Friedhof in Bosnien
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Vor 24 Jahren Das Massaker von Srebrenica

Es gilt bis heute als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit Jahrzehnten: das Massaker von Srebrenica. Im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Milizen dort 8.000 muslimische Männer und Jungen. Niederländische UN-Blauhelmtruppen schauten tatenlos zu.

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Srebrenica liegt in einem grünen Talkessel im Osten von Bosnien und Herzegowina. Die umliegenden, dicht bewaldeten Berge sind fast 1.000 Meter hoch. Eine idyllische Lage in Friedenszeiten – doch während des Bosnienkrieges in den 1990ern wurde die Kleinstadt für viele muslimische Flüchtlinge zu einer tödlichen Falle.

Srebrenica – eine muslimische Enklave

Wie überall im ehemaligen Jugoslawien lebten Serben und Bosniaken hier jahrzehntelang mehr oder weniger friedlich nebeneinander. Als der Bosnienkrieg begann, flüchteten die meisten Serben aus der Stadt – sie wurde damit zu einer bosnisch-muslimischen Enklave. Im Laufe des Konflikts strömten immer mehr Muslime nach Srebrenica. Sie suchten dort Schutz vor serbischen Milizen unter General Ratko Mladic und wähnten sich in Sicherheit – die UN hatte das Gebiet zur Schutzzone erklärt und niederländische und kanadische Blauhelmsoldaten vor Ort stationiert. Doch die Serben zogen den Belagerungsring um die muslimische Enklave immer enger und nahmen sie schließlich am 11. Juli 1995 ein. Damit war das Schicksal der männlichen Bewohner besiegelt.

Opfer von General Mladic getäuscht

Doch die Opfer wurden zunächst über die wahren Absichten der serbischen Milizen getäuscht. Eine Filmaufzeichnung zeigt den bosnisch-serbischen Befehlshaber Mladic, wie er den muslimischen Gefangenen in Srebrenica beteuert, ihnen würde nichts geschehen. Mladic steigt von einem mit muslimischen Gefangenen besetzten Bus in den anderen, stellt sich vor, streichelt Kindern über den Kopf und sagt, man wolle die gefangenen Muslime in das von muslimischen Truppen kontrollierte Gebiet transportieren.

Ein Mann geht vor einem Wandgemälde des früheren Serben-Generals Ratko Mladic in einem Vorort von Belgrad entlang.
Ex-General Ratko Mladic wurde für das Srebrenica-Massaker zu lebenslanger Haft verurteilt. Manchen serbischen Nationalisten gilt er immer noch als Held. Bildrechte: dpa

"Ich bin barmherzig zu euch", sagt der General, "diesmal schenke ich euch das Leben". Doch kurz danach werden Männer und heranwachsende Jungen von Frauen, Kindern und Greisen getrennt, abgeführt und erschossen. Die Ermordungen fanden am 11. und 12. Juli 1995 an verschiedenen Orten statt, die Menschenjagd dauerten noch tagelang, denn einige Tausend Bosniaken versuchten, in einer bewaffneten Marschkolonne in muslimisch besetzte Gebiete zu entkommen.

Mitverantwortung der Niederlande

Der Befehlshaber der bosnisch-serbischen Truppen, die dafür verantwortlich waren, Ex-General Ratko Mladic, wurde im November 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Mitschuld am Tod hunderter Muslime haben Richter im Juni 2017 zudem den Niederlanden zugesprochen. Angehörige der Opfer hatten den Staat verklagt. Niederländische UN-Soldaten ergaben sich im Juli 1995 kampflos beim Sturm serbischer Einheiten. Das Berufungsgericht in Den Haag befand, die niederländischen UN-Blauhelmsoldaten hätten die bosniakischen Männer und Jungen nicht vor dem Zugriff der Milizen geschützt. Die Niederlande sollen den Opferfamilien nun eine Teil-Entschädigung zahlen, so das Urteil.

13. Juli 1995

Konkret hatte die niederländische Einheit Dutchbat in ihrer Basis zunächst tausende Flüchtlinge aufgenommen. Nachdem es zu viele Flüchtlinge wurden, schlossen sie zunächst die Tore. Als die serbischen Milizen am Nachmittag des 13. Juli 1995 in das Lager im Osten Bosniens einrückten, leistete die schlecht ausgerüstete niederländische UN-Truppe jedoch keinen Widerstand. Die bosnischen Serben holten dann die Flüchtlinge aus dem Lager, trennten Männer und Jungen, verfrachteten sie in Busse und töteten sie später.

Serbische Nationalisten zweifeln Opferzahl an

Juristisch ist das Massaker von Srebrenica seit kurzem aufgearbeitet - moralisch aber noch nicht. Auch fast ein Vierteljahrhundert später gibt es Politiker, die die Ereignisse von Srebrenica herunterspielen oder sogar leugnen. Serbische Nationalisten zweifeln auch die Opferzahl an und sehen darin einen Versuch, die serbische Seite zu dämonisieren und von Verbrechen gegen Serben abzulenken.

Seit dem Ende des Bosnienkrieges wurden die Überreste von etwa 8.000 Opfern exhumiert. Knapp 7.000 konnten bislang namentlich identifiziert werden. Die neu identifizierten Leichen werden jedes Jahr am Jahrestag des Massakers auf dem Friedhof von Potočari bei Srebrenica beigesetzt.

Serbisch-bosnische Liebe in Srebrenica. 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 11. Juli 2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 08:37 Uhr

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