MDR WISSEN Adventskalender Warum wir so gern Fett essen: Der Darm steuert unser Gehirn

Guten Morgen zu Türchen neun im MDR WISSEN Adventskalender! Frittierte Vanillesterne oder Krapfen, der saftige Gänsebraten oder auch knusprige Pommes: Fett scheint ungeahnte Anziehung auf uns auszuüben – besonders in der Weihnachtszeit. Warum eigentlich?

Ein Gänsebraten liegt auf einem Teller vor einem geschmückten Christbaum
Viele erwarten freudig den weihnachtslichen Gänsebraten, der unterbewusst mit seinen Fettanteilen Sehnsüchte generiert. Vegetarierer entziehen sich von Beginn und kommen gar nicht in das Risiko eine Überdosis fett zu konsumieren. Bildrechte: dpa

Zu viel Fett ist ungesund, das wissen wir alle. Trotzdem ist da eine ungeahnte Anziehung, nicht selten haben wir Lust auf 'heiß und fettig', ein bisschen Fett wirkt wie das Sahnehäubchen auf dem Essen. Schade nur, dass sich der Körper daran gewöhnt und deshalb schnell immer mehr will. Denn eigentlich gehört Fett wie Zucker zu den Grundnährstoffen und ist für unsere Gesundheit unverzichtbar. Wie bei so vielen Dingen im Leben macht jedoch die Dosis das Gift. Zu viel Fett, besonders vom ungesunden gesättigten Fett, lässt den Cholesterinspiegel steigen, fördert Gefäßverkalkungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und begünstigt Diabetes. Fett führt neben Zucker zu Übergewicht und Fettleibigkeit, was wiederum viele Krankheiten befördert und nebenbei zu den größten Volkskrankheiten in den westlichen Industrienationen gehört ("Wohlstandskrankheit metabolisches Syndrom").

Stock Bild von blau, weiß, pflanzlich - Fett - schützt und heilt. Eine Ehrenrettung
Fett ist lebensnotwendig. Doch wie bei vielen Dingen im Leben macht die Dosis das Gift. Zu viel Fett führt zu Übergewicht, welches wiederum viele Krankheiten nach sich ziehen kann. Bildrechte: Colourbox.de

Weltweit immer mehr übergewichtige Menschen

Bereits jetzt sind in Deutschland laut Robert Koch-Institut zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig. Auch weltweit steigt der Anteil übergewichtiger Menschen. "Unsere Zukunft wird von Übergewicht und Fettleibigkeit im extremen Ausmaß geprägt sein", sagt Benjamin Bodirsky vom Potsdam Institut Für Klimafolgenforschung in einer Studie. Ungesunde Ernährung sei das weltweit größte Gesundheitsrisiko. Laut der Weltgesundheitsorganisation gehören die USA mit 67,9 Prozent Übergewichtiger und auch Saudi-Arabien (69,7 Prozent) zu den Ländern mit den meisten übergewichtigen Menschen. 

3D-Illustration von Fettzellen
Fettzellen können sich im großen Stil dehnen und viel Fett aufnehmen. Deswegen sind Überdosen an Fett immer mit Übergewicht verbunden. Bildrechte: imago images / Westend61

Wieso können wir nur schwer widerstehen?

Trotzdem können wir nur schwer widerstehen. Was beeinflusst das Verlangen nach fettigen Lebensmitteln? Laut einer Studie der Columbia University in New York/USA ist der Darm der Schlüssel zum Fett, nicht etwa die für die Geschmacksanalyse verantwortliche Zunge, wie vorher meist angenommen. "Die Forschung zeigt, dass die Zunge unserem Gehirn mitteilt, was wir mögen, zum Beispiel Dinge, die süß, salzig oder fettig schmecken", sagte Charles Zuker, Professor für Biochemie und molekulare Biophysik und Autor der Studie. "Der Darm hingegen sagt unserem Gehirn, was wir wollen und was wir brauchen."

Darm Bakterien grafisch dargestellt
Das Verlangen nach Fett läuft über eine Direktverbindung vom Darm direkt ins das Gehirn. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Zellen aus dem Darm senden an das Gehirn

Zuker und sein Team hatten in einer früheren Studie bereits nachgewiesen, dass es beim Verlangen nach Zucker eine direkte Verbindung vom Darm ins Gehirn gibt. Nun fragten sie sich, ob das beim Fett ähnlich funktioniert. Dafür untersuchten sie, wie Mäuse auf Nahrungsfette reagierten. Das Ergebnis: Die Mäuse tendierten immer zum Fett, egal ob sie schmecken konnten oder nicht – offenkundig ist also nicht die Zunge, sondern der Darm ausschlaggebend für das Verlangen nach Fett. Laut der Forschenden senden vor allem zwei Gruppen von Zellen Signale vom Darm zum Gehirn. "Eine Gruppe von Zellen fungiert als allgemeiner Sensor für essenzielle Nährstoffe, er reagierte auch auf Zucker und Aminosäuren", sagte Mengtong Li, Mitautorin der Studie. "Die andere Gruppe reagiert nur auf Fett und könnte dem Gehirn helfen, Fette von anderen Substanzen im Darm zu unterscheiden."

Kann man den Fettschalter ausstellen?

Lässt sich mit diesen Erkenntnissen das Verlangen nach Fett ausschalten? Die Antwort lautet: Ja! Zumindest in den Tierversuchen gelang es Li laut der Studie, die aktiven Zellen mit Medikamenten zu blockieren oder auch die Neuronen durch genetische Eingriffe zu deaktivieren. In beiden Fällen verloren die Mäuse ihren Appetit auf Fett. Nun müssen wir Weihnachten ja nicht als Katharsis betrachten und unser Fettverlangen mit Medikamenten stoppen. Doch vielleicht hilft diese Erkenntnis nach opulenten Festtagsessen-Tagen, sich wieder auf gesunde Gemüse-Gerichte zu konzentrieren.

Weitere Informationen

Originalstudie:

(tomi)

2 Kommentare

fritz deutsch vor 7 Wochen

Feet essen ,fett verdienen ,die Welt fett belehren ,liegt uns scheinbar in den Genen.

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 7 Wochen

Ich glaube mein Gehirn steuert den Darm, das Gehirn sagt mir, das da immer noch eine Portion Apfelstrudel reingeht.

🍀☝️