Meteorologie Klirrend kalte Wintertage – bald nur noch Erinnerung?

Winter mit Schnee, in dem wir versinken, und vereisten Seen, auf denen wir herumspazieren: Ein paar Generationen nach uns sind das vielleicht nur noch Erinnerungen. Das zeigt ein 30-Jahresvergleich der Temperaturen.

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MDR WISSEN Wetterphänomene 9 min
Bildrechte: Stefan Marx

Marienberg-Kühnhaide im Schwarzwassertal gilt als der kälteste bewohnte Ort in Deutschland: Seit 2012 ist der Rekord ungebrochen – minus 34,4 Grad Celsius. Sogar im Sommer muss man hier nachts mit Bodenfrost rechnen, heißt es auf der Homepage des 500-Einwohner-Dorfes. Tatsächlich geht es deutschlandweit sogar noch kälter und zwar 345 Kilometer weiter südlich: Im Berchtesgadener Land liegt der Funtensee und hier war es im Winter 2001/2002 sagenhafte minus 45,9 Grad Celsius kalt.

Was ist ein Kälteloch?

Funtensee und Kühnhaide haben tatsächlich eine Gemeinsamkeit – sie liegen in sogenannten Kältelöchern. Was sind Kältelöcher? Am Beispiel Kühnhaide lässt sich das gut erklären. Kühnhaide liegt im Schnitt 730 Meter über dem Meeresspiegel und ist von noch höheren Bergen umgeben. Dadurch liegt der Ort in einem Hochtal. Durch Schneefall kann die Erde die Wärmestrahlung der Sonne nicht aufnehmen und das Sonnenlicht wird reflektiert. Die Luft wird kalt und sinkt ins Tal; die leichtere Warmluft legt sich darüber und wirkt wie ein Deckel. Ist es nachts windstill und sternenklar, kommt es zu Kälterekorden.

Allerdings hat sich das Klima in Kühnhaide während der vergangenen 30 Jahre geändert, sagt Diplom-Meteorologin Michaela Koschak. Sie hat die Temperaturdaten vom Fichtelberg und Kühnheide aus den vergangenen 30 Jahren analysiert und festgestellt:

Es ist eindeutig zu sehen, dass die Winter in Mitteldeutschland milder werden. Die Frosttage werden weniger und auch vor allem die Tage mit einer geschlossenen Schneedecke.

Michaela Koschak, Diplom-Meteorologin

Diese Infografik zeigt die Tage mit Schnee und die maximalen Schneehöhen pro Winter seit 1960 für die Wetterstation Fichtelberg. Die Zahl der Tage mit Schnee liegt im Schnitt bei nahe zu 100 Prozent, die maximalen Schneehöhen nehmen aber ab.
Noch ist die Schneesicherheit auf dem Fichtelberg im Winter sehr hoch. Aber die Schneehöhen nehmen ab, zeigen die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. Bildrechte: MDR Wissen

Der Meteorologin zufolge ist es entweder einfach zu mild für Schnee – bei über null Grad regnet es einfach. Oder andersherum – es ist klirrend kalt, aber es gibt keinen Niederschlag. Was bedeutet das für die Zukunft, wenn man sich diese Zahlen anschaut?

Von den schneereichen Wintern aus Kindstagen müssen wir uns wohl leider verabschieden.

Michaela Koschak, Diplom-Meteorologin

Wenn Sie wissen möchten, wie sich Temperaturen und Niederschläge für ihren Ort in den kommenden Jahrzehnten verändern, dann können sie das in unserer Klimakarte für ganz Deutschland herausfinden. Dort finden Sie mit einem Klick alle Werte – angefangen mit den Aufzeichnungen seit dem Jahr 1961.

(sm)

8 Kommentare

MDR-Team vor 20 Wochen

@W.Merseburger,
die Kollegen vom DWD schreiben dazu: "Klimavorhersagen sind Schätzungen der Entwicklung des Klimas in der Zukunft für Zeiträume von Jahreszeiten bis zu Dekaden. Die Ausgangsbedingungen der zugrunde liegenden Klimamodellsimulation werden durch den aktuellen Zustand, insbesondere der trägeren Komponenten des Klimasystems (Ozean, Kryosphäre, etc.), bestimmt. Änderungen der Treibhausgaskonzentration und des Strahlungsantriebs wirken sich bei einer längeren Vorhersagedauer (mindestens mehreren Jahren) ebenfalls auf das Ergebnis der Klimavorhersage aus. Ihre Bedeutung für die dekadische Vorhersage ist jedoch geringer als für Klimaprojektionen.
Die Genauigkeit der Klimaprognosen auf saisonaler bis dekadischer Zeitskala wird wesentlich durch die Unschärfe der Ausgangsbedingungen bestimmt. Durch mehrfache Variation der Ausgangsbedingungen wird ein Ensemble von Klimaprognosen erzeugt, aus dem Wahrscheinlichkeitsangaben zur Änderung des Klimas abgeleitet werden."

W.Merseburger vor 20 Wochen

Wertes MDR-Team,
Sie müssen meine Antwort auf ihre Einwände nicht veröffentlichen. Ich weiß schon, das Klima ist die Summe aus den Wetterdaten über einen bestimmten Zeitraum. Dazu gehören Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer, Wind , Sturm und andere Dinge wie Nebel und extreme Wetterlagen (Saharastaub). Ich wehre mich energisch gegen eine einseitige ideologische (grüne) Auslegung der Wetterdaten und der Klimaveränderungen der letzten 60 Jahre. Meine Skepsis beruht auf der Erfahrung von Linken Ideologogen, die genau wissenschaftlich begründeten, das nach Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus folgen werden. Kein Mensch kann behaupten, dass er die klimatischen Verhältnisse in 50 oder gar 100 Jahren genau voraussagen kann.

MDR-Team vor 20 Wochen

@W.Merseburger,
bitte bedenken Sie, dass Klima und Wetter zwei unterschiedliche Dinge sind: Das Wetter bezeichnet einen Zustand der Atmosphäre über einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Das Wetter ist ein Resultat aus ständig wechselnden Wetterlagen (Tiefdruckgebiete, Hochdruckzonen). Daher kann das genaue Wetter nur für ein paar Tage im Vorfeld prognostiziert werden. Das Klima hingegen beschreibt das durchschnittliche Wetter einschließlich seiner Extremwerte.

Davon abgesehen hat Michaela Koschak die Temperaturdaten vom Fichtelberg und Kühnheide aus den vergangenen 30 Jahren analysiert und festgestellt: "Die Frosttage werden weniger und auch vor allem die Tage mit einer geschlossenen Schneedecke." Diese Aussage impliziert nicht, dass wir in Deutschland ab dem kommenden Winter keinen Schnee mehr sehen werden.