Ernährung Spinnen fressen mehr Fleisch als Menschen

Spinnen sind echte Killer. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Insekten und anderen Tieren. Ein internationales Forscherteam hat jetzt ausgerechnet, wieviel sie fressen und kam auf erstaunliche Zahlen: 800 Millionen Tonnen.

Springspinne Phidippus mystaceus saugt eine Mücke aus
Bildrechte: David E. Hill, Peckham Society, Simpsonville, South Carolina

Ohne die Spinnen würde das ökologische Gleichgewicht auf der Erde kippen. Da sind sich die die Zoologen der Universität Basel (Schweiz) und der Lund University (Schweden) ganz sicher. Erstmals haben ihre Untersuchungen nachgewiesen, welchen Anteil die 45.000 Spinnenarten daran haben.

Durch unsere Berechnungen lässt sich erstmals global quantifizieren, dass Spinnen wichtige natürliche Feinde von Insekten sind.

Martin Nyffeler, Universität Basel

Zusammen mit den anderne Insektenfressern, wie Ameisen und Vögeln, so Martin Nyffeler von der Universität Basel, Erstautor der Studie, tragen sie dazu bei, die Populationsdichten von Insekten signifikant zu reduzieren. Um das zu verdeutlichen, haben die Forscher die Nahrungsmenge in Relation zu anderen Tieren und uns Menschen gesetzt. Die Spinnen - zusammen wiegen sie 25 Millionen Tonnen - fressen jährlich bis zu 800 Millionen Tonnen Beutetiere. Wir Menschen essen laut Welternährungsorganisation 400 Millionen Tonnen Fleisch und Fisch pro Jahr. Sämtliche Wale der Weltmeere fressen den Forschern zufolge jährlich 280 bis 500 Millionen Tonnen Biomasse.

Spinnenangriff - Tod im Netz

Die Spinne hat ein prächtiges Netzt gebaut - und wartet. Sie wird Beute machen, todsicher. Denn das Netz, kaum sichtbar, hat sie in eine beliebte Enflugschneise vielen Insekten gebaut. Sie ist bereit zu töten.

Spinnenangriff
Das Netz Das Netz ist gesponnen - ein Meisterwerk, das im Frühtau glänzt und heute noch zur tödlichen Falle wird. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Das Netz Das Netz ist gesponnen - ein Meisterwerk, das im Frühtau glänzt und heute noch zur tödlichen Falle wird. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Sprungbereit Die Spinne wartet auf Beute. Gut versteckt am Rand des Netzes ist sie kaum sichtbar für ihre Opfer. Ihre sind Beine angewinkelt und sprungbereit. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Vor dem Angriff Die Spinne wirkt konzentriert - jederzeit bereit zum Töten. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
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Der tödliche Biss Der Angriff. Blitzschnell springt die Spinne auf die Biene und injiziert ihr tödliches Gift. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
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Der Tod der Biene Sekunden nach dem Angriff ist die Biene gelähmt und stirbt. Die Spinne braucht nicht weiter zu kämpfen. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Nicht jedes Beutetier wird gleich verspeist. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Abtransport Die Spinne zerrt die tote Biene an den Rand des Netzes. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
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Netzflickerei Das Netz hat gelitten, Zeit fürs Flicken. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Spinnenangriff
Auf ein Neues. Neuer Tag - neues Glück. Das Netz ist wieder heil und irgendwo in der Nähe fliegt ein argloses Insekt herum, das heute in diese tödliche Falle gerät. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
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Auf der Speisekarte: Insekten, Frösche, Fische und sogar Vögel

Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler Daten aus 65 früheren Untersuchungen und machten eigene Beobachtungen. Sie fanden heraus: Mehr als 90 Prozent der getöteten Beutetiere sind Insekten und Springschwänze, bis zu 17 Millimeter große Sechsfüßler, die in den oberen Erdschichten leben. Große tropische Spinnen erbeuten gelegentlich auch kleinere Wirbeltiere, Frösche, Eidechsen, Schlangen, Fische, Vögel und Fledermäuse.

Bevorzugtes Jagdgebiet der Spinnen sind nach der im Fachmagazin "Science of Nature“ veröffentlichten Studie Wälder und Grasland. Im Gegensatz dazu ist die Insektenvertilgungsrate der Spinnen in Wüstengebieten, in der arktischen Tundra und in Kulturfeldern relativ niedrig, so die Autoren. Im Falle der Agrarlandschaft lässt sich dies dadurch erklären, dass die intensiv bewirtschafteten Kulturfelder “gestörte Systeme" darstellen, in denen für Spinnen ungünstige Überlebensbedingungen herrschen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 16.03.2017 | 06:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 10:17 Uhr