Eine Frau trinkt Wasser aus einem Glas
Bildrechte: imago/Olaf Döring

Durst Müssen wir wirklich zwei Liter Wasser am Tag trinken?

Es gibt Aussagen, die sind wie in Stein gemeißelt. Dazu gehört auch, dass wir mindestens 2 Liter am Tag trinken müssen. Aber stimmt das überhaupt? MDR Wissen hat Nieren- und Ernährungsspezialisten gefragt.

von Karsten Möbius

Eine Frau trinkt Wasser aus einem Glas
Bildrechte: imago/Olaf Döring

Ja, zwei Liter, das ist so die Menge, die wir am Tag brauchen. Das sagt Nierenspezialist Professor Matthias Girndt vom Uniklinikum Halle. Ihm zufolge können bei dieser Flüssigkeitsmenge am Tag die Nieren optimal arbeiten. Die muss man aber nicht in Form von Getränken zu sich nehmen, sagt der Spezialist. Auch in fester Nahrung ist Flüssigkeit enthalten. Deshalb liegt die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei einer Trinkmenge pro Tag bei 1,5 Litern, sagt die Sprecherin der Gesellschaft, Antje Gahl:

Melone aufgeschnitten.
Bildrechte: Colourbox

Ob wir jetzt eine Suppe essen oder wenn wir wasserreiches Gemüse wie Tomaten oder Gurken essen oder Melonen essen. Da ist viel Wasser enthalten, so dass wir über die Nahrung selber schon fast einen Liter Wasser aufnehmen und dann über die Getränke gar nicht mehr so viel aufnehmen müssen. Da reichen also rund 1,5 Liter.

Antje Gahl, Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Womit wir bei insgesamt 2,5 Liter Flüssigkeit am Tag wären. Das ist in etwa das, was wir auch täglich an Wasser abgeben - über Urin, Stuhl, Haut und Lunge. Und das muss eben wieder rein. Denn Wasser hat jede Menge Funktionen im Körper, sagt Gahl:

Weil es als Transport- und Lösungsmittel für Nährstoffe sehr wichtig ist - also über das Blut zu den Organen - oder eben auch als Reaktionspartner bei verschiedenen biochemischen Prozessen, die im Körper ablaufen, also sämtlichen Stoffwechselprozessen. Oder auch zur Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur. Wir schwitzen, wenn es warm wird und schützen uns dadurch vor Überhitzung.

Antje Gahl, Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Wenn jemand einn, zwei Tage etwas weniger trinkt, sei das kein Problem, sagt Girndt. Ein gesunder Körper könne damit gut umgehen. In seinem medizinischen Alltag hat er mit solchen Problemen so gut wie gar nicht zu tun. Das Durstgefühl sorgt normalerweise dafür, dass wir genug trinken. Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, ein trockener Mund sind erste Symptome, die auf Flüssigkeitsmangel hindeuten. Zu wenig Flüssigkeit führt zunächst dazu, dass der Körper Giftstoffe nicht mehr los wird:  

Der Körper braucht die Flüssigkeit, um die Stoffwechsel-Endprodukte ausscheiden zu können. Und wenn dort ein gewisses Maß unterschritten wird und der Körper vielleicht sogar in ein Flüssigkeitsdefizit hineinkommt, dann kann das die Nierenfunktion schädigen. Das wird ein Problem, spätestens wenn wir etwa 10 Prozent unseres Körperwassers an Volumen verlieren. Dann wird das richtig bedrohlich und gefährlich!

Prof. Matthias Girndt, Uniklinikum Halle

Flüssigkeitsmangel spielt vor allem bei älteren Menschen eine Rolle. Offenbar funktioniert das Durstgefühl nicht mehr so zuverlässig - oder die Angst vor häufigen Toilettengängen spielt eine Rolle. Deshalb muss in Alters- und Pflegeheimen bewusst auf das Trinkverhalten geachtet werden.

Die stets präsente Wasserflasche, die heutzutage in Büros oder sogar auf der Straße zu beobachten ist, kann nichts schaden, sagen Nierenspezialist Matthias Girndt und Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie halten aber dieses zwanghafte Verhalten, stets und ständig immer etwas zu trinken, für übertrieben.  

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 29. Mai 2018 | 08:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2018, 09:44 Uhr