitzt auf einem Ast
Den Eisvogel findet man meist in der Nähe von Gewässern. Bildrechte: colourbox
Buntspecht
Der Buntspecht. Er ist die bei uns am häuftigsten vorkommende Spechtart. Bildrechte: Frank Derer/NABU
Eine Blaumeise pickt Nüsse im Winter.
Eine Blaumeise - blau-gelbes Gefieder, das auch für Laien leicht zu erkennen ist. Bildrechte: Colourbox.de
Amsel
Amsel - auch Schwarzdrossel. Die Männchen sind am gelb-orangen Schnabel zu erkennen. Bildrechte: colourbox
Erlenzeisig
Der Erlenzeisig. Schwarz, gelb und grün sind die Farben. Viele der Tiere ziehen allerdings im Winter nach Südeuropa. Bildrechte: Frank Heckler/NABU
Ein Seeadler
Ein Seeadler. Nur an großen Seen und Flüssen zu finden. Bildrechte: colourbox
Ein Zaunkönig sitzt auf einem Ast
Ein Zaunkönig - früher auch Schneekönig genannt, weil er selbst im Winter laut singt. Bildrechte: colourbox
Haubenmeise
Die Haubenmeise. Der Name sagt es bereits. Sie ist an der leicht nach vorn gebogenen Federhaube zu erkennen. Bildrechte: Frank Derer/NABU
Sachsens Wildnis - Grünfink
Grünfink. So groß wie ein Sperling aber durch die Färbung gut zu unterscheiden. Bildrechte: MDR-Zuschauer/Hocki
Eichelhäher
Der Eichelhäher gehört zu den Rabenvögeln. Bildrechte: colourbox
Sachsens Wildnis - Sperling
Der Sperling. Ein Singvogel. In fast jeder Hecke zu finden. Bildrechte: MDR-Zuschauer/Sonja Haase
Krähe im Flug
Die Krähe gehört zu den Rabenvögeln. Die Gattung umfasst 42 Arten. Bildrechte: IMAGO
Goldammer
Die Goldammer. An ihrem gelb-goldenen Köpfchen gut zu erkennen. Bildrechte: colourbox
Kleiber
Ein Kleiber. Der Name ist entlehnt vom mittelhochdeutschen Beruf des Kleibers, der Lehmwände baut. Das tut der Vogel auch. Bildrechte: Frank Derer/NABU
Rotkehlchen
Das Rotkehlchen. Familie der Fliegenschnäpper. Inoffizieller Nationalvogel Großbritanniens. Bildrechte: Colourbox.de
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | EXAKT | 27. September 0017 | 20:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 10:20 Uhr