Parasiten Gesucht: Die braune Hundezecke – sie kommt selten allein und befällt auch Menschen

Ein winziges Urlaubsmitbringsel, das vor allem direkt per Hund oder im Hundebett mit nach Hause reist und es sich dort gemütlich macht: Die Braune Hundezecke. Die Uni Hohenheim sucht und erforscht diese Spinnentiere, die in Deutschland offenbar Fuß fassen und auch für Menschen gefährlich werden können.

Braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus, vor grünem Hintergrund.
Die Braune Hundezecke Bildrechte: imago images/blickwinkel

Sie heißen Luna, Charly, Bella und Balu, und wenn unsere Hunde ausgelassen mit uns durch Pinienwälder oder über Strände am Mittelmeer toben, sind das herrliche Urlaubsmomente, an die wir uns daheim gern erinnern. Manchmal erinnern zuhause dann aber auch ganz andere Dinge an den Urlaub. Zum Beispiel, wenn winzige bluthungrige Spinnentiere, direkt am Hund oder im Hundekorb mit nach Hause gereist sind und es sich dann gemütlich machen, hinter Tapeten, unter Dielen, in Spalten und Ritzen: Braune Hundezecken, Rhipicephalus sanguineus. Salopp gesagt kommen sie nur zum Blutsaugen auf den Hund.

Eine Zecke (Gemeiner Holzbock) im Gras
Nicht verwechseln mit dem Gemeinen Holzbock, der regional Krankheitsträger für FSME sein kann. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Ist der Hund als Wirt nicht verfügbar, steigt diese Zecke auch um auf andere Säugetiere, auch Menschen. Sie nistet gern in Wirtsnähe und ist deshalb dann auch unter Matratzen und Kopfkissen anzutreffen. Dank des konstanten Innenraumklimas in Häusern und Wohnungen kann das an Trockenheit und Hitze gewöhnte Spinnentier bis viermal jährlich Eier legen und für Nachkommen sorgen. Professorin Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim, vermutet inzwischen, dass die Tiere in Deutschland bereits Fuß gefasst haben. Es wurden nämlich auch schon braune Hundezecken an Vierbeinern gefunden, ohne dass diese auf Reisen im Süden waren. Mackenroth sagt aber auch: Wenn jemand einen Befall zuhause feststellt, muss nicht das Haus abgerissen werden.

Am Hund selbst hinterlassen sie vergleichsweise kleine Spuren in Form von Hautreizungen. "Dabei bevorzugen sie gut durchblutete Körperbereiche des Hundes mit dünner Haut, wie beispielsweise Ohren, Leisten, Achselhöhlen, den Rücken oder die Zehenzwischenräume", erläutert Katrin Fachet, Doktorandin im Fachgebiet Parasitologie an der Uni Hohenheim. Die Braunen Hundezecken finden sich meist zu mehreren beim Blutsaugen.

Bildcollage von Hundepfoten mit Zeckenbefall
Gesellige Sauger: Man findet die Braune Hundezecke an den Pfoten, den Ohren, den Leisten und meist in Grüppchen. Bildrechte: Katrin Fachet/ Universität Hohenheim

Sie können Krankheitserreger für Hundemalaria, die Mittelmeerkrankheit und Ehrlichiose übertragen. Die ersten Anzeichen einer Hundemalaria zum Beispiel zeigen sich nach fünf Tagen bis drei Wochen Inkubationszeit, auf Fieber und Fressunlust folgen schlimmstenfalls Blutarmut und Nierenversagen. Ein anderer Erreger, den diese Hundezecken weitergeben, ist der Blutparasit hepatozoon canis. Infizierte Hunde kratzen juckende Stellen mit den Zähnen auf, wobei die Zecke verschluckt wird. Der Krankheitserreger kann chronische Blutungen, Durchfall und Fieber auslösen. Die canine Ehrlichiose betrifft vor allem Welpen, Auslöser ist das Bakterium Ehrlichia canis. Zum Krankheitsbild gehören Nasenbluten, Erbrechen, Fieber und auch Nervenstörungen. Bakterien der Gattung Bartonella, die die Zecke überträgt, können wiederum die Katzenkrankheit henselea verbreiten.

Die braune Hundezecke und der Mensch

Nahaufnahme einer braunen Hundezecke.
Vollgesogen sieht die Braune Hundezecke so aus. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Auch den Menschen kann die Braune Hundezecke krank machen: Durch das Bakterium Rhipicephalus zum Beispiel kann Rickettsia conorii, das Mittelmeerfleckfieber, übertragen werden. Dabei färbt sich die Einstichstelle schwarz, der Mensch erkrankt an Fieber und Kopfschmerzen. Auch das 5-Tagefieber kann übertragen werden, bei dem sich der Herzmuskel oder die Hirnhaut entzündet, oder die Lymphknoten schwellen an.

Was wir alles noch nicht über die Braune Hundezecke wissen

Viele Fragen zur Braunen Hundezecke sind noch offen. Wandern die Zecken auch von Hund zu Hund, oder von einem Wirt zum anderen? Für welche Krankheiten ist sie noch Überträger? Überlebt sie bei uns auch außerhalb von Wohnungen? Genau das untersucht Parasitologin Katrin Fachet, die für ihre Doktorarbeit bereits 21 Exemplare begutachtet hat. Die Forschung der Uni Hohenheim lebt vor allem von privaten Zecken-Einsendungen.

Zecke (Holzbock) in der Haut eines Hundes
Checken-Zeck am Hund: Eine oder mehrere? Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wer häufiger eine ungewöhnliche Anzahl brauner Zecken in einem Gebäude bemerkt, oder einen stark von Zecken befallenen Hund hat, die der Braunen Hundezecke ähnlich sehen, soll eine Email mit Foto, Datum und Fundort der Zecke an hundezecken@uni-hohenheim.de schicken. Bittet das Forschungsteam danach um Einsendung des Exemplars, sollte man beachten: Die Zecken nicht mit Klebstoff oder Klebstreifen fixieren. Sonst werden wichtige Details wie kleine Härchen oder Oberflächenstrukturen zerstört. Am besten benutzt man zum Zeckenverschicken kleine luftdichte Gefäße wie Creme-Tiegel, kleine Marmeladengläser oder ähnliches.

Hier finden Sie mehr Informationen über das Hundezecken-Projekt der Uni Hohenheim.

Hund am Strand genießt den frischen Wind.
Bildrechte: imago images/Westend61

(lfw)

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