Tag der Organspende Spenderakquise mit Smartphone und Facebook

Organspende: Kaum ein Thema ist so mit Vorbehalten und Unsicherheit belastet wie dieses. Weil wir zweifeln, fällt uns eine Entscheidung dafür oder dagegen schwer. Smartphone und Facebook sollen Hemmschwellen abbauen. Und in manchen Ländern gilt: Wer nicht aktiv "Nein" sagt, meint "Ja".

Mit dem i-Phone, iOS 10 und Facebook automatisch zum Organspender?

Das Betriebssystem enthält in der Version für Deutschland eine Health-App mit einem persönlichen Notfallpass. In diesem ist "Organspende: Ja." voreingestellt. Das "Nein" muss der Nutzer extra aktivieren. Doch ganz gleich, was dort vermerkt ist, ohne rechtsgültige Unterschrift auf einer Patientenverfügung oder einem Organspendeausweis ist in Deutschland eine Spende nicht möglich.

In den USA jedoch können sich iOS 10-Nutzer über die Health-App als Organspender registrieren. Künftig soll das sogar direkt über die US-weite Organspende-Kartei möglich sein. Vorerst wird das Feature also nur US-Nutzern offenstehen. Facebook bietet eine ähnliche Funktion in den USA und in Großbritannien an.

In Deutschland: Keine Spende ohne Information und ausdrückliche Zustimmung

Bei uns gilt seit dem 01. November 2012 per Gesetz die sogenannte Entscheidungslösung. Damit sich mehr Menschen mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinandersetzen, wird jeder ab dem 16. Lebensjahr regelmäßig von seiner gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung dazu informiert und bekommt einen Organspendeausweis, mit dem er sich für oder gegen eine Spende entscheiden kann. Der Unterschied zu den Zustimmungslösungen in anderen Ländern ist also, dass die Verfügbarkeit von Informationen zum Thema bei uns gesetzlich geregelt ist.

Derzeit wird in Deutschland noch nicht zentral erfasst, wer sich für oder gegen eine Organ- oder Gewebespende entscheidet. Erst wenn eine Spende durch einen unumkehrbaren Hirntod tatsächlich ansteht, werden die Daten an Eurotransplant übermittelt. Langfristig ist aber geplant, dass auf der Gesundheitskarte gespeichert wird, ob man Spender werden möchte oder nicht.

In diesen Ländern ist nur ein "Ja!" auch wirklich ein "Ja!"

Auch in Dänemark, Großbritannien, Litauen, den Niederlanden, Rumänien und der Schweiz gilt: Damit es zu einer Organspende kommen kann, muss die verstorbene Person zu Lebzeiten in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung ihren Willen dazu erklären. Liegt keine Zustimmung vor, können die Angehörigen befragt werden.

Achtung! Hier wird grundsätzlich von einer Zustimmung ausgegangen

Mit der sogenannten Widerspruchslösung versuchen Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Türkei, Ungarn und Zypern die Hemmschwelle für die Spendenbereitschaft zu senken. Hat der Verstorbene einer Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, zum Beispiel in einem Widerspruchsregister, können Organe zur Transplantation entnommen werden. In einigen Ländern haben die Angehörigen zumindest ein Widerspruchsrecht.

Bei Reisen: Es gilt die Bestimmung am Aufenthaltsort, nicht am Herkunftsort

Ganz gleich, wohin wir reisen, trifft für uns zunächst die Regelung des jeweiligen Landes zu, ganz gleich, welche Gesetze in unserem Heimatland gelten. Der ausgefüllte Organspendeausweis aus Deutschland ist aber auch in anderen Ländern gültig. Ist dieser in der entsprechenden Landessprache unseres Reiseziels ausgefüllt und tragen wir ihn bei unseren Personalpapieren, wird unsere persönliche Entscheidung auch im Ausland verstanden und berücksichtigt werden.

Über dieses Thema berichtet der MDR im Fernsehen: LexiTV | 02.06.2017 | 15:00 Uhr