Dauerfrost in Deutschland 10 Dinge, die Sie vermutlich noch nicht über die Kälte wussten

Weil Deutschland im Dauerfrost feststeckt, müssen wir uns warme Gedanken machen. Vielleicht über die Wüste? Doch halt! Selbst dort kann es gefrieren. Wir machen Sie zum Eis-Experten und erklären zum Beispiel, warum Schnaps zwar nicht gefriert, aber trotzdem kein guter Wärmespender ist.

Der Funtensee mit Kärlingerhaus bei Sonnenaufgang im Nationalpark Berchtesgaden (Bayern).
Die kältesten Orte 89,2 Grad unter Null – das ist die tiefste Temperatur, die jemals auf der Erde gemessen wurde. Der Rekord stammt von der russischen Forschungsstation Wostok in der Ostantarktis. Zwar hat ein Satellit 2010 in der gleichen Region mit −93,2 °C noch tiefere Werte gemessen. Die World Meteorological Organization erkennt diese Messung aus dem All aber nicht an.

Das wohl kälteste Dorf der Welt liegt in Sibirien: Für die etwa 500 Einwohner von Oimjakon dauert der Winter mindestens acht Monate. Die Durchschnittstemperatur liegt im Januar bei -50 Grad, auch -67 Grad wurden dort schon gemessen.

Auch hierzulande kann es unvorstellbar eisig werden: Der Kälterekord in Deutschland liegt laut Deutschem Wetterdienst aber schon etwas zurück: Am 12. Februar 1929 werden im oberbayerischen Hüll minus 37,8 Grad gemessen. Der Wetterdienst Meteomedia verzeichnet die tiefste Lufttemperatur mit minus 45,9 Grad am Heiligabend 2001 - und zwar am Funtensee in Bayern (siehe Foto).
Bildrechte: IMAGO
Der Funtensee mit Kärlingerhaus bei Sonnenaufgang im Nationalpark Berchtesgaden (Bayern).
Die kältesten Orte 89,2 Grad unter Null – das ist die tiefste Temperatur, die jemals auf der Erde gemessen wurde. Der Rekord stammt von der russischen Forschungsstation Wostok in der Ostantarktis. Zwar hat ein Satellit 2010 in der gleichen Region mit −93,2 °C noch tiefere Werte gemessen. Die World Meteorological Organization erkennt diese Messung aus dem All aber nicht an.

Das wohl kälteste Dorf der Welt liegt in Sibirien: Für die etwa 500 Einwohner von Oimjakon dauert der Winter mindestens acht Monate. Die Durchschnittstemperatur liegt im Januar bei -50 Grad, auch -67 Grad wurden dort schon gemessen.

Auch hierzulande kann es unvorstellbar eisig werden: Der Kälterekord in Deutschland liegt laut Deutschem Wetterdienst aber schon etwas zurück: Am 12. Februar 1929 werden im oberbayerischen Hüll minus 37,8 Grad gemessen. Der Wetterdienst Meteomedia verzeichnet die tiefste Lufttemperatur mit minus 45,9 Grad am Heiligabend 2001 - und zwar am Funtensee in Bayern (siehe Foto).
Bildrechte: IMAGO
Schnee auf den Dünen der algerischen Sahara.
Ice in the Sunshine Auch in der Wüste kann es frösteln: In der Sahara zum Beispiel kann die Temperatur nachts in der Luft bis auf −10 °C sinken, sogar Bodenfrost ist möglich. 2016 schneite es sogar das erste Mal nach 37 Jahren wieder auf die Dünen der algerischen Sahara. Im marokkanischen Ifrane herrschten im Februar 1935 gar einmal -23,9 Grad. Die Stadt liegt im Mittleren Atlas-Gebirge rund 60 Kilometer südlich der Königsstadt Fès. Bildrechte: IMAGO
Eisstück in einem Gletscher
Trüb oder klar? Wer Eiszapfen oder die Eisdecke auf dem nächsten Teich betrachtet, der weiß: Eis ist nicht gleich Eis. Mal ist es durchsichtig, mal milchig-weiß. Doch warum? Schuld ist unter anderem die Lufttemperatur: Denn gefriert Wasser langsam, richten sich die Moleküle ganz in Ruhe zu Kristallen aus und bilden klares, durchsichtiges Eis. Friert es aber bei kalter Luft sehr schnell, bilden sich die Kristalle an vielen Stellen gleichzeitig und schließen viel Luft mit ein. Dadurch wirkt das Eis weiß. Bildrechte: IMAGO
Flussaue im Winter
Wie der Fisch im Eis überlebt Wer im Sommer im See badet, stellt fest: Das Wasser ist an der Oberfläche am wärmsten und am Boden am kältesten. Wärmeres Wasser dehnt sich aus, ist leichter und liegt im Sommer oben auf. Im Winter ist es genau umgekehrt: Der See friert von oben zu, am Grund ist es am wärmsten.

