Zwei Wölfe auf einer schneebedeckten Fläche vor einem dunklen Wald im Hintergrund.
Bildrechte: IMAGO

Wildtiere in der Zivilisation Sind Wölfe eine Gefahr für Menschen oder umgekehrt?

Im Bayerischen Wald läuft die Jagd nach sechs aus einem Freigelände ausgebrochenen Wölfen auf Hochtouren. Drei der Tiere sind schon tot. Aber wie gefährlich können die Wölfe den Menschen überhaupt werden?

von Clemens Haug

Zwei Wölfe auf einer schneebedeckten Fläche vor einem dunklen Wald im Hintergrund.
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Nun halten die Wölfe auch Bayern in Atem: Im Nationalpark Bayerischer Wald rissen vergangene Woche sechs Wölfe aus einem Wildgehege aus, nachdem ihnen offenbar ein Unbekannter das Tor geöffnet hatte. Für die Hälfte von ihnen endete der Streifzug in die Freiheit inzwischen blutig: Am Dienstag erschoss ein Jäger ein zweites Tier. Das erste war bereits am Sonntag erlegt worden. Ein drittes Tier starb bereits kurz nach dem Ausbruch, als es von einer Regionalbahn überfahren wurde.

Wie sich Wölfe an Menschen gewöhnen

Ob der Abschuss der Tiere notwendig war oder nicht, darüber wird nun heftig gestritten. Einige Tierschützer halten die ausgebrochenen Wölfe für ungefährlich, glauben, dass ihre natürliche Scheu sie von den Menschen fernhalten wird. Der Deutschen Presse Agentur sagte der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky, die ausgebrochenen Wölfe seien nicht durch Fütterung an Menschen gewöhnt, da sie nicht aus der Hand, sondern über den Zaun gefüttert wurden.

Wolfsvorkommen 2015/2016 Die folgende Karte zeigt Gebiete in Deutschland, in denen zwischen dem 1. Mai 2015 und dem 30. April 2016 nach den wissenschaftlichen Monitoringstandards Wölfe nachgewiesen wurden. In den blauen Flächen konnten einzelne Tiere nachgewiesen werden, in den roten Nachwuchs von Wölfen. DBBW, die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf

Andere Experten wiederum argumentieren, dass die im Gehege aufgewachsenen Wölfe durchaus gelernt haben, dass es in der Nähe der Menschen Futter für sie gibt. In einem Dossier der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe heißt es, es sei "egal, ob sie absichtlich gefüttert werden oder unabsichtlich, zum Beispiel durch Fleisch auf dem Kompost oder einen Luderplatz, mit dem eigentlich Füchse angelockt werden sollten". Die Mitarbeiter des Nationalparks befürchten daher, dass die ausgebrochenen Tiere deshalb auch in Zukunft auf der Suche nach Nahrung in Siedlungen kommen.

Wölfe töten Menschen nur sehr selten

Knapp ein Vierteljahrhundert seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ist die Aufregung über die Tiere groß wie nie. Sachsen-Anhalts CDU verlangte kürzlich sogar, die Wölfe sollten Thema bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin werden. Als im Herbst 2017 in Griechenland Wölfe für den Tod einer Britin verantwortlich gemacht wurden, stellte sich auch in Deutschland einmal mehr die bange Frage: Können die Tiere den Menschen gefährlich werden?

Sophia Liehn vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" sagt mit Blick auf die Statistik, Angriffe der Tiere auf Menschen seien äußerst selten. In ganz Europa gab es seit 1950 demnach nur neun bestätigte Fälle, in denen Wölfe einen Menschen getötet haben. Bei fünf davon waren sie an Tollwut erkrankt. Doch diese Krankheit gilt inzwischen als ausgerottet.

Abschuss in Ausnahmefällen erlaubt

Unter anderem Jäger, Schafzüchter und Landwirte fordern nun trotzdem verstärkte Abschüsse von Wölfen. Die streng geschützten Tiere dürfen bislang nur in besonderen Ausnahmefällen gejagt werden, etwa, wenn erheblicher wirtschaftliche Schaden droht. Das ist der Fall, wenn ein Tier wiederholt Schutzzäune überwindet und etwa Schafe reißt. Oder wenn eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen droht. Fälle, in denen Wölfe ohne Provokation aggressiv auf Menschen reagiert haben, sind seit der Wiederansiedlung der Tiere in Deutschland allerdings nicht bekannt geworden.

Liehn warnt allerdings davor, sich zutraulich verhaltenden Wölfen zu nähern, etwa Welpen. Nahe Milkel in der Lausitz beobachten die Wolfsexperten seit einigen Wochen ein paar Jungtiere, die ihre Scheu vor den Menschen offenbar verlieren. Das Kontaktbüro rät, sich dennoch von den Tieren fern zu halten und sich nicht etwa für ein Foto zu nähern. Wichtig sei, dass sich die Wölfe nicht an Menschen gewöhnen, denn das könnte zur Gefahr für beide Seiten werden.

Über dieses Thema berichtete das MDR Fernsehen: Brisant | 10.10.2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 18:00 Uhr