Ball und Spielerbeine mit Fußballschuh.
Bildrechte: imago/DeFodi

Wissenschaft zur Fußball-WM Wie viel Wissenschaft steckt im Fußball-Schuh?

Hinter dem richtigen Schuss auf dem Feld steckt mehr als nur Training – die Eigenschaften der Fußballschuhe spielen eine tragende Rolle. Wie viel Wissenschaft steckt eigentlich im Fußballschuh?

Ball und Spielerbeine mit Fußballschuh.
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Wer den perfekten Fußballschuh entwickeln will, versucht sich eigentlich an der Quadratur des Kreises, denn der Schuh muss verschiedenste Funktionen in immer neuen Situationen und auf anderem Untergrund erfüllen: Er schützt den Fuß, er überträgt die Energie des Schusses, er beeinflusst die Geschwindigkeit und Beweglichkeit des Spielers, soll immer optimal reagieren, ob in Sprintsituationen, oder bei angetäuschten Stopps, Richtungsänderungen oder Ball-Annahmen.

Das wissenschaftliche Know-how im Schuh

Detailaufnahme wie ein Ball mit Fußballschuhen gespielt wird.
Der Fußballschuh soll bei jeder Bewegung und bei jedem Tempo optimal reagieren. Bildrechte: imago/Claus Bergmann

Warum ist es so kompliziert, einen Schuh für jeden Spielmoment zu erstellen? Konkret zeigt sich das beispielsweise an der Sohle und ihrer Beschaffenheit. Wie steif darf sie sein? Einerseits überträgt sie beim Ballkontakt die Energie, andererseits verhindert sie, dass sich der Fuß verformt. Ist sie zu steif, behindert sie das Abrollverhalten des Fußes und die optimale Übertragung der Fußbewegungen auf dem Boden. Wie die einzelnen Komponenten bei verschiedensten Situationen und verschiedenem Untergrund-Bedingungen miteinander reagieren – kein Wunder, dass sich die Hersteller nicht allein am perfekten Schuh tüfteln.

"Sporthersteller stecken sehr viel wisenschaftliches Knowhow in die Entwicklung", sagt Professor Thomas Milani von der TU Chemnitz, die auch mit dem Sportartikelhersteller Puma zusammenarbeitet. "Dabei kommt es dem Wissenschaftler zufolge darauf an, ein Optimum bestimmter Eigenschaften zu erreichen: Passform, Komfort, Gewicht, oder Traktion. Stimmt einer der Faktoren nicht, hat das für den Spieler bisweilen ganz konkrete Folgen, erklärt Milani: "Sind zum Beispiel Stollen nicht optimal konfiguriert, kann der Spieler seine ihm eigene Schnelligkeit nicht auf den Boden übertragen." Zu lange Stollen dagegen halten den Spieler zu lange am Boden und es drohen Verletzungen, wie zum Beispiel Verdrehungen im Kniegelenk.

Ein Schuh so schwer wie ein Apfel 

Fussballschuhe liegen auf dem Rasen.
Bildrechte: imago/Patrick Scheiber

Wie rasant sich der Fußballschuh entwickelt hat, zeigt sich klar am Gewicht der Schuhe. Gerade noch 200 Gramm bringt ein Fußballschuh heute auf die Waage  - die Helden von 1954 hatten noch doppelt so schwere Schuhe an den Weltmeisterfüßen.

Die Schuhe durchlaufen ein mehrstufige Testverfahren, in dem einerseits das subjektive Schuhgefühl der Spieler einfließt, was Bequemlichkeitund Komfort angeht, andererseits aber auch das Verhalten der Schuhe aus sportmotorischer, biomechanischer und mechanischer Sicht beurteilt wird. Was genau jeweils im Fokus der Forschung in Sachen Fußballschuh steht, wird aus Sicht des Chemnitzer Wissenschaftlers zufolge von der Konkurrenz und deren Veränderungen an den Schuhen bestimmt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 13. Juni 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2018, 09:24 Uhr