Windkraftanlagen Infraschall – der unhörbare Lärm, der krank macht?

Diese Geräusche liegen unter der menschlichen Hörschwelle. Dennoch hat Infraschall eine Wirkung auf den Menschen. Welche ist umstritten, doch durch den Ausbau der Windenergie gerät das in den Fokus der Wissenschaft.

Windräder vor dem Nachthimmel
Windräder erzeugen Infraschall - das ist unumstritten. Bildrechte: imago/imagebroker

Schlafstörungen, Schwindel oder Kopfschmerzen und dabei ständig das Gefühl: irgendetwas brummt. Davon berichten Betroffene, die länger Infraschall ausgesetzt sind. Dabei sind das Geräusche, die der Mensch eigentlich gar nicht hören kann. Doch diese Lärmbelastungen bereiten immer mehr Leuten Probleme.

Wissenschaftler schätzen, dass zehn bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen sein könnten. Das wären in Deutschland mehrere Millionen. So berichten etwa immer mehr Menschen, die in der Nähe von Windrädern wohnen, von gesundheitlichen Problemen. Doch oft werden sie als verrückt abgetan – getreu dem Motto: Es ist nicht hörbar, also kann es auch keine Wirkung haben.

Töne werden irgendwann so tief, dass sie für das Ohr nicht mehr hörbar sind. Ab dann wird von Infraschall gesprochen. In der Regel ist dies ab einer Frequenz von unter 20 Hertz (Hz) der Fall. Solche Geräusche haben ganz natürliche Ursachen, wie etwa Meeresrauschen, Erdbeben oder Lawinen. Doch es gibt auch technische, menschengemachte Quellen: Autos, Flugzeuge oder Windkraftanlagen. Besonders mit letzterem haben sich Ärzte und Wissenschaftler in den vergangenen Jahren intensiver auseinander gesetzt. Denn durch die Energiewende und den Ausbau der Windkraft nimmt die Belastung aus diesen Quellen zu.

Infraschall kann Übelkeit auslösen

Diagramm - Lärm Infraschall
Infraschall mit hoher Lautstärke kann Benommenheit oder Übelkeit auslösen. Bildrechte: MDR Wissen

Einer der vehementesten Verfechter des Ausbaus der Windenergie ist das Umweltbundesamt (UBA). Die Behörde konnte in einer "Machbarkeitsstudie zu den Wirkungen von Infraschall" im Jahr 2014 keine Untersuchung finden, in der gesundheitliche Belastungen "durch Infraschall deutlich unter der Wahrnehmungsschwelle" festgestellt wurden. In einem Positionspapier heißt es, dass aus Laboruntersuchungen bekannt sei, dass Infraschall mit hoher Lautstärke etwa Benommenheit, Ohrendruck und Übelkeit auslösen könne. Doch solche hohen Schalldruckpegel würden in der Regel nicht durch Windkraftanlagen erzeugt.

Allerdings schließt das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit Infraschall durch Windkraftanlagen auch nicht aus. Eine eigene Studie des Amtes zu "Lärmwirkungen von Infraschallimmissionen" soll zeitnah veröffentlicht werden. Dabei ist festgestellt worden, dass "es körperliche und mentale Auswirkungen hat", sagte eine Sprecherin gegenüber MDR Wissen. Weitere Informationen wollte sie vor Veröffentlichung noch nicht geben.

Zwar finden sich auch Belege, dass nicht allein der Infraschall bei Windenergieanlagen für Probleme sorgt. So hat etwa das Team um den klinischen Psychologen Keith J. Petrie von der Universität Auckland in Neuseeland die Frage untersucht, ob die Psyche angesichts eines Windrades in der Nähe des Wohnortes das Krankheitsempfinden triggert. Laut Petries Studie würden dadurch ungute Erwartungen stimuliert und so Symptome verursacht.

Kraft des Herzmuskels kann vermindert werden

Allerdings erklärt die Psyche die Beschwerden nicht allein. Denn es ist unstrittig, dass es physische Auswirkungen durch Infraschall auf den menschlichen Organismus gibt. In der Regel ist dies verbunden mit Schalldruckpegeln über 100 Dezibel – also wenn es besonders laut wird. Dies ist dann etwa als Druck oder Kribbeln auf der Brust spürbar. Zum anderen gibt es immer mehr Beobachtungen an unterschiedlichen Organen.

