Weltraumforschung Sex im Weltall: Wie geht das eigentlich?

Wie verhalten sich Spermien in der Schwerelosigkeit? Flitzen sie langsamer oder schneller? Wie geht Sex im Weltall? Und gab es schon welchen? Ein deutscher Astronaut sagt: Ja! 1982 auf der Station Salut 7.

ISS-Mitarbeiter
Die Astronauten Drew Feustel and Serena Auñón-Chancellor beim Experiment mit menschlichen Spermien 2018 auf der ISS. Bildrechte: NASA

Liebe ist eine Wissenschaft. Die Macher des Silbersalz-Festivals in Halle haben sie sogar zum Titelthema für 2019 gemacht: The Science of Love. Aber was ist mit der Liebe im Weltall? Dass wir dorthin aufbrechen, ist für viele Wissenschaftler nur noch eine Frage der Zeit. Spätestens in 100 Jahren müssen wir neue Planeten besiedeln, so hatte es Stephen Hawking für uns vorgesehen, weil sich Probleme wie Klimawandel, Überbevölkerung oder Krankheiten auf der Erde nicht mehr lösen lassen. Und das bedeutet auch, dass wir nicht immer natürlicher Schwerkraft ausgesetzt sein können.

Menschliches Sperma im All

In dem Zusammenhang stellt sich der Forschung eine wichtige Frage: Ist es überhaupt möglich, neues Leben außerhalb der Erde zu zeugen? Bisher ist nur wenig über die Reproduktionsbiologie im All bekannt. An Fröschen, Salamandern, Schnecken und wirbellosen Tieren wurde zwar schon geforscht, an menschlichem Sperma aber noch nicht. Dieser Frage ist die NASA 2018 mit ihrer Mission Micro11 nachgegangen. Dabei ging es um die Frage, wie sich menschliches Sperma in der Schwerelosigkeit verhält.

Die Astronauten Drew Feustel and Serena Auñón-Chancellor haben die entsprechenden Untersuchungen durchgeführt. Joseph Tash von der Kansas University ist der verantwortliche Wissenschaftler, der jetzt die Daten auswertet. Er wird uns danach sagen können, ob die Spermien im All zeugungsfähig sind.

Bisher ist also noch nichts offiziell darüber bekannt, wie sich Langzeitaufenthalte im All auf die reproduktive Gesundheit der Menschen auswirken. Micro-11 soll diese Wissenslücke schließen - auch um gegebenenfalls Maßnahmen zu entwickeln, falls eine normale menschliche Fortpflanzung im All gar nicht möglich ist.

Spermienproben für die Micro-11 Mission sind im NASA Kennedy Space Center, in Florida angekommen.
Spermaproben für die Micro-11 Mission kommen im Kennedy Space Center der NASA in Floriada an. Die Wissenschaftler bereiten sie für ihre Reise zur ISS vor. Bildrechte: NASA

Probleme mit der Spermienbewegung

Säugetiere, also auch Menschen, pflanzen sich fort, wenn eine Eizelle von Sperma befruchtet wird. Bevor das aber passieren kann, muss das Sperma aktiviert werden und sich immer schneller und schneller bewegen. Bei bisherigen Experimenten im Weltall mit Sperma von Seeigeln und Bullen zeigte sich, dass zwar die Aktivierung der Spermien schneller vonstattengeht, die Bewegung danach aber langsamer wird, oder sogar zum Stillstand kommt - sehr schlechte Voraussetzungen für potenziellen "Weltraumnachwuchs".

Macht es wie die Delfine

Abgesehen von der biologischen Voraussetzung, neues Leben ins Weltall zu setzen, wäre da aber auch noch eine technische zu erfüllen. Sex im All könnte nämlich ziemlich umständlich sein, weil die Körper aufgrund der Schwerelosigkeit immer auseinanderdriften würden.

Ex-Astronaut Ulrich Walter hat eine Antwort auf dieses Problem. Er war 1993 einer von zwei deutschen Astronauten bei der STS-55 Mission auf der Raumfähre Columbia. In einem Interview im NDR Fernsehen verriet er, dass es die Menschen beim Sex im All wie die Delfine im Wasser halten müssten. Bei Delfin-Sex hindert oft ein dritter Artgenosse die beiden anderen am Auseinanderdriften.

Hinzu kommen noch ein paar weitere Probleme. Die ISS ist vollständig überwacht, bis auf die Toilette. Der Blutfluss funktioniert in der Schwerelosigkeit anders, was Erektionen deutlich erschwert.

NASA Poster
Aufbruch ins All. Auf diesem NASA Poster sieht es romantisch aus. Beim Thema Sex hält sich die Raumfahrtbehörde aber zurück. Bildrechte: NASA

Gab es schon Sex im All?

Darüber gibt es keine offiziellen Aussagen. Dabei hatte die NASA bereits 1992 ein Ehepaar ins Al geschickt – Mark Lee und Nancy Jan Davis flogen mit der Raumfähre Endeavour zum Spacelab. Wenn es nach dem deutschen Astronauten Ulrich Walter geht, dann gab es den ersten Sex im All bereits zehn Jahre vorher. Damals, am 19. August 1982, flog Swetlana Sawizkaja zusammen mit Leonid Popow und Alexander Serebrow auf die russische Raumstation Salut 7. Dort warteten bereits Anatoli Beresowoi und Walentin Lebedew, die bereits seit Mai 1982 an Bord waren.

Und der russische Teamarzt habe ihm bestätigt, dass es bei dieser Mission zum ersten Sex im All gekommen sei, schreibt Walter in seinem Buch "Höllenritt durch Raum und Zeit".

Alexander Gerst auf der ISS 6 min
Bildrechte: MDR Fernsehen

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | Sachsen-Anhalt heute | 19. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 09:13 Uhr