Covid-19 Pandemie Geprüft: Wie zuverlässig sind Corona-Schnelltests?

Das Paul-Ehrlich-Institut hat 122 in Deutschland verfügbare Antigenschnelltests umfangreich getestet. Einige wenige schnitten sehr gut ab, die meisten immerhin gut bis ausreichend, doch 22 versagten komplett.

Symbolbild Corona- Covid-19 Schnelltest
Die in vielen Läden verkauften Schnelltests von Hotgen zeigen im Vergleich zu anderen Tests befriedigende Ergebnisse. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Je weiter die Infektionszahlen steigen, desto stärker steigt auch der Bedarf nach Covid-19-Schnelltests für zuhause. Kratzt es im Hals und läuft die Nase, könnte es eine einfache Erkältung sein, aber vielleicht auch die Delta-Variante des Coronavirus, wenn man geimpft ist. Ein zuverlässiger Schnelltest wäre daher sehr hilfreich.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das als obere Bundesbehörde für die Prüfung der Sicherheit von Impfstoffen und Medikamenten zuständig ist, hat zusammen mit Partnern vom Robert Koch-Institut, der Charité, der Bundeswehr und dem Bernhard-Nocht-Institut insgesamt 122 in Deutschland im Verkauf befindliche Antigen-Schnelltests gründlich auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. Im Ergebnis zeigt sich eine erstaunliche Spannweite, von sehr zuverlässig bis praktisch nutzlos.

Wie das Forscherteam getestet hat

Das Team um die beiden Wissenschaftler Heinrich Schublauer und Micha Nübling vermengte zunächst Nasenabstrichproben von Infizierten miteinander und stellte dann für die Tests verschiedene Verdünnungsstufen her. Mit einem PCR-Test bestimmten die Forschenden die nun in den Proben auffindbare Virenmenge genau, bevor sie damit die Antigen-Schnelltests prüften.

So konnten die Forscherinnen und Forscher die Tests in drei Sensitivitätsklassen aufteilen. Bei einem Zykluswert von weniger oder gleich 25 Zyklen konnten die Tests Proben mit hoher Viruskonzentration erkennen. In der Klasse von 25 bis 30 Zyklen erkannten sie Proben mit mittlerer Viruslast und bei über 30 Zyklen erkannten sie auch Proben mit sehr wenigen Viren.

26 Tests übersehen zu viele Infektionen

Zwar gilt eine Infektion als sehr mild, wenn in einer PCR mehr als 30 Zyklen notwendig sind, um Viruserbgut aufzuspüren. Auch ist unklar, ob Infizierte dann ansteckend für andere sind. Können Tests solch niedrige Konzentrationen aber erkennen, dann können sie Infizierte sehr früh warnen bei einer beginnenden Infektion. Die allermeisten gängigen Schnelltests können solch niedrige Konzentrationen aber nicht erkennen. Nur 17 von 122 Tests zeigten hier ab und an ein positives Ergebnis, die allermeisten übersahen die gering vorhandenen Virusproteine.

Fataler ist das Ergebnis für 26 weitere Tests, deren Sensitivität unter 75 Prozent lag. Das bedeutet, dass sie mindestens jede vierte Probe mit einer sehr hohen Viruslast fälschlich als negativ einstuften. Die gute Nachricht für viele Verbraucher lautet allerdings: Die meisten in Supermärkten und Drogeriemärkten angebotenen Tests zeigten bei der Untersuchung aber befriedigende Ergebnisse.

So konnte etwa der Novel Coronavirus 2019-nCoV Antigen Test (Colloidal gold) von Hotgen 100 Prozent aller Proben mit hoher Viruslast erkennen. Bei den mittleren Virusmengen betrug die Zuverlässigkeit immerhin noch 47,8 Prozent, sehr niedrige Virusmengen erfasster er hingegen gar nicht mehr. Die Tests von Hotgen werden in den Märkten in Mitteldeutschland häufig verkauft.

Testsieger erkennen Infektionen sehr früh - Schlechteste dagegen oft gar nicht

Wirklich gut dagegen schneiden beispielsweise die Speicheltest der deutschen Firma Ulti Med ab (COVID-19 Antigen Speicheltest). Hier wurden mittlere Viruslasten zu 95,7 Prozent richtig erkannt und sehr niedrige Viruslasten immerhin zu 20 Prozent.

Wer jetzt die zuhause im Regal stehenden Tests in der Liste nachschauen will, wird mitunter nicht fündig, da einige Produkte von verschiedenen Firmen produziert und vertrieben werden. So taucht beispielsweise der Spucktest von MR Sanicom (COVID-19 Antigen-Schnelltest) in der Liste unter "Jointstar Biomedical" auf.

Ab Frühjahr 2022 allgemeine unabhängige Prüfung von Tests Pflicht

Dass einige Tests trotz schlechter Ergebnisse vertrieben werden dürfen, liegt an den bisher sehr niedrigen Zulassungskriterien. So dürfen Hersteller die Prüfung und Zertifizierung mit dem CE-Kennzeichen bisher selbst vornehmen. Erst ab kommendem Frühjahr müssen alle Hersteller ihre Tests von unabhängigen Referenzlaboren überprüfen lassen.

(ens)

Dieses Tests haben die Prüfung bestanden

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3 Kommentare

ElBuffo vor 1 Wochen

Von falsch positiven geht ja erstmal keine Gefahr aus. Viel spannender wäre doch zu erfahren, wie zuverlässig diese Test im Reslbetrieb und nicht unter idealen Bedingungen sind. Gerade bei Test, die nicht für Kinder zugelassen sind, bezweifle ich, dass da nennenswert etwas früh erkannt wird, wenn sie von Kindern selbst angewendet werden

Helmut9_11 vor 1 Wochen

Das Hauptziel dieser Tests ist eine mögliche Infektion frühzeitig zu erkennen, um sich selbst und andere zu schützen. Natürlich kann es zu False Positives kommen, darum ist ein PCR-Test empfehlenswert und empfohlen.

Es wäre aber tatsächlich interessant auch diese Informationen hier zu sehen, nicht weil es bedeuten würde, dass man positive Ergebnisse damit nicht ernst nehmen sollte, aber weil das eigentlich auch in der Studie behandelt worden sollte. Vielleicht könnte die Redaktion das noch checken und gegebenenfalls einpflegen? Ich konnte nichts finden, bin aber auch kein Mediziner...

augu vor 1 Wochen

Es gibt doch wohl auch Fälle, bei denen der Schnelltest ein positives Ergebnis hat, das durch den PCR-Test nicht bestätigt wird.
Dies findet im Artikel keine Erwähnung.