Wetter Windräder bremsen die Winde aus

Windräder machen Strom aus Wind. Nebeneffekt: Hinter dem Rotor wird die Luft ausgebremst. Aber wie stark ist der Effekt, wollten Forscher wissen. Ergebnis: Noch in 50 Kilometer Entfernung war die Bremswirkung messbar.

von Annegret Faber

Das Forschungsflugzeug der TU Braunschweig über der Nordsee vor einem Windpark 3 min
Bildrechte: Institut für Flugführung/TU Braunschweig

Die größten Windparks von Deutschland stehen draußen vor der Küste im Meer. Der Wissenschaftler Thomas Feuerle unternahm deshalb 41 Messflüge mit seinem Forschungsflugzeug. 15 Meter misst die Flügelspannweite der Maschine, angetrieben wird sie von zwei Propeller-Turbinen mit je 400 PS. "Meistens sind wir von einem Platz an der Küste, beispielsweise Wilhelmshaven, gestartet und raus übers Meer geflogen", erzählt er.

Dreieinhalb Stunden hätten die Messflüge in der Regel gedauert, dann mussten die Forscher zurück, weil der Sprit alle war. Zwei Offshore Windparks in der Nordsee umflogen sie mit der kleinen Maschine mehrmals. "Wir haben uns im Gedankenmodell bereits überlegt, dass die Energie ja irgendwo bleiben muss, die dem Wind entnommen wird", sagt Feuerle.

50 Kilometer Bremswirkung

Drei Männer und eine Frau in Kälteschutzanzügen vor einem Flugzeug
(Von links nach rechts:) Die Forscher Rudolf Hankers, Astrid Lampert, Mark Bitter und Thomas Feuerle vor ihrem Messfluguzeug. Bildrechte: Institut für Flugführung/TU Braunschweig

Was passiert da oben an einem Windrad? Der Wind prallt gegen die Rotorblätter und bringt sie in Bewegung. Wind ist Luft und Luft besteht aus Molekülen. Die stoßen an das Windrad und werden gestoppt, ausgebremst und dieser Effekt breitet sich dann aus. Laut Studie ist die Bremswirkung noch in 50 Kilometer Entfernung messbar, je nach Wetterlage allerdings sehr unterschiedlich.

Hat die ausgebremste Luft einen Effekt auf das Wetter? "Aus meiner Sicht gibt es keine direkten Auswirkungen auf Wetter und Klima. Es muss aber überlegt werden, wo weitere Windparks aufgebaut werden", sagt Feuerle.

Windräder schaufeln Wärme nach unten

Meteorologe Marc Salzmann
Marc Salzmannn Bildrechte: Institut für Flugführung/TU Braunschweig

Auch der Leipziger Meteorologe Marc Salzmann glaubt nicht, dass Windräder das Wetter beeinflussen. "Man hat Studien gemacht bei Windparks, die für eine Überholung abgeschaltet wurden. Da hat man jeweils vorher und nachher gemessen. Die Änderungen waren messbar aber nicht so relevant, dass sich das Wetter geändert hätte", erklärt Salzmann.

Effekte gibt es laut den Forschern aber schon. Vor allem in der Nacht würden Windräder warme Luft von oben nach unten schaufeln. Ein Feld neben einem Windrad kühlt dann nicht so stark ab. Marc Salzmann fügt aber hinzu, Windräder hätten schon einen Effekt auf das Wetter, weil sie keine Klimagase wie CO2 abgeben. Im Gegensatz zu Kohlekraftwerken heizen Windräder das Klima nicht auf.

Könnten Windräder Stürme bremsen?

Laut Studie bremsen Windräder den Wind also ein wenig aus. Könnten sie dann nicht auch Stürme entschleunigen? "Im Zusammenhang mit Hurrikanen gab es diese Überlegung tatsächlich", sagt der Meteorologe Salzman. Aber: Windräder müssten für diesen Zweck stabiler gebaut werden. Derzeit werden sie aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, wenn es zu windig wird.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | EXAKT - Die Story | 10. Juli 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 15:00 Uhr