Klimawandel Düstere Aussichten: Bis 2030 kommen alle zwei Jahre Hitzeextreme auf uns zu

Die Gruppe der fünf größten CO2-Emittenten hat extremen Einfluss auf den Klimawandel. Wie es in Zukunft weitergeht, hängt von ihrer Handlungsbereitschaft ab. Klimaforschende aus Deutschland und der Schweiz haben nun gezeigt, was passiert, wenn die USA, China, die EU, Indien und Russland ihre Klimaziele nicht radikal anpassen. Und was sich tun könnte, wenn sie es doch täten.

Demonstrationszug durch Wien mit Schüler und Schülerinnen im Zuge der Klimabewegung ,,Fridays for Future"
Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wenn die Klimaziele irgendwie erreicht werden sollen, dann muss jetzt gehandelt werden. Das fordern auch die Jugendlichen der internationalen Klimabewegung "Fridays for Future". Bildrechte: imago images/photosteinmaurer.com

Vor kurzem äußerte der Grünenpolitiker und jetzige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass Deutschland seine Klimaziele für 2022 und 2023 mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen wird. Eine große Ernüchterung zum Amtsantritt der neuen Bundesregierung. Doch auch in Bezug auf die mittelfristigen Klimaziele sieht es eher düster aus. Wenn keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen werden, werden auch diese nicht erfüllt werden können. Um 65 Prozent sollen die CO2-Emissionen bis 2030 reduziert werden. Ein sehr ambitioniertes Ziel, aber nötig, um den deutschen Beitrag zur Reduzierung der Erderwärmung zu leisten.

Die Gruppe der fünf größten Emittenten

Klar, Deutschland ist ein ziemlich kleines Land, aber wir sind auf Platz sechs der weltweit größten CO2-Emittenten. Und damit nehmen wir unbestritten ziemlich viel Platz ein in der Gruppe der fünf größten CO2-Emittenten der Welt. Zu dieser Gruppe gehören China, die USA, die EU-27, Indien und Russland. Und diese Gruppe hat einen enorm großen Einfluss auf den menschgemachten Klimawandel, denn sie sind für 52 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Alle zwei Jahre Hitzeextreme

Ein Zusammenschluss von Klimaforschenden aus Deutschland und der Schweiz hat nun in einer Studie gezeigt, die in Nature: Communications Earth & Environment veröffentlicht wurde, welchen konkreten Einfluss die Gruppe der fünf größten Emittenten auf unser Klima in der nächsten Zeit haben wird. Dabei haben sie eine Reihe von Erdsystem-Modell-Emulatoren erstellt. Also Computersysteme, die anhand von Daten Vergleiche bestimmter Teilaspekte herstellen können. Konkret gesagt: Die Forschenden wollten wissen, was mit unserem Klima mit und ohne die Gruppe der fünf größten CO2-Emittenten passiert.

Das Ergebnis ist eigentlich nicht verwunderlich, aber dennoch schockierend. Läuft alles so weiter wie bisher, unter Berücksichtigung der kumulierenden CO2-Emissionen von 1991 bis 2030, werden wir bis 2030 jedes zweite Jahr ein Hitzejahr erleben – und das wird auf 92 Prozent der Länder zutreffen. Rechnet man die Emissionen der fünf größten CO2-Emittenten allerdings heraus, würde das nur auf 46 Prozent zutreffen. Als extrem heiße Jahre haben die Forschenden Jahre definiert, die nur einmal alle hundert Jahre im vorindustriellen Zeitalter aufgetreten sind.

78 Prozent aller Länder werden sich erwärmen

Das Problem mit der globalen Erderwärmung ist, dass man nicht so recht greifen kann, was das für die einzelnen Länder bedeutet. Aber genau das können die Forschenden berechnen. Ein Beispiel: Wenn die aktuell festgelegten Klimabeiträge der einzelnen Länder eingehalten werden, würde sich die globale Durchschnittstemperatur bis 2030 um 1,4 Grad Celsius erhöhen. Das führt dazu, dass 78 Prozent aller Länder eine mittlere Erwärmung auf Länderebene von mehr als 1,5 Grad Celsius erfahren würden.

Würde man allerdings die Emissionen herausrechnen, die die Top Fünf seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 ausgestoßen haben, würde sich die Temperatur nur in dreißig Prozent der Länder um mehr als 1,5 Grad Celsius erhöhen. Und jetzt kommt's: Rechnet man mit den Emissionen seit 1990, also dem Jahr, in dem erstmals ein IPCC-Report vorgelegt und darauf aufmerksam gemacht wurde, dass CO2-Emissionen das Klima erwärmen, würde sich die Durchschnitttemperatur in nur zwei Prozent aller Länder um 1,5 Grad Celsius erwärmen.

