ARD-Themenwoche Stadt.Land.Wandel Zukunftsforschung – ohne Sie geht es nicht

Die Zukunft gibt es nur in unseren Gedanken. Manche Vorstellungen entwickeln wir ganz für uns allein, andere wiederum teilen wir. Wie wollen wir künftig wohnen, arbeiten, uns ernähren? Was wird sich verändern, wie und warum? Diesen Fragen widmet sich die ARD-Themenwoche 2021 "Stadt.Land.Wandel – Wo ist die Zukunft zu Hause?" unter anderem mit einer Online-Umfrage, an der sich jeder beteiligen kann.

Seit Menschengedenken beschäftigen wir uns mit unserer Zukunft: Wie wir sie gestalten, über den Fortbestand unserer Existenz, über unsere künftige Lebensqualität, über die Perspektiven unserer Kinder. Deshalb widmet sich die ARD-Themenwoche vom 7. bis 13. November 2021 unter anderem der Frage, wie sich unser Alltag durch die Digitalisierung weiter verändern wird. Was bedeutet das für das Leben in der Stadt und auf dem Land? Wie werden wir künftig wohnen, arbeiten, essen? Was wird sich verändern und wer wird daran wie teilhaben können?

Umfrage: Wie sieht unser Leben morgen aus?

Was sich für einen jeden von uns ganz persönlich verändert, welche Sorgen, Ängste und Wünsche wir haben, das möchte die Online-Umfrage "Stadt.Land.Chancen" der ARD-Themenwoche herausfinden. Während einer fünfzehnminütigen Reise durch drei verschiedene Zukunftsszenarien kann man einen Fragebogen beantworten, in dem es darum geht, welche Veränderungen wir für unseren eigenen Alltag sehen.

Wissen

Ein stilisiertes Auge in Nahaufnahme, ergänzt durch technisch anmutende grafische Elemente. Text: Wie wird die Zukunft? 11 min
Wie wird die Zukunft? Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

In die Zukunft zu schauen, ist eine Wissenschaft

Die Szenarien sind nicht beliebig konstruiert, sondern basieren auf den Ergebnissen von insgesamt 80 sozialwissenschaftlichen Studien. Dennoch geben sie uns keine Gewissheit darüber, ob es dann auch genau so kommen wird. Nicht umsonst sprechen Zukunftsforscher auch nicht von der einen Zukunft, sondern von Zukünften. So zum Beispiel die Vereinigung "Scientists for Future", in der Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen gemeinsam verschiedene Perspektiven entwickeln. Ihr Fokus richtet sich auf die Themen Klimawandel, Biodiversitätskrise und Nachhaltigkeit.

Unsere Zukunftsbilder sind keine Vorhersagen. Sie sind Grundlage für einen breiten Austausch über eine gerechte und nachhaltige Zukunft für alle Menschen.

Scientists for Future

Rechtzeitig Dinge aufzeigen und beeinflussen, damit die Zukunft davon profitieren kann, das ist das Ziel der Zukunftswissenschaft generell. Dazu muss sie aktuelle Ereignisse und Situationen analysieren, aus vergangenen Prozessen Schlüsse für die Zukunft ableiten.

Können wir die Zukunft überhaupt erforschen und wofür brauchen wir das?

Natürlich kann heute niemand verbindlich sagen, was in 20, 30 oder 40 Jahren sein wird. Aber wenn man berücksichtigt, wie sich bestimmte Faktoren entwickeln und weiter entwickeln werden, lassen sich zumindest Perspektiven aufzeigen. Die Welt, in der wir leben, verändert sich inzwischen so schnell wie nie zuvor, und das im Hinblick auf viele Bereiche wie Gesellschaft, Politik, Demografie, Ökologie, Technik und Wirtschaft. Das stellt uns selbst und alle vor große Herausforderungen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Entscheidungen treffen müssen. Welche Konsequenzen wird das, was wir heute tun, eines Tages haben? Das will Zukunftsforschung herausfinden.

