Hausarzt Falsche Scham kann lebensgefährlich sein

Ein Mann spricht im Interview. 11 min
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Erfahrungen aus der Hausarztpraxis von MDR Gesundheitsexperten Dr. med. Carsten Lekutat.

Di 29.01.2019 14:00Uhr 10:35 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/Scham-Interview-Lekutat100.html

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"Wir alle haben ein Bild von uns im Kopf, wie wir gerne wären und wie wir vielleicht sind", sagt Carsten Lekutat, "und wenn das nicht übereinstimmt, dann setzt die Scham ein". Der Mediziner und "HauptsacheGesund"-Moderator im MDR Fernsehen kennt das aus seiner täglichen Praxis. Er erlebt dort Menschen, die sich z.B. wegen ihres Körpers schämen - oder auch wegen ihres Verhaltens. Dabei ist es falsch, sich etwa wegen einer Infektion oder Läusen zu schämen.

Man denkt, man hat etwas falsch gemacht, man ist ja selber schuld, dass man jetzt diese Laus auf dem Kopf hat, ... aber das ist natürlich falsch. Infektionskrankheiten sind nur selten hausgemacht.

Dr. Carsten Lekutat

Dass falsche Scham lebensgefährlich werden kann, hat der Mediziner mit einer Patientin erlebt. Sie schämte sich für ihre depressiven Stimmungen. Doch statt den Arzt zu befragen, ging sie in die Apotheke und holte sich ein Johanniskraut-Produkt. Prinzipiell keine falsche Idee, so Lekutat, aber Johanniskraut hat viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Im Fall der Patientin waren das Medikamente, die sie wegen ihrer Nierentransplantation bekam. Daraus folgte eine Abstoßungsreaktion der Niere. Eine lebensgefährliche Situation, die vermeidbar gewesen wäre, so Lekutat, "hätten wir darüber gesprochen, dass eine Traurigkeit, eine Depression im Leben vorkommen kann und nichts ist, für das man sich schämen muss".