Wohin mit dem Atommüll? Die Suche nach einem Endlager für stark radioaktive Abfälle

Abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken sind bis zu mehreren Millionen Jahre für Menschen gefährlich. Die Suche nach einem Endlager ist daher eine der schwierigsten Aufgaben für Politik und Experten in Deutschland.

Drei Atommüll-Fässer vor einer Deutschlandfahne und Ortsschild mit Aufschrift Endlager
(Symbolfoto) Bildrechte: imago stock&people

Die Suche nach einem Endlager für die hochradioaktiven angebrannten Brennelemente aus Atomkraftwerken gehört zu den schwierigsten Problemen Deutschlands. Seit vielen Jahrzehnten wird darüber gestritten, wie und vor allem wo der strahlende Abfall langfristig gelagert werden kann. Da der Müll noch viele 100.000 Jahre gefährlich ist, stehen Forscher, Ingenieure und Politiker vor einer Herkulesaufgabe.

Viele Jahre hieß die Antwort Gorleben im niedersächsischen Wendland. Doch inzwischen hat die Politik eine neue Suche begonnen. Grund dafür war unter anderem, dass die Entscheidung für Gorleben wohl vor allem aus politischen Gründen fiel und nicht so sehr, weil der Standort gut geeignet ist.

Im September nahm die neue gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) offiziell ihre Arbeit auf. Eine Vorfestlegung auf bestimmte Orte oder Regionen gibt es nicht. Nach dem Prinzip der "weißen Landkarte" suchen die Experten überall in Deutschland nach möglichen Standorten. Dabei schauen sie allerdings zunächst, welche Gegenden überhaupt nicht in Betracht kommen, etwa, weil dort Gefahr durch Erdbeben besteht oder weil sie dicht besiedelt sind.

Karte: Gesteinsarten für die langfristige Lagerung radioaktiver Abfälle
Bildrechte: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Welche Anforderungen ein Standort für ein Lager darüber hinaus erfüllen muss und wie die Suche genau ablaufen soll, hat die Kommission zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe 2016 in ihrem Bericht festgehalten. Da die radioaktiven Abfälle aufgrund der verbleibenden Strahlung heiß werden können, muss ein künftiges Lager für diese Wärmeentwicklung geeignet sein. Zudem soll der Müll 500 Jahre lang rückholbar sein, falls sich in Zukunft neue, sicherere Möglichkeiten zu dessen Lagerung ergeben oder falls es zu unvorhergesehenen Problemen kommt.

Nur wenige Gesteinsarten eignen sich nach Experteneinschätzung überhaupt für die langfristige Lagerung des Atommülls. In verschiedenen Studien hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) 1994, 1995 und 2007 kristalline Gesteinsformationen (bsp. aus Granit), Salz- und Tonlagerstätten untersucht. Auf Basis dieser Erkenntnisse hatten die Forscher eine Karte mit den Regionen angefertigt, die sich für die Lagerung eignen würden. Allerdings ist dieser Arbeitsstand inzwischen veraltet.

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll darf nicht mit der Suche nach Lagerstätten für schwächer strahlende Abfälle (etwa alten Röntgengeräten aus Arztpraxen) verwechselt werden. Solche schwach- bis mittelstark strahlenden Überreste lagern beispielsweise im sachsen-anhaltinischen Morsleben. Fässer mit rund 37.000 Kubikmeter Abfällen sind dort eingelagert. Der frühere Salzstock soll in den kommenden Jahrzehnten mit Hilfe von sogenanntem Salzbeton verschlossen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 08. Dezember 2017 | 15:00 Uhr