Wintersport Von der Couch auf die Piste?

Endlich Winterferien! Zeit für Urlaub in den Bergen, mit dem Snowboard oder auf Skiern. Rauf auf den Berg und runter die Piste! Für viele endet dieses Vergnügen jedoch mit einer Knieverletzung oder einem Knochenbruch. Das muss aber nicht sein, wenn man sich entsprechend vorbereitet.

Vier Personen auf Ski.
Bildrechte: Colourbox.de

Und damit sollte man möglichst früh anfangen. Denn beim Wintersport werden Muskelgruppen stark beansprucht, die wir sonst in unserem Alltag in dieser Weise nicht belasten. Nicht einmal, wenn wir sportlich aktiv sind. Oberschenkel, Wade und Gesäß müssen eine Menge aushalten und abfangen, wenn es bergab geht. Sind die nicht richtig trainiert, kommt es schnell zu schweren Verletzungen.

Vor allem die rasanten Dreh-Rotationsbewegungen beim Ski- und Snowboardfahren führen zu Knieverletzungen. Und bei Stürzen mit ausgestrecktem Arm wird die Schulter verletzt. Das sind die beiden häufigsten Unfallfolgen. Und man muss leider sagen: Bei den Skiverletzungen sind's meist richtig schwere Verletzungen.

Dr. Thomas Bartels, Sportmediziner, Halle

Dr. Thomas Bartels kennt sich mit Sportverletzungen aus. Er betreut den Olympiastützpunkt und ist Mannschaftsarzt des HFC. Jetzt in den Wintermonaten humpeln deutlich mehr Patienten zu ihm in die Praxisklinik. Viele davon haben sich auf der Piste verletzt. Nach der Akut-Behandlung im Urlaubsort werden sie dann hier behandelt.

Nach dem Wintersport ist vor dem Wintersport

Auch Prof. Dr. René Schwesig, Forschungslaborleiter an der Martin-Luther-Universität Halle, kennt die Problematik. Im Winterurlaub setzt man sich Belastungen aus, die man sonst nicht gewohnt ist, und das sogar über einen langen Zeitraum. Nur eine gute Fitness, eine entsprechende Vorbereitung, kann einen da vor Verletzungen schützen. Und damit sollte man unbedingt rechtzeitig beginnen. Denn kurz vor dem Urlaub lässt sich nur noch die Koordination verbessern, nicht mehr die Fitness.

René Schwesig
Bildrechte: Universitätsklinikum Halle (Saale)

Normalerweise braucht man, um irgendwelche Anpassungseffekte zu erzielen, vier bis sechs Wochen. Das ist das Minimum. Eigentlich muss ich meinen Skiurlaub schon nach dem letzten Skiurlaub vorbereiten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nach dem Skiurlaub ist vor dem Skiurlaub.

apl. Prof. Dr. phil. René Schwesig, Forschungslabor MLU Halle-Wittenberg

Das kann so aussehen: Einbeinig Kniebeugen machen, beim Treppensteigen die Beine höher heben, als man muss, um auf die nächste Stufe zu kommen. Das hilft dem sogenannten Kniehub auf die Sprünge. Nicht zu vergessen: auch die Rumpfmuskulatur braucht Kraft! Liegestütze machen und dabei einen Arm oder ein Bein anheben. Auch der Modesport "Planking“ ist aus Schwesigs Sicht dafür geeignet. Dabei stützt man den Körper auf die Unterarme und hält die Spannung. Je besser die Muskeln trainiert sind, desto mehr Halt können sie bei einem Sturz bieten und damit vor Verletzungen schützen. Am besten ist natürlich, wenn es gar nicht erst zum Unfall kommt.

Die meisten Stürze erleidet man dann so gegen Ende, um drei oder halb vier. Man fährt ja nicht schlechter. Man hat ja eigentlich mehr Übung, aber liegt häufiger im Schnee, weil man natürlich auch vom Kopf her müde wird. Und dann den Schwung nicht mehr richtig nimmt und dann haut's einen auf die Bretter.

apl. Prof. Dr. phil. René Schwesig, Forschungslabor MLU Halle-Wittenberg

Gegen die Müdigkeit von Kopf und Muskeln setzt Schwesig Ausdauer- und Krafttraining. Das geht auch im Alltag oder bei anderen Freizeitsportarten. So können sich Ski- oder Snowboardfahrer schon lange vor dem Ski-Urlaub auf die Piste vorbereiten.

Mit Intervalltraining auf Berg und Tal einstimmen

Beim Skifahren wechseln sehr hohe Belastungen mit langen Ruhephasen. Sportmediziner Bartels rät deswegen dazu, dieses Intervall-Muster zum Beispiel auch ins eigene Lauftraining aufzunehmen.

Dass man dann vielleicht mal ein paar Anstiege mit einbaut. Dass man auch mal die Geschwindigkeit verändert. Das kommt ja dann auch dem Skifahren näher. Dass man also, wenn man schon regelmäßig Sport treibt, sein Pensum etwas verändert.

Dr. Thomas Bartels, Sportmediziner

Skifahren ist sicherer geworden

Die gute Nachricht zum Schluss: In den vergangenen Jahrzehnten ging die Zahl der Skiverkletzungen deutlich zurück. Skifahren ist also prinzipiell sicherer geworden. Die schlechte Nachricht: Noch immer verletzen sich jedes Jahr gut 40.000 Menschen auf der Piste. Die Stiftung Sicherheit im Skisport und die ARAG-Versicherung erheben diese Zahlen seit Anfang der 1980er Jahre. Zu den Verletzungsursachen zählen schlechte Ausrüstung, zu viel Risiko und mangelndes Können.

Über dieses Thema berichtet LexiTV im Fernsehen | 02.02.2017 | 15:00

Über diese Thema berichtet LexiTV | 02.02.2017 | 15:00