WHO-Report Kaum Gefahr durch Mikroplastik im Trinkwasser

Mikroplastik im Trinkwasser scheint kaum ein Gesundheitsrisiko darzustellen. Zu diesem Schluss kommt die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf nach einer Auswertung verschiedener Studien über die Partikel im Wasser. Jedoch fordert die WHO mehr Forschung auf diesem Gebiet.

von Dietrich Karl Mäurer

Wasser sprudelt aus einem Wasserhahn in ein Glas 3 min
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Mikroplastik - also kleinste Kunststoffteilchen - lassen sich überall in der Umwelt nachweisen. So heißt es in dem nun vorgestellten Report der Weltgesundheitsorganisation WHO – auch in Flüssen, in Seen und im vermeintlich ach so sauberen Trinkwasser. Verbraucher seien natürlich verunsichert, doch das müssten sie nicht sein, sagt Bruce Gordon von der WHO: "Nach unserer Analyse gehen wir nicht davon aus, dass ein erhebliches Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik im Trinkwasser besteht."

Wenn wir also die vielen Risiken in Verbindung mit Wasser sehen, ist dies keineswegs das schlimmste, und ich denke, dass die Verbraucher, die Wasser trinken, beruhigt sein sollten, egal ob sie nun Wasser aus der Flasche oder Leitungswasser trinken.

Bruce Gordon, Weltgesundheitsorganisation WHO

Doch der Experte schränkt ein: diese Aussage basiere auf den momentan verfügbaren Informationen und beziehe sich auf die derzeitige Konzentration von Mikroplastik im Trinkwasser.

Mikroplstik in einem Peeling in einer Petrischale
Mikroplastik-Partikel in einer Petrischale Bildrechte: MDR / Kristin Kielon

Die nun vorgestellte Analyse ist der erste Bericht der WHO über Mikrokunststoffe im Wasser. Sie fasst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema zusammen. Demnach werden die Plastikteilchen vom Körper nicht aufgenommen - so WHO-Experte Bruce Gordon. Die überwiegende Mehrheit der Partikel wandere durch den Körper ohne aufgenommen zu werden. Alles, was größer als 150 Mikrometer sei, werde ausgeschieden.

"Und auch die sehr kleinen Partikel werden in der Regel ausgeschieden", erklärt Gordon. Was mit den kleinsten Nanopartikeln geschehe, dafür gebe es nicht genügend Beweise, um eine Aussage zu treffen. "Aber die machen nur einen kleinen Anteil aus", so Gordon weiter. Gerade bei den kleinsten Kunststoffteilchen fehlten wissenschaftliche Erkenntnisse, es gebe nicht genügend Daten:

Aber selbst bei Nanopartikeln gibt es biologische Mechanismen, um sie im Wesentlichen aus dem Körper zu entfernen, denn es gibt ja nicht nur Mikrokunststoffe, die wir aufnehmen, sondern auch viele Sand- und sonstige Körnchen, die wir trinken oder sogar einatmen.

Bruce Gordon, Weltgesundheitsorganisation WHO

Diese Plastikpartikel seien also nur ein Teil davon und wir könnten sie irgendwie durch den menschlichen Körper loswerden, erläutert der WHO-Experte. Generell gebe es jedoch nicht genügend Forschungsergebnisse über die Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen.

Es ist schwierig, denn erstens gibt es nur wenige Studien und zweitens sind viele von ihnen schwach - offen gesagt. Wir haben eine Bewertung der Studien vorgenommen. Sie verwenden nicht unbedingt Methoden, die reproduzierbar und vergleichbar sind.

Bruce Gordon, Weltgesundheitsorganisation WHO
Schmerzmittel im Trinkwasser
Keine Bedenken bei Wasser aus der Leitung Bildrechte: Colourbox.de

Deshalb brauche es noch mehr Forschung auf diesem Gebiet. Zudem raten die Experten der Weltgesundheitsorganisation zu einer fachgerechten Reinigung von Abwässern in Kläranlagen. Neunzig Prozent des Mikroplastiks könne so herausgefiltert werden.

Grundsätzlich empfiehlt die WHO, die Verschmutzung der Umwelt mit Kunststoffen zu verringern, um so der Umwelt zu helfen und eine mögliche Belastung der Menschen zu minimieren.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. August 2019 | 10:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 12:49 Uhr

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