Virus Sars-CoV-2 Wie funktionieren Corona-Schnelltests?

Sie sind das Mittel der Stunde, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu kontrollieren: Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2. Wie funktionieren sie und gibt es die auch für Zuhause?

Wissenschaftler im Labor
Ulf Dittmer, Leiter des Instituts für Virologie der Universitätsklinik, arbeitet in einem Labor an der sogenannten PCR-Maschine. Bildrechte: dpa

Das Wichtigste zuerst: Wer auf den neuen Coronavirus Sars-CoV-2 getestet wird, das entscheidet der Arzt. Dann übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten.

Wie hoch die sind, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Zwischen 200 und 250 Euro sind Zahlen, die in aktuellen Berichten genannt werden. Die Kassen machen dazu keine Aussagen.  So schreibt z.B. die Techniker Krankenkasse: "Welche Kosten ein Labor einem privaten Unternehmen für solch einen Test in Rechnung stellen würde, entzieht sich unserer Kenntnis, da diese Preise durchaus differieren können."

Wie läuft so ein Test ab

Zuerst wird ein Abstrich genommen - mit dem Wattestäbchen. Das muss nicht immer beim Arzt passieren. So empfiehlt z.B. die  Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) seit kurzem, den Abstrich selbst zuhause durchzuführen. Eine gute, unproblematische Möglichkeit, so Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, der Charité Berlin gegenüber dem Ärzteblatt.

Ich hoffe sehr, dass sich solche pragmatischen Lösungen verbreiten.

Porf. Christian Drosten, Charité Berlin

Eine Taschenlampe kann hilfreich sein, um den Abstrich hinter dem Gaumensegel zu machen, so Drosten. Auch ein Abstrich in der Nase ist möglich. Bei begründetem Verdacht empfiehlt das Robert Koch-Institut zusätzlich Proben aus den unteren Atemwegen zu entnehmen – also das, was wir aus Lunge und Bronchien aushusten.

ein Autofahrer wird auf Corona getestet
Corona-Drive-in: im Landkreis Esslingen gibt es zwei mobile Corona-Teststationen. Hier wird der Abstrich z.B. an der Nase genommen. Bildrechte: imago images/7aktuell

Wie wird getestet?

Getestet wird mit der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Das ist ein Standardverfahren der Labordiagnostik, das auch für Erbkrankheiten oder Vaterschaftstest angewandt wird. Dabei wird ein ausgewähltes DNA-Stück der Probe vervielfältigt, erhitz, gekühlt und unter Strom gesetzt – unsere Kollegen vom BR haben das hier in einem Video erklärt. Nach fünf Stunden kann das Labor im Ergebnis nicht nur klären, ob das Virus vorhanden, sondern auch, wie hoch die sogenannte Viruslast ist, also die Menge der Viren im Körper.

Kann man Schnelltests für Zuhause kaufen?

Die Apotheken-Zeitung berichtet von Schnelltests, die auch für den Hausgebrauch angeboten werden, "ohne Labor oder entsprechende Ausrüstung", und die direkt ein Ergebnis anzeigen. Die seien jedoch problematisch, denn sie würden nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern suchen, so Dr. Daniela Huzly, Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie.

"Antikörper sind bei Virusinfektionen meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Für SARS-CoV-2 liegen noch gar keine gesicherten Erkenntnisse hierzu vor", so Huzly, die auch Ärztliche Leiterin der Diagnostik im Institut für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg ist.

Keine Sicherheit, aber Ressourcenverschwendung 

Auch der Verband "Akkreditierte Labore in der Medizin e.V." (ALM) warnt in einer Mitteilung vor solchen Tests. "Ich kann zwar nachvollziehen, dass Menschen, die mit Symptomen in die Praxis kommen, sehr besorgt sind und daher für sich selbst ein schnelles Ergebnis bekommen möchten", so Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender der ALM. Ein unzuverlässiger Schnelltest würde jedoch keine Sicherheit geben, sondern stattdessen unnötig Ressourcen im Gesundheitswesen verschwenden, so der ALM. Aus diesem Grund würden jene Schnelltests auch weder vom Robert Koch-Institut noch von der WHO empfohlen.

gp