Was die USA allein ausrichten könnten

Hätte, hätte Fahrradkette. Jetzt könnt man denken: Joa, ist aber nun mal zu spät, denn nachträglich können wir die CO2-Emissionen ja nun nicht wegzaubern. Da muss man leider sagen: Stimmt. Aber: Die Rechnung macht bedrückenderweise extrem deutlich, welchen Einfluss die einzelnen Länder auf den Klimawandel haben.

Würden alle so viel CO2 emittieren wie die USA im Zeitraum von 2016 bis 2030, würde das für die Welt bereits 2030 eine Erwärmung um 1,8 Grad Celsius bedeuten. Für die USA selbst würden das sogar 2,5 Grad Celsius mehr bedeuten. Keine tollen Aussichten. Vor allem wenn man bedenkt, dass durch die Reduzierung von CO2 nicht über Nacht alles wieder schick ist, sondern die Auswirkungen erst nach Jahrzehnten sichtbar werden. Umso wichtiger ist es, dass sich die Top 5 der CO2-Schleudern schnellstens selbst dazu verpflichten und verpflichtet werden, dass sie etwas drastisch ändern müssen, um den Klimakarren nicht vollends an die Wand zu fahren. Und um das mit aller Deutlichkeit zu sagen: Die Räder des Karrens eiern schon sehr bedenklich!

Verursacher und Leidtragende

Es ist die ewige Geschichte von denen, die es einbrocken und von den anderen, die es auslöffeln. Aber so muss und sollte es nicht sein. Obwohl die Top Fünf der Emittenten die Treiber des Klimawandel sind, werden andere die Folgen ausbaden müssen. Allen voran das tropische Afrika, das sehr mit den Hitzejahren zu kämpfen haben wird.

Keiner in der Gruppe der Top Fünf hat sich bisher zu ausreichenden nationalen Maßnahmen verpflichtet, mit denen die 1,5 Grad Celsius Temperaturgrenze des Pariser Abkommens eingehalten werden könnten. Hier muss dringend gehandelt werden. Auf der Klimaschutzkonferenz in Glasgow im November 2021 wurde zumindest schon einmal offiziell anerkannt, dass durch die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius die Auswirkungen des Klimawandels viel geringer sein werden.

Die Staaten sind nun dazu aufgerufen, ihre nationalen Klimaschutzziele bereits bis Ende 2022 statt 2025 zu prüfen. Was dann beschlossen und wann es umgesetzt wird, wird die Zeit zeigen. Aber Moment … Zeit … die haben wir doch gar nicht. 2030 ist nicht mehr weit weg.

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20 Kommentare

dimehl vor 7 Tagen

Stimmt, der Schwerpunkt wird meiner Meinung nach zu sehr auf das Klimaproblem gelegt.
Das Klimaproblem ist aber möglicherweise noch lösbar:
durch Maßnahmen, die den Klimawandel abschwächen / begrenzen und durch Anpassung an veränderte klimatische Verhältnisse.
Dazu sind aber Ressourcen notwendig. Sind diese nicht mehr vorhanden, wird es schwierig.
Welche Auswirkungen Materialknappheit hat, zeigt sich aktuell (wenn auch in sehr kleinem Maßstab).

goffman vor 7 Tagen

Gibt es positive?
Die "Veränderte Fruchtfolge in der Landwirtschaft", so es sie gibt, wird global betrachtet sicher trotzdem nicht zu mehr Ertrag führen: Dürren und Wetterextreme dürften hier jeden positiven Effekt auffressen. Die Wüsten breiten sich aus.
Die Heizkosten sinken vielleicht, dafür werden Teile der Erde nur noch mit Klimaanlagen bewohnbar sein.

MDR-Team vor 7 Tagen

@Wagner
Wir berichten sachlich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und durchaus über positive Folgen des Klimawandels und dem Umgang mit ihm (https://www.mdr.de/wissen/klima/emissonen-stagnieren-kritische-minderheit-kann-wandel-bewirken100.html/https://www.mdr.de/wissen/online-klima-gipfel-einschaetzung-mitteldeutschland-100.html). Dennoch ist der Klimawandel für uns auch eine große Herausforderung, über die wir weiterhin kritisch berichten werden.
LG, das MDR-Wissen