Kurzporträts Die Ansagerinnen in den 70er- und 80er-Jahren

Viele Ansagerinnen DDR-Fernsehens der 70er- und 80er-Jahre waren auf einem "Solidaritätsbasar" auf dem Berliner Alexanderplatz entdeckt worden und kamen aus den verschiedensten Berufen.

Petra Kusch-Lück

Anlässlich des 20. Jahrestags der DDR sollten die Fernsehzuschauer mit einem Zweiten Programm überrascht werden. Aber es herrschte Sprechermangel. Die Sendergewaltigen forsteten in aller Eile sämtliche Karteikästen nach möglichen Ansagern durch und stießen dabei auch auf eine 21-jährige Krankenschwester, die früher mal im Kinderballett getanzt hatte. Ihr Name: Petra Kusch. Die junge Dame bestand die Aufnahmetests und sprach am 7. Oktober 1969 im Zweiten Programm des DDR-Fernsehens in buntem Minikleid und mit Turmfrisur ihre erste Ansage.

Petra Kusch, die zwischenzeitlich mit dem Sänger Thomas Lück verheiratet war, avancierte in den 80er-Jahren zur "Chefansagerin", moderierte die große Samstagabendshow "Ein Kessel Buntes" und wurde zwischen 1980 und 1987 achtmal in Folge von den Lesern der "FF dabei" zum "Fernsehliebling" gekürt. Weihnachten 1990 wurde sie beim DFF entlassen und es wurde stiller um sie. Ab 1993 moderierte sie aber wieder Unterhaltungssendungen, beim ehemaligen ORB, beim MDR und auch in der ARD.

2007 wurde Kusch-Lück im MDR FERNSEHEN zur beliebtesten deutschen Ansagerin gewählt. Noch während ihrer aktiven Zeit als TV-Moderatorin erschien im selben Jahr Kusch-Lücks erste Solo-CD als Sängerin. Mit ihrem Ehemann Roland Neudert tritt sie noch immer im Gesangsduett auf.

Carmen Nebel

Carmen Nebel 1 min
Carmen Nebel Bildrechte: MDR / (DRA)

Wie viele Ansagerinnen des DFF wurde auch die 1957 in Grimma geborene Carmen Nebel auf dem alljährlich abgehaltenen "Solidaritätsbasar der Berliner Journalisten" für das Fernsehen entdeckt. Gegen eine kleine Solidaritätsspende konnte man sich dort vor eine Kamera setzen und einen Ansagetest machen.

Die junge Deutsch- und Englischlehrerin Carmen Nebel hatte 1979 eine Freundin auf den Alexanderplatz begleitet, die sich für das Fernsehen empfehlen wollte, und sich selbst nur spaßeshalber testen lassen. Die Freundin konnte nicht überzeugen, aber von Carmen Nebel waren die Fernsehleute sofort begeistert: "Die muss auf den Bildschirm!"

Carmen Nebel arbeitete zunächst nur nebenberuflich als Programmsprecherin, erst 1984 gab sie ihren Lehrerberuf auf. Ein Jahr später wurde ihr die Moderation von Unterhaltungssendungen angetragen, 1989 erhielt sie ihre erste eigene Abendshow: "Sprungbrett". Das Ende des DFF 1990 tat der Fernsehkarriere Carmen Nebels keinen Abbruch: Sie moderierte Musiksendungen in der ARD und hat seit 2004 eine eigene Samstagabendshow im ZDF.

Antje Garden

1978 war die damals 27-jährige Antje Garden zum Fernsehen der DDR gekommen und schnell avancierte die Rothaarige zu einem der Stars des "Ansagekollektivs". Besonderer Beliebtheit erfreute sich ihre jeweils zum Programmschluss ausgestrahlte Sendereihe "Erotisches zur Nacht", in der sie Geschichten, Lieder und Gedanken zum Thema präsentierte. Nach dem Ende des DFF ging sie zum MDR und moderierte dort unter anderem die Talkshow "Riverboat". Antje Garden starb 1993 bei einem Autounfall in Dresden.

Andrea Horn

Andrea Horn
Andrea Horn Bildrechte: MDR / (DRA)

1979 wurde die damals 19-jährige Krankenschwester Andrea Horn bei einem Kameratest auf dem "Solidaritätsbasar der Berliner Journalisten" fürs Fernsehen entdeckt. Noch im selben Jahr sprach sie ihre erste Ansage. "Große Ohrringe, Haare aufgedonnert - wie ein Weihnachtsbaum sah ich aus", erinnert sie sie. "Privat wäre man so nie herumgelaufen." Nach der Abwicklung des DFF war Andrea Horn unter anderem als Ansagerin bei RTL und dem ZDF beschäftigt. Doch Fernsehansagerinnen galten in jenen Jahren bereits als Auslaufmodelle. 1997 sprach Andrea Horn ihre letzte Ansage. Seit 2001 moderiert sie die Nachrichtensendung "MDR um elf".