So gibt es etwa negative Effekte auf das Herz. Forscher der Universität Mainz haben in einer Studie festgestellt, dass sich durch Infraschall die Kraft eines Herzmuskelsstücks um bis zu 20 Prozent vermindert. "Infraschall kann also Auswirkungen auf den Herzmuskel haben", heißt es in der Schlussfolgerung der Studie von Christian-Friedrich Vahl.

Reaktionen im Ohr durch Infraschall

Ein Mann liegt im Bett und hält sich mit dem Kopfkissen die Ohren zu.
Einige Menschen können tieffrequenten Schall und Infraschall besser wahrnehmen als andere. Bildrechte: IMAGO

Doch ist Infraschall auch hörbar? Zum einen hört nicht jeder Mensch gleich. Manche können tieffrequenten Schall (bis 100 Hertz) – der Infraschall ist ein Teilbereich davon – besser wahrnehmen als andere. Zum anderen spielt eine große Rolle, was bedeutet das Wort "Hören". Die Frage: Hat Schall unterhalb der Hörschwelle Auswirkungen auf das Innenohr, hat Alec Salt von der Washington University School of Medicine in St. Louis, vergleichsweise gut untersucht. Die Studien des Hals-Nasen-Ohren-Spezialistes zeigen, dass die äußeren Haarzellen des Innenohres durch Infraschall stimuliert werden – nicht die inneren Haarzellen, die dem Hören dienen.

Der Schall unterhalb von 20 Hertz wird also nicht gehört, aber er sorgt für eine elektrische Reaktion im Ohr, die an das Gehirn weitergeleitet wird. Jedoch ist nicht klar, welche physiologischen Auswirkungen diese andere Art der Wahrnehmung hat. Doch es scheint klar, dass Infraschall Wirkungen auf den Menschen hat.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Dok | 19. Januar 2020 | 22:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 10:47 Uhr

3 Kommentare

nasowasaberauch vor 10 Wochen

Studien belegen, was von der Windlobby und der Politik ignoriert wird. Das Abstandsmaß von 1000 m (vorausgesetzt er reicht aus) zu Wohnanlagen ist für die Gesundheit der Anwohner erforderlich. Wer sich diesen Abstand trotz Aufklärung abkaufen lässt, der ist selbst Schuld oder Opfer seiner Gier. Energiewende hin oder her, die Bürger haben lt. GG Art.2, Abs.2 ein Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Uborner vor 10 Wochen

Ist nicht die Lärmbelästigung durch Straßenverkehr und Bahnverkehr ( enthält auch Infraschall ) viel schlimmer? Auch ist die Belastung durch laute Musik sicher deutlich stärker wahrnehmbar - in einem bestimmten Alter sind oder waren wir doch alle ganz verrückt drauf - sind wir jetzt alle krank? Wird hier vielleicht ein Popanz an die Wand gemalt weil man die Dinger einfach nicht sehen möchte.
Politisch wäre es bei solch einem Gegenwind aus der Bevölkerung allerdings klüger an Stelle von Windkraft ehr Solarenergie und Speicher aus zu bauen. Erzeugt keinen Schall, sieht auch nicht schöne aus, geht aber so halbwegs, verändert aber nicht das Landschaftsbild und kann vorhandene bebaute Flächen ( Dächer ) nutzen.

Kommentator_1 vor 10 Wochen

Der Beitrag trägt zu einer Verzerrung des Bildes bei. Man sollte sich klar machen, dass ALLE drehenden Teile Infraschall generieren. Infraschall ist ein alltäglicher Bestandteil unserer Umwelt. Er wird von einer großen Zahl unterschiedlicher Quellen erzeugt. Dazu gehören natürliche Quellen wie Wind, Wasserfälle oder Meeresbrandung ebenso wie technische, beispielsweise Heizungs- und Klimaanlagen, Straßen- und Schienenverkehr, Flugzeuge oder Lautsprechersysteme in Diskotheken.

Ich empfehle die Lektüre des Infraschallmessprojekt der LUBW https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/erneuerbare-energien/infraschall

Der Infraschall einer WEA entspricht in etwa dem Infraschall, den eine Ölheizung bei Ihnen erzeugt.