Denkste! Zucker macht kein Hoch

Zucker macht uns weder wach noch glücklich – ganz im Gegenteil. Ob in Süßigkeiten, Fertiggerichten oder Getränken: Dass Zucker ungesund ist, dürfte inzwischen bekannt sein. Zu viel davon macht uns sogar krank. Trotzdem hält sich eine Legende hartnäckig, nämlich die der Nervennahrung. Zucker, so die Annahme, macht uns wach, aufmerksam und vor allem auch glücklich. Daran glauben Menschen auf der ganzen Welt. Dabei stimmt das gar nicht, sagt die Wissenschaft.

von Kristin Kielon

Würfelzucker 3 min
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Solche Situationen kennen wir alle: Mitten in der Abschlussprüfung oder beim Einstellungstest kriecht langsam die Panik im Körper hoch. Zeit für einen extra Energie-Schub, um bis zum Schluss wach und aufmerksam zu arbeiten. Zeit also für etwas Nervennahrung, für ein Zuckerhoch dank Bonbons oder Traubenzucker. Dass das funktioniert, ist etablierter Alltagsglaube. Warum der schnelle Biss in den gezuckerten Müsliriegel oder das Plättchen Traubenzucker keine gute Idee sind, weiß Psychologe Konstantinos Mantantzis von der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist selber in dem Wissen aufgewachsen, dass Zucker für ein Hoch zwischendurch sorgt.

Enrgieschub ist nicht gleich Stimmungshoch

Als Wissenschaftler räumt er jetzt auf mit diesem Alltagsirrtum: Er habe keinen einzigen Beweis dafür gefunden, dass die Zucker-Hoch-Theorie belegt - sondern das Gegenteil. Eine Stunde nach dem Zuckergenuss ist man alles andere als fit. Das ist das Ergebnis einer Meta-Analyse, die der Psychologe und sein Team gemacht haben. Sie haben 31 veröffentlichte Untersuchungen mit insgesamt 1.259 Probanden zum Thema Zucker-Hoch durchleuchtet und dabei verschiedenste Gefühls-Zustände näher angeschaut, wie Wut, Depression, Müdigkeit. Zusammen mit der Betrachtung, zu welchen Gelegenheiten der Zucker konsumiert wurde.

Traubenzucker als Lutscher
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Also beispielsweise: Hat Zucker in verschiedener Qualität und Menge auch verschiedene Auswirkungen auf die Stimmung, und welche Rolle spielen dabei geistige oder körperliche Aktivitäten? Aber auch das brachte kein anderes Ergebnis, erklärt Mantantzis. Selbst wer Sport treibt oder etwas anderes Anstrengendes macht, bekommt durch den Zucker zwar Energie, aber auf die Stimmung der Person zeigte sich kein nachweisbarer Einfluss.

Woher kommt der Mythos vom Zuckerhoch?

Für die Forscher ist damit klar: Das Zuckerhoch muss ein Mythos sein. Aber wo kommt dieser Trugschluss her? Dr. Mantantzis vermutet, dass dahinter der erhöhte Glucosespiegel steckt, der für einen Energieschub sorgt - und das wird mit einem Stimmungshoch in Zusammenhang gebracht.

Das könnte wohl der Grund für den Irrglauben sein, meint der Psychologe. Allerdings seien in der Studie nur die Daten gesunder Probanden ausgewertet worden und die Kombination von Zucker und anderen Substanzen wurde nicht untersucht. Denn vielleicht gibt es da doch einen Effekt: Studien zu Energy-Drinks legen nahe dass die Kombination aus Zucker und Koffein unsere Aufmerksamkeit womöglich doch steigern könnte. Ob das tatsächlich so ist, wollen die Forscher als nächstes untersuchen.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 09. April 2019 | 09:27 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 09:39 Uhr