Maria Moese

Bereits als Oberschülerin moderierte Maria Moese 1965 beim DFF die Sportsendung "Mach mit, mach’s nach, mach’s besser". Nach einem Studium der Journalistik arbeitete sie zunächst im Verlag "Junge Welt", um 1970 zum Fernsehen zurückzukehren. Sie wurde Programmansagerin und war die erste, die ihre Texte selbst schreiben durfte. 1976 protestierte Maria Moese, die mit dem namhaften Karikaturisten Willy Moese verheiratet und unter anderem mit Jurek Becker, Manfred Krug und Stefan Heym befreundet war, gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Daraufhin verschwand sie vom Bildschirm. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich hinfort als Herstellerin von exklusiven Ledergürteln, die auch bei den Kostümbildnern der DEFA sehr gefragt waren. 1989 wurde Maria Moese Pressesprecherin des letzten Außenministers der DDR, Markus Meckel. Seit dem Ende der DDR arbeitet sie als freie Moderatorin und Journalistin.

Susanne Schwab

Susanne Schwab
Susanne Schwab Bildrechte: MDR / (DRA)

Als Susanne Schwab 1984 ihre Tätigkeit als Programmansagerin beim DFF begann, war sie die jüngste unter den Kolleginnen und beim Publikum schon bald wegen ihres fröhlichen, zuweilen gar kecken Auftretens beliebt. Nach der Abschaltung des DFF arbeitete sie kurzzeitig als Sprecherin und Moderatorin beim Privatsender RTL, später beim SFB. Susanne Schwab, die von 1975 bis 1978 an der renommierten Schauspielschule "Ernst Busch" studiert hatte, ist seit Ende der achtziger Jahre auch als Schauspielerin beschäftigt. Unter anderem war sie im "Polizeiruf", in "Schloss Einstein" oder der ZDF-Serie "Unser Charly" zu sehen.

Ricarda Kaellander

Ricarda Kaellander
Ricarda Kaellander Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die ausgebildete Lehrerin Ricarda Kaellander begann ihre Fernsehkarriere beim "Ostseestudio Rostock" des DDR-Fernsehens. Ende der 1960er Jahre begann sie schließlich als Programmansagerin in der Sendezentrale in Berlin-Adlershof zu arbeiten und führte mit ausgesprochen ruhiger Stimme durch das Abendprogramm. Mitte der achtziger Jahre siedelte Ricarda Kaellander in die Bundesrepublik über und moderierte beim NDR das "Hamburg-Journal".

Elke Bitterhof

Elke Bitterhof
Elke Bitterhof Bildrechte: MDR / (DRA)

Nachdem sie ein Ingenieur-Diplom an der Dresdner Verkehrshochschule erworben hatte, studierte Elke Bitterhof Gesang an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin und bestand ihr Staatsexamen mit Auszeichnung. Sie war Mitglied des "Oktoberklubs" und stand mit Harry Belafonte und Ernst Busch auf der Bühne. 1980 begann sie als Programmsprecherin beim DFF zu arbeiten, tourte aber auch weiterhin mit dem "Oktoberklub" um die halbe Welt. Von 1991 an war sie als Redakteurin und Moderatorin beschäftigt, unter anderem für den ORB und den MDR. Heute arbeitet Elke Bitterhof als freie Journalistin.

Cornelia Nossek

Cornelia Nossek an Nikolaus
Cornelia Nossek Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Diplom-Germanistin Cornelia Nossek fand über einen Ansagetest auf dem "Solidaritätsbasar der Berliner Journalisten" zum Fernsehen – Ende der achtziger Jahre trat sie ins "Ansagekollektiv" des DFF ein. Nach der Abschaltung des DDR-Fernsehens begann Cornelia Nossek für den MDR zu arbeiten. Sie war es, die die Fernsehzuschauer am 1. Januar 1992 um Punkt 00:00 Uhr beim neuen Sender MDR begrüßte.

Cornelia Nossek an Nikolaus 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

(zuerst veröffentlicht am 08.12.2010)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Die große Wahl der beliebtesten Fernsehansagerinnen | 03.10.2007 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2018, 11:42 Uhr