Wetter und Gasversorgung Winterprognose: Gasmangel eher unwahrscheinlich, weiße Weihnacht möglich

Der Wintereinbruch mit Schnee kommt Anfang Dezember zwar vergleichsweise früh. Doch der November davor war erneut überdurchschnittlich warm. Und bis Februar sagen die Klimamodelle weiter einen milden Winter voraus.

Schnee liegt um das Gohliser Schlösschen in Leipzig.
In der Nacht zum zweiten Dezember zogen starke Schneeschauer auch über Sachsen hinweg, wie das Bild vom Gohliser Schlösschen in Leipzig zeigt. Bildrechte: dpa

Ja, es hat Schnee gegeben. Heute (2. Dezember) erst – und auch schon mal im November. Trotzdem muss man konstatieren, dass auch jener gerade zu Ende gegangene Monat wieder wärmer war als im langjährigen Mittel 1991 bis 2020, deutschlandweit um eineinhalb Grad Celsius.
Damit ist der November der neunte von elf Monaten im Jahr 2022, in denen die Temperatur (oftmals deutlich) über dem Mittelwert der vergangenen drei Dekaden lag.

In Sachen Energie kann man sich natürlich darüber freuen. Der Grund liegt auf der Hand. Je wärmer es ist, desto weniger muss geheizt werden, desto kleiner ist die Gefahr, dass Deutschland im Winter aufgrund des russischen Lieferstopps das Erdgas ausgeht.

Durch die vergangenen beiden recht warmen Herbstmonate ist die Ausgangsposition relativ günstig, dass im kommenden Winter keine gefährliche Mangellage auftritt. Allein im Oktober konnte die deutsche Industrie rund 30 Prozent der sonst um diese Jahreszeit eingesetzten Gasmenge einsparen. Auch im November dürfte es Einsparungen gegeben haben. Die Gasspeicher in Deutschland sind (Stand 30. November) entsprechend gut gefüllt.

Das vergleichsweise warme Wetter war natürlich kein rein deutsches Phänomen. Deshalb sieht es aktuell auch in anderen europäischen Ländern ganz gut aus, was die Füllstände der Gasspeicher angeht.

Warmer Winter wahrscheinlicher als kalter

Die in Deutschland nahezu vollständig gefüllten Speicher reichen aus, um das Land, wenn es sehr kalt wird, etwa zwei Monate lang zu versorgen. Einen so harten Winter, wie er dafür gefährlich wäre, hat es zuletzt 2009/2010 gegeben. Sollte der aktuelle Kälteeinbruch in einen Dauerfrost wie vor 13 Jahren münden, könnte es Ende Januar zu kritischen Engpässen in der Gasversorgung kommen.

Ein derart harter Winter ist nach der bisherigen Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes diesmal aber nicht sehr wahrscheinlich. Die DWD-Klimamodelle sehen sogar eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die durchschnittlichen Temperaturen zwischen Anfang Dezember und Ende Februar zwei Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Winter kälter wird als üblich, liegt dagegen nur bei 18 Prozent. "Das bezieht sich aber nur auf das Drei-Monats-Mittel. Innerhalb dieser drei Monate kann es natürlich auch einzelne Tage oder Wochen geben, die kälter sind", sagt Andreas Paxian vom DWD.

Das bedeutet (aus aktueller Sicht), dass weiße Weihnachten möglich sind – auch wenn das statistisch zumindest im Tiefland eher unwahrscheinlich ist. Der aktuelle Temperaturtrend für die kommenden 14 Tage zeigt allerdings nach unten. "Mal schauen, ob das dann noch zehn Tage hält", so MDR Wetter-Expertin Michaela Koschak. "Also die Chancen sind deutlich größer als sonst. Aber genau sagen, können wir es natürlich noch nicht."

Harte Kälteeinbrüche vor allem am Anfang des Winters möglich

Solche Wintereinbrüche treten vor allem dann auf, wenn plötzlich Kaltluft aus dem Polargebiet oder aus Osten einströmt. Diese Wintereinbrüche sind aktuell vor allem zu Beginn des Winters, also jetzt im Dezember wahrscheinlich, so die Winterprognose des Copernicus Climate Change Service (C3) der EU. Nach dessen Modellen führen veränderte Höhenwinde vor allem jetzt zu Störungen der sonst üblichen Westwindwetterlage. Für Februar dagegen sieht die Prognose wieder mildes, windiges Wetter als wahrscheinlich an.

Doch diese Vorhersagen sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. "Bislang noch unbekannte Faktoren, etwa Entwicklungen in den Tropen oder in der polaren Stratosphäre, können die Vorhersage für den späten Winter immer noch deutlich verändern", heißt es in einer Mitteilung des Dienstes. Wichtig sei es daher, die monatlichen Aktualisierungen der Prognose im Auge zu behalten.

Wie La Niña und eine warme Arktis unser Wetter kälter machen

Chinesische und japanische Forscher hatten kürzlich unabhängig voneinander auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die Kombination aus dem La-Niña-Klimamuster im Pazifik und dem ungewöhnlich warmen Nordpolarmeer zu empfindlichen Wintereinbrüchen in Europa und Asien führen könnten.

(ens/rr)