Wenn ein Gewässer zugefroren ist, suchen Fische die tiefste Stelle auf. Am Grund hat das Wasser immer plus vier Grad Celsius. Das ist nämlich die Temperatur, bei der Wasser seine höchste Dichte erreicht, deshalb am schwersten ist und nach unten sinkt. Hinzu kommt, dass die Eisdecke die darunter liegenden Schichten recht gut gegen die kältere Luft isoliert. Nur sehr kleine Teiche frieren im Winter schon mal bis zum Grund durch. Um tief unter dem Eis überleben zu können, stellen viele Fische fast sämtliche Aktivitäten ein.

Die größte Gefahr für alle Fische ist jedoch nicht die Kälte, sondern der Sauerstoffmangel. Sauerstoff gelangt über den Kontakt zwischen Wasseroberfläche und Umgebungsluft ins Wasser, jedoch nicht mehr, wenn der See mit einer Eisschicht bedeckt ist. Auch die Sauerstoffproduktion der Pflanzen im Wasser nimmt dann weiter ab, weil die Eisoberfläche weniger Licht durchlässt. Dann können die Fische regelrecht ersticken. Im heimischen Teich hilft dagegen schon ein kleines Loch.
Bildrechte: IMAGO
Ein Exemplar der nur wenige Millimeter großen Bärtierchen unter dem Mikroskop. Sie sind extrem resistent gegen Kälte.
Eiskalt - ab wann es gefährlich wird Beim Menschen beginnt eine Unterkühlung schon bei einer Körpertemperatur von 35 Grad. Wenn es noch kälter wird, verlangsamen sich die zur Aufrechterhaltung der Organfunktionen notwendigen Stoffwechselvorgänge. Lebensbedrohlich wird es spätestens bei 30 Grad Celsius Körpertemperatur. Unter 26 Grad Celsius besteht keine Überlebenschance mehr.

Anders in der Tierwelt aus: Pinguine zum Beispiel können Außentemperaturen bis minus 70 Grad trotzen. Neben einer dicken Fettschicht hilft ein Gemisch aus Öl und Wachs ab, das in der Bürzeldrüse an der Schwanzwurzel gebildet wird. Damit dichten die Pinguine ihr Gefieder ab. Wechselwarme Tiere wie etwa Eidechsen oder Frösche verfallen dagegen in eine Kältestarre, in der ihre Körpertemperatur teilweise bis zum Gefrierpunkt absinkt.

