Schuppentier im Leipziger Zoo
Bildrechte: Christian Kulawik

Tag der Schuppentiere Tannenzapfen auf Beinen – gejagt und bedroht

Schuppentiere, schon mal davon gehört? Gesehen haben sie wohl die wenigsten von uns. Sie sind nämlich sehr selten, schließlich sind sie die meist gejagten Säugetiere der Welt. Der einzige Zoo, der sie in Europa hält, ist der Leipziger Zoo. Um sie zu erhalten, will der sie jetzt auch züchten. Wir haben die Tannenzapfen auf vier Beinen in ihrem Gehege besucht.

von Karolin Dörner

Schuppentier im Leipziger Zoo
Bildrechte: Christian Kulawik

Wie immer im Zoo: Man sieht erstmal nichts. Dunkel ist es hinter der Scheibe. Vergeblich sucht man den Rindenmulch ab. Und doch da, in einer Baumhöhle eingerollt, entdeckt man große graue Schuppen. Könnte genauso gut eine Schlange sein. Leben kommt erst ins Gehege, wenn Tierpfleger Denny Lohse mit den Schlüsseln klappert. Dann wissen die Tiere: Futter kommt. Sofort kommt Schuppentier Quesan auf leisen Pfoten angewieselt. Vom zierlichen Kopf bis zum dicken Schwanz ist sie mit Schuppen bedeckt. Doch keine Schlange, eher ein flaches Frettchen in Ritterrüstung. Nur größer, schließlich ist sie fast 60 Zentimeter lang, die Hälfte davon ist Schwanz. Oft wird das Schuppentier mit dem Südamerikanischen Gürteltier verwechselt – aber mit dem es nicht mal verwandt. Quesan kommt schließlich aus Asien. Dort hat sie sich mit ihrer fast 25 cm langen Zunge auf Ameisen und Termiten spezialisiert. Die gibt’s hier aber nicht, also bringt Denny Lohse ihnen Brei.

Das Futter besteht aus Mehlwürmern, Apfel, Eigelb, dann verschiedene Mineralstoffe und Pülverchen. Der Hauptbestandteil sind Bienenlarven. Dann ist das von den Inhaltsstoffen eigentlich eine fertige Ameise, bloß eben als Brei.

Denny Lohse, Pfleger, Zoo Leipzig
Pfleger Denny Lohse und ein Schuppentier im Leipziger Zoo
Bildrechte: Christian Kulawik

Weil Schuppentiere so spezialisierte Fresser sind, ist es schwer sie in Gefangenschaft zu halten. Leipzig ist deshalb der einzige Zoo in Europa. Der Larvenbrei scheint aber ein guter Ersatz, schließlich leben Weibchen Quesan und Männchen Tou-Feng schon seit zehn beziehungsweise acht Jahren in Leipzig. Und der Brei kommt gut an: Im Handumdrehen hat Quesan ihre Schüssel geleert. Zufrieden trottet sie zurück in ihre  Baumhöhle und rollt sich zusammen. Als flache Kugel ist sie durch ihre harten Schuppen gut geschützt gegen Angreifer. Gegen ihren Feind Nummer eins aber, ist sie chancenlos. Und von dem wird sie bedingungslos gejagt, bedauert Ruben Holland, Kurator des Bereichs Afrika und Asien im Leipziger Zoo.

Der Mensch ist definitiv die größte Bedrohung. Das Schuppentier ist momentan das Tier, das am meisten geschmuggelt wird, weltweit. Teilweise sind die Bestände bis zu 95 Prozent in den letzten zehn bis 15 Jahren zurückgegangen.

Ruben Holland, Kurator des Bereichs Afrika und Asien, Zoo Leipzig

Heiß begehrt ist das Schuppentier in Asien: Dort gilt das Fleisch als Delikatesse und Statussymbol, schließlich geht es für über 300 Euro das Kilo über die Ladentheke. Auch die Schuppen sind Objekt der Begierde: Ihnen werden heilende Kräfte nachgesagt und sie sind daher fester Bestandteil in der traditionellen chinesischen Medizin.

Die werden dann als Pülverchen zerrieben. Es gibt Mythen, dass das gegen Krebs ist oder für die Potenz. Aber die Schuppen sind im Prinzip ähnlich wie bei uns die Fingernägel. Da kann sich auch jeder an den Fingernägeln kauen, das hat eine ähnliche Wirkung.

Ruben Holland

Weil die asiatischen Exemplare schon fast ausgestorben sind, boomt die Jagd nun auch in Afrika. Um die Tiere zu schützen, hat die UNO-Artenschutzkonferenz im letzten Jahr den Handel untersagt. Mit wenig Erfolg: Erst Anfang Februar hat der thailändische Zoll knapp drei Tonnen Schuppen sichergestellt. Der Zoo Leipzig versucht daher über einen anderen Weg die Tiere zu erhalten: Quesan und Tou Feng sollen sich paaren, doch die beiden wollen nicht so recht. Sie finden offenbar so gar keinen Gefallen aneinander. Oder mit den Worten von Ruben Holland: Die beiden haben noch nicht "gezüchtet".

Deswegen haben wir jetzt nochmal zwei neue Tiere aus Taipeh bekommen, die jeweils schon selber gezüchtet haben. So dass wir unsere Tiere mit den Tieren aus Taipeh neu verpaaren können, um zu gucken, ob wir nicht vielleicht doch eine Zucht erreichen können.

Seit Dezember sind die Tiere nun da – bisher noch von der Außenwelt abgeschirmt, für die Besucher nicht zu sehen. Neue und alte Tiere wurden noch nicht gemischt, das soll nun nach und nach erfolgen. Und vielleicht gibt es dann bald gute Nachrichten: Leipzig wäre dann neben Taiwan der einzige Zoo weltweit mit einem Schuppentierbaby. 

Über dieses Thema berichtet MDR Kultur im Radio | 19.02.2017 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2017, 11:20 Uhr