Genderdebatte Wie viel trans* darf die Maus?

Die Sendung mit der Maus hat ihren Zuschauern Katja vorgestellt. Eine Frau, die früher mal ein Mann war. Damit hat sie Kindern gezeigt erklärt, dass es Transgeschlechtlichkeit gibt und wie man damit leben kann. Darf sie das?

Ein Kind sitzt im Wohnzimmer auf einer Couch und schaut die Sendung mit der Maus.
Die Sendung mit der Maus. Bildrechte: imago images/Fotostand

Medienpädagogin Kristin Narr hat darauf eine klare Antwort: Ja! "Denn alle Themen, die uns Erwachsene bewegen, bewegen natürlich auch Kinder", weiß sie aus ihrer täglichen Arbeit mit ihnen. Dazu gehört, sich darüber Gedanken zu machen: Wer bin ich? Wer bist Du? Wie ist es, sich anders zu fühlen, anders zu sein? Das, was wir Erwachsenen Diversität nennen und worüber wir öffentlich diskutieren, wie zum Beispiel über Trans- und Intergeschlechtlichkeit. "In dem Moment, wo wir insgesamt eine starke Sensibilisierung für dieses Thema haben, in dem Moment, wo es gesellschaftlich relevant wird, ist es die Aufgabe von Kindermedien, die damit verbundenen Fragen aufzugreifen und die Antworten altersadäquat zu übersetzen."

Alle Themen, die uns Erwachsene bewegen, bewegen natürlich auch Kinder.

Kristin Narr, Medienpädagogin

Zu viel Offenheit: Schadet das?

Wo offen mit dem Thema Trans- und Intergeschlechtlichkeit umgegangen wird, ist die Unsicherheit der Erwachsenen nicht weit, ob man das Kindern überhaupt zumuten kann. Ob sie verarbeiten können, was sie sehen und hören oder ob sie möglicherweise psychisch Schaden nehmen. Kristin Narr war einige Jahre Referentin bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter FSM und hat dort Angebote unter Aspekten des Jugendschutzes begutachtet. Die Frage danach, was die Entwicklung und seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen könnte, kennt sie daher auch aus anderen Kontexten. "Ganz gleich um welche Themen es gerade geht, ist immer entscheidend, zu sehen: Wie alt sind die Kinder, an die ich mich wende? Können Sie zum Beispiel Fiktionales und die Realität schon voneinander unterscheiden? Wie muss ich die Inhalte für sie übersetzen, welches Wissen, welche Erfahrungen kann ich voraussetzen?" Im Hinblick auf Trans- und Intergeschlechtlichkeit wäre ein Anfang zu sagen und zu erklären, dass es das gibt, dass Menschen so empfinden und so leben, erklärt Kristin Narr.

Damit können Medien Impulse geben, Empathie zu entwickeln und das ist doch wichtig für eine diverse Gesellschaft.

Kristin Narr, Medienpädagogin

Kinder sind neugierig und brauchen ehrliche Antworten

Kristin Narr
Bildrechte: Christiane Gundlach

Kristin Narr erlebt Kinder in ihrer Arbeit als Medienpädagogin als äußerst neugierig im allerbesten Sinne, gerade im Vorschulalter. Wie kleine Forscher sind sie auf der Suche nach ehrlichen Antworten, interessieren sich für alles, was auffällt und vor allem für Dinge, die sie unmittelbar betreffen, zum Beispiel wenn sie im Kindergartenalter ihre Identität entdecken. Sie wollen wissen: Wer bin ich? Wer bist Du? Wie ist das mit dem Mädchen- und Jungesein? Was verbindet uns? Was unterscheidet uns? Und wie gehe ich mit dem Anderssein um? Diese Fragen haben Kinder nun einmal und sie brauchen Antworten darauf. Wenn wir ihnen diese Antworten vorenthalten in dem Glauben, sie zu schützen, schaden wir ihnen, davon ist Kristin Narr überzeugt. Denn dann beschädigen wir diesen Entdeckerdrang, diesen wichtigen Entwicklungsmotor. Aber aus ihrer Arbeit weiß sie:

Oft sind es die Erwachsenen, die ein Problem haben mit bestimmten Themen, nicht die Kinder.

Kristin Narr, Medienpädagogin

Die Maus trägt die Verantwortung nicht allein

Dass Medien Themen für Kinder verantwortungsbewusst, altersgerecht und behutsam umsetzen, ist das eine. Dass Kinder mit dem, was sie sehen und hören nicht alleingelassen werden, ist das andere. "Die Begleitung durch Erwachsene, durch Eltern, Erzieher, Lehrer ist in jedem Falle unglaublich wichtig. Dass man auch darüber spricht, was bewegt. Das können Medien gar nicht leisten, da braucht es eine Begleitung", schätzt Kristin Narr ein. In ihren Projekten an Schulen erlebt sie, dass Kinder und Jugendliche viele Themen haben, die sie bewegen, zu denen sie Fragen haben und zu denen sich mitteilen wollen. Je nach Alter geht es um ganz Unmittelbares wie das eigene Haustier, um Freunde oder auch um Umfassenderes wie Krieg, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, ums Anderssein – und dazu gehören auch Trans- und Intergeschlechtlichkeit.

Links/Studien

Spektrum: Was ist Geschlecht, was sexuelle Identität, was inter?
Der Stern: Transperson bei der "Sendung mit der Maus" - zuviel für einige Erwachsene
Die Welt: Artikel zur Transgenderberichterstattung von ARD und ZDF
Dossier: Ideologie statt Biologie im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk
Gutachten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Begrifflichkeiten, Definitionen und disziplinäre Zugänge zu Trans- und Intergeschlechtlichkeiten

krm

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

78 Kommentare

Fakt vor 15 Wochen

@Britta.Weber:

Und Sie wissen natürlich genau, dass und wieviele Beiträge nicht veröffentlicht wurden. Kaffeesatz lesen oder Karten legen?
Ja ja, schlimmer geht's nimmer.

Norbert 56 NRW vor 15 Wochen

Und weil der MDR davon berichtet ändert sich das in "vielen Ländern" ? Was stimmt denn bei euch nicht ? Soviel Selbstüberschätzung ist ja kaum zu toppen.

Britta.Weber vor 15 Wochen

@Fakt, Sie unterliegen dem alten Trugschluss, dass wir eine offene Diskussion haben, weil auch negative Beiträge veröffentlicht werden. Sie vergessen die vielen Beiträge, die trotz Einhaltung der Netiquette nicht erscheinen, und die einseitigen Artikel und Belehrungen durch den MDR.
Ichg würde mir eine offene Diskussion zu brisanten Themen wünschen, in der alle Beiträge erscheinen können und der MDR nur moderiert.