Einige Schnecken und Insekten können sogar ganz einfrieren – und putzmunter wieder auftauen. So wie die Bärtierchen. Sie sind etwa 1,5 Millimeter klein und bewohnen den Grund von Seen oder den Erdboden. In Tests wurden die Tierchen auf bis zu -272 Grad heruntergekühlt – die tiefste Temperatur, die Menschen künstlich erzeugen können und nur ein Grad über dem absoluten Nullpunkt. Die Bärtierchen stellten einfach ihren Stoffwechsel nahezu vollständig ein, waren eigentlich tot und erwachten wieder zum Leben, sobald es wärmer wurde.
Bildrechte: IMAGO
Drei Bernhardiner der Fondation Barry, einer mit Fässchen Schnaps vor dem Großen Sankt Bernhard Pass in der Wallis (Schweiz)
Bello, Fass! Ein heißer Tee mit Schuss: Viele halten Schnaps für ein bewährtes Mittel gegen die Kälte. Ihrem Ruf kann die Spirituose aber nicht gerecht werden, denn Alkohol erweitert die Blutgefäße und lässt das Blut stärker zur Hautoberfläche strömen. Tatsächlich geht dadurch schneller Wärme verloren, Hände und Füße fühlen sich bald kälter an. Bei extremen Minusgraden sollte man auf Alkohol also unbedingt verzichten. So hat es auch das berühmte Fässchen mit Weinbrand am Hals der Bernhardiner-Hunde, die Menschen in Not mit einem Schluck Alkohol vor dem Erfrieren retten, in Wahrheit nie gegeben. Bildrechte: IMAGO
Bier im Schnee
Eiskalt genießen Reiner Alkohol hat einen Gefrierpunkt von -114 Grad, Wasser friert bei 0 Grad. Bei alkoholhaltigen Getränken kommt es also auf das Verhältnis von Alkohol zu Wasser an: Je weniger Alkohol drin ist, desto eher gefriert der edle Tropfen. Den Bierkasten kann es schon bei -3 Grad erwischen, Sekt und Wein können ab 5 Grad unter Null gefrieren. Hochprozentiges wie Wodka friert dagegen erst bei Werten von 20 Grad und mehr unter Null. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Frau trinkt ein heißes Getränk in winterlicher Kulisse
Aus heiß wird Eis Beim Wasser gibt es ein bislang nicht vollständig gelöstes Rätsel: Der Mpemba-Effekt bezeichnet das Phänomen, bei dem unter bestimmten Bedingungen heißes Wasser schneller friert als kaltes. Benannt wurde der Effekt nach einem Schüler aus Tansania, der das paradoxe Verhalten von Wasser 1963 wiederentdeckte. Allerdings soll sich schon Aristoteles darüber seine Hirnzellen zerbrochen haben. Ein Erklärungsversuch: Das Temperaturgefälle beim Abkühlen. Das ist deutlich stärker bei heißem Wasser und regt Wassermoleküle an sich zu bewegen und Kälte auszutauschen. Ob das aber tatsächlich stimmt, ist noch nicht bewiesen. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau macht mit ihrem Smartphone ein Selfie beim Eislaufen.
Frostiges Phone Nicht nur Mensch und Tier leiden unter zu kalten Temperaturen, selbst unseren Elektrogeräten kann es zu frostig werden. Bei Smartphones ist die Kälte zum Beispiel schlecht für den Akku. So gibt Apple die Temperaturspanne, bei der iPhones genutzt werden dürfen, bei 0 bis 35 Grad Celsius an. Für die Lagerung sind die Werte höher: -20 bis 45 Grad sind dann in Ordnung.

Auch Fahrzeuge fallen regelmäßig aus: Ab minus 20 Grad wird der spezielle Winterdiesel, den deutsche Tankstellen verkaufen, zähflüssig. Bei -25 bis -30 Grad macht auch eine gut gepflegte Autobatterie schlapp, genau wie Motorenöl. Auch bei Fahrrädern mit hydraulischen Bremsen geht jetzt nichts mehr, sie frieren ein. Benzin dagegen hält etwas länger durch: Erst ab -45 Grad gefriert auch Benzin langsam.
Bildrechte: IMAGO
Vier Kaiserpinguine spazieren in Reihe durch den Schnee
Gehen wie ein Pinguin Wenn das Auto schlapp macht, muss es eben zu Fuß weiter gehen. Nur: Wie vorankommen, ohne ständig auszurutschen? Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rät, sich so fortzubewegen wie ein Pinguin. Beim Pinguin-Gang schiebt man das Gewicht über das vordere Bein und tritt mit ganzer Sohle auf. Dabei zeigt der auftretende Fuß leicht nach außen. Diese Haltung sieht vielleicht etwas merkwürdig aus, stabilisiert aber den Körper. Bildrechte: IMAGO
Alle (10) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 26. Februar 2018 | 09:00 Uhr