Psychische Erkrankungen Goldene Regeln für die Therapeutensuche

Psychotherapeuten sind so etwas wie Goldstaub. Immer mehr Menschen erkranken psychisch, allein Depressionen treffen jeden fünften. Kann man angesichts wochenlanger Wartezeiten für Erstgespräche bei Therapeuten eigentlich wählerisch sein? Professor Bernhard Strauß leitet in Jena das Institut für psychosoziale Medizin und Psychotherapie. Er beschreibt sechs wichtige Punkte, die aus seiner Sicht bei der Therapeutenwahl wichtig sind.

Symbolbild - Googlesuche mit Psychotherapeut/in im Suchfeld
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1. Wie erkennt man, ob man beim richtigen Therapeuten gelandet ist?

"Achten Sie darauf, ob subjektiv die Chemie stimmt. Kann ich mir vorstellen mit der Person, die mir da gegenüber sitzt, die nächsten 20, 30 oder noch mehr Wochen einmal wöchentlich über persönliche Dinge zu sprechen? Wenn ich das Gefühl hab, da ist irgendetwas, was mich daran hindert, kann das wahrscheinlich nicht sehr gut gehen."

2. Methode erklären lassen: Wie arbeitet der Therapeut?

Professor Bernhard Strauss
Prof. Bernhard Strauss, Leiter des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie an der Universität Jena. Bildrechte: Uniklinik Jena / Szabor

"Wie gedenkt diese Person mit mir in den nächsten Wochen und Monaten zu arbeiten? Wenn da Aspekte drin sind, die mir überhaupt nicht liegen, also wenn der sagt: 'Ich werde Sie jede Woche mit ganz vielen Hausaufgaben nach Hause schicken, wo Sie das und das ausprobieren müssen' oder wenn er sagt, 'Ich werde ihnen nur zur Verfügung stehen und Ihnen gar keine Ratschläge und Vorschläge geben,' - dann kann man abwägen, was einem mehr entgegenkommt. Wenn einem das gar nicht liegt, sollte man sehen, dass man eine Alternative sucht."

3. Was erwarten Sie von der Therapie, was hält der Therapeut für möglich: Passt das zusammen?

"Psychotherapien gelingen dann gut, wenn Patient und Therapeut relativ früh ein Verständnis dafür kriegen, wo die Therapie eigentlich hingehen soll. Oft haben Patienten völlig unrealistische Erwartungen, was eine Psychotherapie leisten kann. Deswegen geht es eigentlich immer darum, die Erwartungen mit den tatsächlichen Möglichkeiten einer Psychotherapie abzugleichen."

4. Woran erkenne ich, dass ich bei einem Profi bin oder ob etwas falsch läuft?

"Sobald ein Therapeut anfängt, ganz viel über sich selbst zu sprechen, ist das ein erstes Signal dafür, dass er sein Rolle verlässt. Da sollte man als Patient vorsichtig sein, sich gegebenenfalls Rat oder eine Zweitmeinung holen, ob da irgendetwas schief läuft. Gravierende Kunstfehler unterlaufen Therapeuten da, wo sie private Beziehungen zu Patienten beginnen."

5. Sind lange Wartezeiten für einen Termin aussagekräftig?

Kürzere oder längere Wartezeiten sind aus Sicht von Bernhard Strauß kein Indiz dafür, ob man bei einem gefragten oder weniger gefragten Psychotherapeuten gelandet ist.

6. Therapieplatz ergattert, Chemie stimmt nicht: Was tun?

Trotz langer Wartezeiten sollte man aus Strauß' Sicht nicht bei einem Therapeuten bleiben, bei dem man sich nicht wohl fühlt. Es sei problematisch, nur weil man einen Termin bekommen hat, den Platz nicht abzugeben, obwohl ein düsteres Gefühl da sei, nicht in den richtigen Händen zu sein. 

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 31. Januar 2019 | 06:50 Uhr