Ein-Mann-Fluggeräte So funktioniert das französische Flyboard Air

Spätestens seit Marty McFly im Kultfilm "Zurück in die Zukunft" mit dem Hoverboard durch die Straßen raste, hat sich die Idee vom Menschen auf dem fliegenden Skateboard in den Köpfen festgesetzt. Ein französischer Jetski-Profi hat sich diesen Traum vom Fliegen mit dem Flyboard Air verwirklicht. Und das findet auch das französische Militär ziemlich spannend. Aber wie funktioniert das das Ein-Mann-Fluggerät, das künftig auch Soldaten in die Luft befördern soll?

von Kristin Kielon

Zugegeben: Wenn Franky Zapata sich auf sein Flyboard Air stellt und wie von Geisterhand abhebt, um dann in der Luft wilde Stunts und rasante Beschleunigungen zu präsentieren, sieht das schon beeindruckend aus. Und so überrascht es auch wenig, dass er damit schon häufiger der Star auf Motorsport-Rennen und bei Extremsport-Veranstaltungen war.

Aber sein Flyboard Air als Fortbewegungsmittel für Soldaten? Das ist neu. Zwar gibt Zapatas Firma die Anwendung für Militär, Rettungswesen und Industrie als denkbar auf ihrer Homepage an, primär wurde das Flyboard Air aber bisher als Freizeitspaß genutzt. Doch nun stellt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron es als die Militärtechnik der Zukunft vor.

Kritiker werfen den Franzosen jedoch Effekthascherei vor: Der fliegende Soldat sehe zwar spektakulär aus, aber wäre im Ernstfall wohl selber das exponierteste Ziel für Angriffe. Leise anschleichen dürfte damit auch wirklich schwierig werden.

Vom Wassersport- zum Fluggerät

Viele ambitionierte Ingenieure wollten das fliegende Skateboard - oder eine Art fliegende Plattform - schon entwickeln. Doch die Version des Franzosen gilt als eine der ausgereiftesten Technologien in diesem Bereich. Zapata kommt eigentlich aus dem Wassersport: Er war professioneller Jet-Ski-Pilot, holte mehrere Welt- und Europameistertitel.

Ein Mann vollführt ein Looping mit einem ''Flyboard''.
Sieht nach Spaß aus: das Wasser-Flyboard! Bildrechte: imago images / ITAR-TASS

Auch seine neue Idee war zunächst ein Wassersportgerät. Mit dem Flyboard kann man Schwebeflüge über dem Wasser machen. Dabei sorgt der Rückstoß eines Wasserstrahls für den nötigen Auftrieb. Doch es braucht hier einen Schlauch, denn durch den wird dem Gerät das Druckwasser zugeleitet, das von einer Pumpe erzeugt wird, die auch im Antrieb von Jet-Skis steckt. Das Flyboard hat Zapatas Team als Alternative zum Jetlev-Flyer entwickelt. Hier steht man nicht auf einer Plattform, sondern hat eine Art Raketenrucksack auf dem Rücken.

Doch das reichte Zapata noch nicht: Sein Team wollte unbedingt den Schlauch loswerden und entwickelte das Flyboard Air. Das zeigten sie erstmals im Frühjahr 2016. Wenig später stellte er sogar einen Weltrekord im Hoverboard fliegen auf: 2.252 Meter hat der Franzose laut dem "Guinnessbuch der Rekorde" in 50 Metern Höhe auf seinem Flyboard Air zurückgelegt.

  derzeit möglich voraussichtlich möglich
Maximalgeschwindigkeit 140 km/h 200 km/h
Maximale Höhe 150 Meter 3.000 Meter
Flugzeit 6 Minuten 30 Minuten
Maximalbelastung 100 Kilogramm 200 Kilogramm

Wie das Flyboard Air funktioniert

Während die meisten Hoverboard-Entwicklungen auf Rotoren bzw. Propeller setzen - also im Prinzip Drohnen sind, auf denen man stehen kann - haben Zapata und sein Team sich für eine andere Antriebsmethode entschieden.

Ein Mann schwebt in der Luft auf einem ''Flyboard''.
Das Board wird von mehreren kleinen Düsentriebwerken angetrieben. Bildrechte: imago images / Xinhua

Sie nutzen mehrere kleine Düsentriebwerke wie man sie von Flugzeugen kennt. Der Schub kommt also zustande, indem das Triebwerk Luft von außen ansaugt und verdichtet. Im Inneren kommt Treibstoff dazu und wird in einer Brennkammer verbrannt. Das Endprodukt dehnt sich aus und wird durch die Austrittsdüse abgegeben - wie der Wasserstrahl beim Flyboard also.

Doch die Turbninentriebwerke haben ihre Tücken: Zum einen sind sie auch im Mini-Format noch extrem laut - etwa 110 bis 115 Dezibel - und zum anderen brauchen sie Treibstoff, der immer mit muss. Allerdings sollen sie zehn Mal mehr Leistung als Propellertriebwerke bringen können. Außerdem sorgen sie dem Unternehmen zufolge dafür, dass der Schub kontrolliert werden kann, dass das Gerät sehr manövrierfähig und vor allem schnell ist. Falle einer der Motoren aus, lasse sich das durch einen eingebauten Stabilitäts-Algorithmus kompensieren. Fallen zwei Motoren aus, gleitet das Flyboard Air kontrolliert zu Boden, heißt es auf Zapatas Website.

Der größte Haken am Flyboard Air dürfte derzeit aber sein, dass Franky Zapata die bisher einzige Person ist, die es fliegen kann. Dafür können alle anderen schon auf einem etwas modifizierten Gerät üben: dem EZ-Fly. Es erinnert mehr an eine Mischung aus Segway und Jetpack mit zwei Griffen zum Festhalten. Das dürfte auch die Variante des Flyboards sein, für die sich das Militär am ehesten interessieren dürfte. In den USA hat es das Fluggerät jedenfalls schon getestet.

Von Jetpacks und Jetsuits

Ein Mann schwebt in der Luft mit einem Raketenrucksack.
Die meisten Alternativen haben den Antrieb auf dem Rücken des Piloten. Bildrechte: imago/HochZwei

Natürlich ist Zapata mit seiner Firma nicht der einzige Entwickler solcher Ein-Mann-Fluggeräte - allein schon deshalb, weil eben das Militär Interesse an solchen Fortbewegungsmitteln hat. Dementsprechend werden sogenannte Jetpacks immer weiter entwickelt - also Raketenrucksäcke wie man sie von Astronauten beim Weltall-Spaziergang kennt.

Besonders spektakulär ist dagegen eine Entwicklung des britischen Erfinders Richard Browning. Er ist nämlich ein waschechter Rocketman: In einem Jetsuit fliegt er mithilfe von an den Anzug montierten Düsentriebwerken ganz ohne Plattform unter den Füßen wie ein echter Superheld durch die Lüfte. Bisher arbeitet sein Unternehmen Gravity aber noch daran, dass der Jetsuit für potentielle Kunden in Militär und Industrie nutzbar ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 14. Juli 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 17:08 Uhr