Ausblick auf den Garganta del Diablo, den Teufelsschlund in Puerto Iguazu, Argentinien, Südamerika
Zu den natürlichen Konsumgütern, die uns die Natur zur Verfügung stellt, zählt auch frisches Trinkwasser. Bildrechte: imago/imagebroker

WWF Living Planet Report 2018 Die Natur schenkt uns jedes Jahr 100 Billionen Euro

Unsere Natur ist spendabel — das ist eines der Ergebnisse des aktuellen WWF Living Planet Report, der alle zwei Jahre erscheint. Dankbar sind wir der Natur für die nette Geste nach wie vor nicht.

Ausblick auf den Garganta del Diablo, den Teufelsschlund in Puerto Iguazu, Argentinien, Südamerika
Zu den natürlichen Konsumgütern, die uns die Natur zur Verfügung stellt, zählt auch frisches Trinkwasser. Bildrechte: imago/imagebroker

Der Bau des größten Wolkenkratzers der Welt — des über 800 Meter hohen Burj Khalifa — hat eine Milliarde Euro gekostet. Das ist eine Menge Geld, aber nichts im Vergleich zu dem, was uns der Planet Erde jedes Jahr schenkt: 100 Billionen Euro, also 100.000 mal so viel wie die Baukosten des Wolkenkratzers. Das hat die Umweltorganisation WWF in ihrem aktuellen Living Planet Report ausgerechnet. Dafür wurden "natürliche Konsumgüter" in ihren Geldwert umgerechnet, also z.B. Süßwasser, Rohstoffe, Erdboden, Sauerstoff oder die Bestäubung von Pflanzen.

60 Prozent weniger Wildtiere in 40 Jahren

Dankbarkeit von Seiten der Erdbewohner sei laut WWF keine zu erkennen — zum Beispiel gegenüber Wirbeltieren: "Der frappierende Rückgang der Zahl von Wildtieren – nämlich sechzig Prozent in den letzten vierzig Jahren — ist vielleicht der letzte Hinweis darauf, in was für ein Bedrängnis wir unseren Planeten bringen", mahnt WWF-Generaldirektor Marco Lambertini. Errechnet hat der WWF das anhand von wissenschaftlichen Daten über 4.005 Wirbeltierarten, also Säugetiere, Fische, Reptilien, Vögel und Amphibien.

Die Karte zeigt den Rückgang tropischer Wälder in Südamerika bis 2030
Bildrechte: MDR/WWF (M)

Die Umweltorganisation stellt außerdem fest, dass fast ein Fünftel des Amazonas-Regenwaldes in den letzten fünfzig Jahren verschwunden ist. Zudem tragen schätzungsweise neunzig Prozent der Seevögel Plastikteile im Körper. Erst vor einer Woche wurden von österreichischen Wissenschaftlern Mikroplastikteile auch im Menschen nachgewiesen. "Wir brauchen endlich scharfe internationale Vereinbarungen gegen die Plastikflut", so Jörg-Andreas Krüger vom WWF. Eine Umsetzung der international vereinbarten Ziele (Pariser Klimaabkommen, Nachhaltigkeitsziele der UN) könne jedoch nicht ohne die Unterstützung aus der Bevölkerung gelingen. Menschen in den Wohlstands-Gesellschaften auf der Nordhalbkugel müssten sich ihren ökologischen Fußabdruck bewusst machen und ihr Konsumverhalten anpassen.  Krüger: "Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten."

Deutschland nicht mehr Vorreiter

Ein weiteres Ergebnis des WWF Weltzustandsreports zeigt deutlich: die Zeiten, in denen Deutschland im Naturschutz und klimapolitisch die Nase vorn hatte, sind vorbei. Seitdem Deutschland vor zehn Jahren viel in internationale Aufforstungsprojekte investiert habe, übernehme die Bundesregierung wenig Verantwortung, so WWF Geschäftsleiter Jörg-Andreas Krüger. Frankreich laufe Deutschland in Sachen Naturschutz den Rang ab. Krüger erklärte weiter, nur durch europäische Zusammenarbeit ließen sich große Projekte umsetzen. Die Bunderegierung müsse hier mehr Initiative zeigen.

2020 ist ein Schlüsseljahr

Der WWF Living Planet Report erscheint seit 1998 alle zwei Jahre. Der Umweltverband sieht ihn als eine Art Barometer für den weltweiten ökologischen Gesundheitszustand der Erde. Und der ist dem aktuellen Bericht zufolge zunehmend besorgniserregender. Denn die Mennschheit verbraucht jährlich 70 Prozent mehr Ressourcen, als der Planet erneuern kann.

Allerdings sei noch eine Trendwende möglich. Das Jahr 2020 sieht der WWF dafür als Schlüsseljahr. Hält das Pariser Klimaschutzabkommen? Werden die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung erreicht? Wenn das gelingt, kann ein Richtungswechsel noch klappen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 30. Oktober 2018 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 09:28 Uhr