Blumen und Gras auf einer Wiese, darüber der blaue Himmel mit Sonnenschein
Bildrechte: MDR/Mayte Müller

Jetstreams Extremwetter durch blockierte Luftströme

So schön der Sommer bisher gewesen ist - er bereitet vielen Älteren nicht nur gesundheitliche oder Bauern finanzielle Probleme, auch Wissenschaftler sorgen sich. Denn die Zeiträume, in denen das Wetter konstant bleibt - sei es Regen oder Hitze - verlängern sich und können in Blockaden umschlagen. Solche Wetterextreme entstehen auch durch veränderte Luftströme in der Atmosphäre, genannt Planetare Wellen, sagt eine neue Studie.

Blumen und Gras auf einer Wiese, darüber der blaue Himmel mit Sonnenschein
Bildrechte: MDR/Mayte Müller

Hoch- oder Tiefdruck, Regen oder Sonnenschein - im Sommer in Nordamerika, Europa und Teilen Asiens erleben wir immer längere Perioden mit gleichbleibendem Wetter. Und diese Wetterlagen über mehrere Wochen können zu Extremen werden: mit lang anhaltenden Regenfällen, die zu Überschwemmungen führen können, oder Hitzewellen, die dann Dürren, Gesundheitsrisiken und Waldbrände zur Folge haben. Das sagen Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Dort haben sie zu sommerlichem Blockadewetter und Jetstreams, also den Starkwinden in der oberen Atmosphäre geforscht.

Der Arktis-Faktor

Arktis schmilzt
Bildrechte: NASA Visualization Studio

Darüber, wie und in welchem Ausmaß der Mensch das Klima verändert, sind in den vergangenen Jahren Unmengen an Studien erschienen - teilweise mit scheinbar widersprüchlichen Ergebnissen, so die Forscher in ihrer Mitteilung. Für die neue Studie haben die Potsdamer in einem internationalen Team die bestehende Forschung gesichtet. Dabei fiel ihnen auf, dass die Arktis eine große Rolle spielt. Im Zuge der globalen Erwärmung heizt sich die Arktis schneller auf als die übrige nördliche Erdhalbkugel. Dadurch wird der Temperaturunterschied zwischen dem Nordpol und dem Äquator kleiner. Aber genau diese Temperaturdifferenz ist eine maßgebliche Antriebskraft für die großen Luftströme in der oberen Atmosphäre - die, die jetzt der Satellit Aeolus der Europäischen Weltraumorganisation Esa untersuchen und vermessen soll.

Wenn diese Luftströme, diese Planetaren Wellen, durch Blockaden verändert werden, hat das ungeahnte Auswirkungen auf unser Wetter: Tagelange Hitze wird zu Dürre, die durch vermehrte Waldbrände begleitet wird. Tagelanger Regen führt zu Überschwemmungen, zum Beispiel sehr wahrscheinlich zu einer Verstärkungen des Sommermonsunregens in Indien.

Katastrophale Wandbrände

Ein Beispiel, das die Forscher anführen, sind die Waldbrände in Kanada vor zwei Jahren. In einer jetzt in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlichten Studie zeigt ein weiteres Forschungsteam, dass dem Brand tatsächlich ein Wind-Änderung vorausgegangen war - ein Stocken einer bestimmten Art von Luftströmen in der Region. Zusammen mit einem sehr starken El-Nino-Ereignis hatte dies ungewöhnlich trockene und hohe Temperaturen am Boden zur Folge und dadurch die Brandgefahr erhöht. Es dauerte damals zwei Monate, bis die Feuerwehrleute das Feuer schließlich unter Kontrolle gebracht hatten. Mit einem Gesamtschaden von 4,7 Milliarden kanadischer Dollar stellen die Brände von 2016 die bislang teuerste Naturkatastrophe in der kanadischen Geschichte dar.

"Extreme Extreme"

Natürlich waren die veränderten globalen Windströmungen, die Planetaren Wellen, nicht die einzige Ursache für das Feuer, da sind sich die Forscher einig. Aber es sei ein zusätzlicher wichtiger Faktor gewesen. Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Planetaren Wellen schon seit den 1980er-Jahren die Waldbrandgefahr in Kanada beeinflusst haben. Laut der Forscher ist es aber möglich, die Wellenmuster der Winde mit einer relativ langen Vorlaufzeit von zehn Tagen zu ermitteln. Deswegen hoffen sie nun auf noch mehr und genauere Daten vom Satelliten Aeolus, damit sie mit ihren Ergebnissen künftig Forstwirten und Waldbrandexperten bei Vorhersagen helfen können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 21. August 2018 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 19:00 Uhr