Den Finger in die Wunde legen

Als sogenannte transformative Wissenschaft fragt die Zukunftsforschung kritisch, und sie kann mit ihren Szenarien durchaus auch provozieren, um Diskussionen und Veränderungen in Gang zu bringen. Damit sie dabei möglichst nah an der Realität bleiben kann, arbeiten verschiedene Disziplinen zusammen. Je nach Fragestellung entwerfen Forscherinnen und Forscher aus Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft, Sprachwissenschaften, Ökonomie oder Ingenieurswissenschaften gemeinsam Zukunftsbilder.

Die Zukunft erforschen – wie geht das?

Zukunftsforscher arbeiten mit einem umfangreichen Methodenrepertoire. Sie befragen systematisch Experten und Betroffene, sie begutachten Daten unter vorgegebenen Aspekten. Sie brainstormen in Zukunftswerkstätten, entwickeln Szenarien, betrachten die Bedürfnisse der aktuellen oder künftigen Beteiligten eines Prozesses oder der Nutzer einer Innovation. Kurz: Die Zukunftsforschung greift auf viele Methoden sämtlicher wissenschaftlicher Disziplinen zurück und mixt sie je nach Fragestellung. Studieren kann man das Zukunftsfach inzwischen an verschiedenen Standorten in Deutschland: zum Beispiel "Urbane Zukunft" an der Fachhochschule Potsdam, "Zukunftsforschung" an der Freien Universität in Berlin oder "Zukunftsdesign" an der Hochschule Coburg.

Die Online-Umfrage "Stadt.Land.Chancen" entstand übrigens auch interdisziplinär. Beteiligt waren die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften acatech, das Center for Responsible Research & Innovation des Fraunhofer IAO sowie der Bayerische Rundfunk. Allein in den ersten fünf Tagen, in denen die Befragung online war, beteiligten sich mehr als 2.200 Interessierte. Da jeder mitmachen kann, ist die Stichprobe nicht repräsentativ. Dennoch rechnen die Initiatoren durch eine hohe Teilnehmerzahl doch mit aussagekräftigen Ergebnissen. Diese werden im Rahmen der ARD-Themenwoche im November 2021 veröffentlicht.

krm

18 Kommentare

MDR-Team vor 10 Wochen

@Tacticus,
da haben Sie recht. Es hätte heißen sollen "Teile der Wissenschaft" sieht die Überbevölkerung nicht als größtes Problem der Zukunft.
Wenn der Klimawandel aufgehalten werden soll, ist die Reduzierung der Treibhausgasemissionen natürlich ein entscheidender Faktor. Das hat weniger mit einer Agenda, sondern mehr mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun.
Tatsächlich existieren Vorwürfe, dass auf Druck von Politik und Wirtschaftsinteressen Aussagen zum Klimawandel abgeschwächt wurden. Zudem kam einer wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Sachstandberichte des IPCC tendenziell einige Aspekte der globalen Erwärmung eher unterschätzen (https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959378012001215?via%3Dihub). Die aktuelle Situation ist also womöglich noch kritischer, als viele Menschen momentan denken.

Tacitus vor 10 Wochen

Verehrtes @MDR-Team, Einspruch. Die Überbevölkerung ist unser größtes Problem für die Zukunft und Stabilität der Menschheit auf unserem Planeten und es gibt nicht "Die" Wissenschaft, die das anders sieht. Der IPCC hat eine klare Agenda, den Ausstoß von Treibhausgasen zu beschränken, vor allem bei den Industrieländern (an China traut er sich nicht heran).
Der IPCC ist sehr von Lobbygruppen geprägt. Er ist nicht geeignet, zuverlääsige Aussagen über unseren Planeten zu treffen.

MDR-Team vor 10 Wochen

@Maria A.
die Wissenschaft sieht die Überbevölkerung nicht als größtes Problem der Zukunft, vor allem nicht im Hinblick auf den Klimaschutz. "Richtig ist: Das Bevölkerungswachstum hat laut IPCC, dem UN-Expertengremium für Klimawissenschaften, den globalen Ausstoß an Treibhausgasen erhöht. Doch viel stärker wirken sich steigende Einkommen auf den Anstieg die Pro-Kopf-Emissionen aus. In den reichsten Ländern ist der Ausstoß 50 Mal höher als in den ärmsten Ländern." (Quelle: https://www.dw.com/de/%C3%BCberbev%C3%B6lkerung-klima-fertilit%C3%A4t-fruchtbarkeit-geburtenrate/a-54729749)

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